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Formel 1 : Auf der eigenen Umlaufbahn

Der Sieger: Lewis Hamilton Bild: AP

Die Formel-1-WM wird zum Duell. Lewis Hamilton feiert seinen vierten Sieg in Serie, Nico Rosberg hat Angst, abgehängt zu werden. Sebastian Vettel fährt immerhin von Rang 15 auf 4.

          Eine kurze Umarmung, ein paar Worte – und dann war Ruhe. Kein Blick mehr für den anderen, kein Lächeln, nichts. Kurz vor der Siegerehrung zum Großen Preis von Spanien standen Lewis Hamilton und Nico Rosberg (beide Mercedes) in Warteraum hinter dem Podium und demonstrierten, dass jeder von ihnen ein Egoist ist. Sie legten ihre Uhren an, tranken einen Schluck Wasser, sie taten dies beinahe Schulter an Schulter – doch die Distanz zwischen den beiden hätte größer kaum sein können. Dabei lagen sie kurz zuvor auf der Strecke nach rund 307 Kilometern lediglich sechs Zehntelsekunden auseinander. „Ich war heute nicht schnell genug, Nico war schneller – aber Gott sei Dank habe ich ihn hinter mir gehalten“, sagte der Brite im ersten Interview. Es war sein vierter Sieg in Serie, Hamilton (100 Punkte) führt nun auch die Gesamtwertung vor Rosberg an (97). Der Deutsche antwortete: „Ich bin definitiv nahe dran. Ich muss nur das kleine Quentchen noch finden, dann übernehme ich die Führung wieder.“ Die WM ist zu einem Duell geworden: Daniel Ricciardo (Red Bull) hatte als Dritter 49 Sekunden Rückstand auf den Sieger – eine Ewigkeit. Sein Teamkollege Sebastian Vettel wurde immerhin noch Vierter, nachdem er nur als Fünfzehnter ins Rennen gegangen war.

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Silberpfeile rasen derzeit auf ihrer eigenen Umlaufbahn durch die Formel 1. „Darauf warten wir doch schon seit Jahren“, sagte Chefvermarkter Bernie Ecclestone in der Startaufstellung. Schon am Freitagabend war der Brite von München aus, wo ihm gerade der Prozess gemacht wird, nach Barcelona geflogen. Am Samstag traf er sich mit den Promotoren von siebzehn Ländern, um über die Zukunft der Rennserie zu sprechen. Am Sonntag zeigte sich unter anderem Daimler-Chef Dieter Zetsche an der Seite von Ecclestone und ließ sich mit ihm fotografieren. „Mercedes hat einen tollen Motor gebaut“, sagte Ecclestone: „Das ist eine phantastische Maschine.“ In jeder der drei Trainingssitzungen setzte entweder Hamilton oder Rosberg die schnellste Zeit, das gleiche Bild gab es am Samstag in den drei Durchgängen des Qualifikationstrainings. Mit dem besseren Ausgang für den Briten, der deshalb zum vierten Mal in dieser Saison von der Pole Position aus ins Rennen ging. Neben ihm: Teamkollege Rosberg.

          Gewohntes Bild: Mercedes vor Mercedes, Hamilton vor Rosberg

          Etwa 700 Meter sind es bis zur ersten Kurve auf dem Circuit de Catalunya, der Deutsche hatte sich für den Weg dorthin einiges vorgenommen: „Ein guter Start – und ich bin wieder vorne“, hatte Rosberg am Samstagnachmittag gesagt. Die Realität aber war eine andere. Hamilton blieb in Führung, Rosberg der Verfolger. Niki Lauda, der Vorstandsvorsitzende des Mercedes-Rennstalls, hatte ihnen noch folgendes mit auf den Weg gegeben: „Macht, was ihr wollt, aber baut keinen Unfall.“ Hamilton zog davon, nach drei Runden lag er zwei Sekunden vor Rosberg, und dieser Abstand blieb zunächst konstant. Alle anderen verloren zwischenzeitlich beinahe eineinhalb Sekunden pro Runde. Die Verfolger fuhren ihr eigenes Rennen: Vom Siebten Kimi Räikkönen (Ferrari) an wurde jeder von den Silberpfeilen überrundet.

          Es war ein Strategie-Rennen, es begann in der 19. Runde. Hamilton wechselte noch einmal auf die weichere und schnellere Reifenmischung, Rosberg kam ein wenig später (22.) und ließ die härteren Gummis aufziehen. „Der Plan war, dass ich am Ende des Rennens die weicheren Reifen habe und noch einmal angreifen kann“, sagte der Deutsche. Immer wieder bekamen die beiden Mercedes-Fahrer via Funk Anweisungen ihrer Renningenieure: Rosberg sollte den Rückstand schnell verkürzen, aber auf die Reifen achten; Hamilton wurde gesagt, dass er vor dem letzten Stopp fünf Sekunden Vorsprung brauche, um auf der sicheren Seite zu sein. Es waren 4,8 Sekunden. Das Rennen nahm Fahrt auf. Hamilton klagte über zu viel Übersteuern, später forderte er mehr Unterstützung vom Kommandostand ein. „Ich hatte echte Probleme mit dem Auto“, sagte der Brite später. Rosberg saß neben ihm und sagte: „Es ist schade, es hat nicht ganz gereicht. Es waren nicht genügend Runden.“ Wieder einmal saß Rosberg im schnellsten Auto im Feld – und wieder einmal wurde er geschlagen vom Mann aus dem eigenen Team. Und wieder spielte Hamilton mit ihm. Er lobte Rosberg, sagte, dass er ihm eine harte Zeit bereitet habe.

          Erfolg ist das Resultat von Teamwork: Lewis Hamilton und seine Crew

          Wer sehen will, wie ein Sportler voller Selbstvertrauen aussieht, der muss Hamilton beobachten in diesen Tagen. Wer jemanden sehen möchte, der nachdenkt und hadert, der sollte auf Rosberg blicken. So etwas wie Freunde sollen sie einmal gewesen sein, das haben sie in der Vergangenheit oft betont. Das Verhältnis zwischen beiden hat sich merklich abgekühlt. Im Titelkampf gibt es keine Freunde.

          Die Konkurrenz resigniert vor ihrer Überlegenheit. Vettel sagte schon am Donnerstag, dass die Lücke zwischen Mercedes und Red Bull derzeit zu groß sei. Und da wusste er noch nichts von den Problemen, die ihm bevorstanden. Im Training schmorte der Kabelbaum seines Red Bull, im Qualifikationstraining streikte das Getriebe. Immerhin: „Im Rennen hatten ich mehr Spaß als zuletzt“, sagte er. Siegchancen aber hat er derzeit nicht. Fernando Alonso (6./Ferrari) spricht aus, was viele denken: „Mercedes ist in einer Situation, in der sie jedes Rennen gewinnen könnten in diesem Jahr.“ Dies ist in der Geschichte der Formel 1 noch keinem Rennstall gelungen. McLaren siegte 1988 mit Ayrton Senna und Alain Prost bei 15 von 16 Rennen. Hamilton schmunzelte über so viel Anerkennung der Konkurrenz, danach sagte er: „Wenn das Team das Auto weiterhin so schnell entwickelt, dann gibt es eine Chance, dass wir dies schaffen. Unser Ziel ist es, alles zu gewinnen.“ Unser Ziel? Vermutlich ist es eher seines.

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