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Formel 1 : Auch ohne Teamorder: Massa und Fisichella fahren hinterher

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.-Greser&Lenz

Massa und Fisichella müssen in der Formel 1 ihren Chefpiloten Schumacher und Alonso nach allen Regeln der Chauffeurskunst Fahrdienste leisten. Wenn sie schon nicht Meister werden, dann wenigstens Meistermacher.

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          In der Formel 1 ist der Teamkollege der erste, der geschlagen werden muß. Längst geschehen. Michael Schumacher und Fernando Alonso befriedeten diesen natürlichen "Feind im eigenen Lager" schon vor Monaten. Mit so vielen Überholmanövern am laufenden Band, daß der Ferrari-Pilot Felipe Massa und der Renault-Fahrer Giancarlo Fisichella laut der Herbst-Statistik nur etwa halb so gut sind wie die beiden einzigen Kandidaten für den WM-Titel.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Vor dem 17. und vorletzten Grand Prix der Saison an diesem Sonntag in Suzuka führen Schumacher und Alonso die Fahrerwertung mit jeweils 116 Punkten an. Fisichella liegt mit 63 auf Rang drei knapp vor Massa (62). Solche Differenzen sind für den Teamfrieden in einer heiklen Phase der Meisterschaft wohltuend. Die Hackordnung ist klar, die Aufgabe selbstverständlich: Massa und Fisichella haben ihren Chefpiloten nach allen Regeln der Chauffeurskunst vorteilhafte Fahrdienste zu leisten. Wenn sie schon nicht Meister werden, dann wenigstens Meistermacher.

          „Do it for the championship“

          Selbst der 25 Jahre Massa (62 Rennen) oder der alte Fahrensmann Fisichella (33/176) spulen Beifahrer-Jobs in der Hochgeschwindigkeitsbranche nicht wie Trainingsrunden ab. Zumal die direkte Unterstützung eines Kollegen zum Nachteil eines Dritten bei Strafe verboten ist. Eine Blockadestrategie etwa dürfte schnell den Zorn des Internationalen Automobil-Verbandes (FIA) erregen, dessen Schnellgericht noch während des Rennens kurzen Prozeß macht. Dagegen werden sich die Verkehrsrichter schwer tun, eine sogenannte "Teamorder", seit vier Jahren das Synonym für Fernsteuerung, zu entlarven.

          Immer brav in der zweiten Reihe: Massa hinter Schumacher

          2002 erregte die Scuderia in Österreich mit dem Funkspruch von Rennleiter Jean Todt, "do it for the championship", weltweit Empörung. Weil Rubens Barrichello kurz vor Schluß vom Gas stieg, um dem langsameren Schumacher die volle Punktzahl zu überlassen. Ferrari tat zwar vor vier Jahren nur, was McLaren-Mercedes Ende 1997 und Anfang 1998 praktizierte, um dem späteren Weltmeister Mika Häkkinen auf die Sprünge zu helfen. Aber die ungenierte, öffentliche Rochade führte stante pede zum FIA-Erlaß. Seitdem taucht das Wort "Teamorder" im Wortschatz rechtschaffener Teamchefs nicht mehr auf. Geordert wird trotzdem. Und wenn man dem "zu schnellen" Angestellten hinter dem Steuer nur erklärt, daß die Drehzahlen seines Motors - leider - gesenkt werden müssen, damit dieser sich nicht in Schall und Rauch auflöst.

          Massa hatte seine Chance

          Wahrscheinlich sind Massa und Fisichella, beides gute Fußballamateure, für die Botschaft vom Mannschaftsgeist empfänglich. Bei Massa fehlte nicht viel, und er hätte nach seinem allerersten Sieg in der Türkei vor lauter Freude über die Premiere die Hand zum Schwur erhoben: Alles für den Schumacher! Der bedankte sich zwei Wochen später in Monza, als er seinen Rücktritt von der Formel 1 zum Saisonende bekanntgab mit ausgesuchter Höflichkeit: "Ich habe mich im Sommer entschieden, weil Felipe wissen mußte, ob er bleiben kann. Er ist ein sehr guter Fahrer. Die Jugend soll ihre Chance bekommen."

          Hat Massa sie nicht schon gehabt? Bei Sauber schickte man den Paulista weg. Er verstand zwar das Fahren, aber zuwenig von der Technik. Beim zweiten Versuch nach einer Lehre als Testpilot Ferraris empfahl er sich für die Schumacher-Assistenz. Seinen Speed bewies er mit dem Sieg in der Türkei. Auf allen anderen Touren aber blieb er zurück oder wegen Übermuts hängen. Am Sonntag mußte Massa nach einer Strafversetzung wegen eines Motorenwechsels von hinten angreifen. Er rutschte bei der Aufholjagd von der Piste. Später stieß er mit dem Renner von David Coulthard (Red Bull) zusammen: Nach dem Ausfall, der Ferrari in der Konstrukteurswertung um einen Punkt hinter Renault zurückwarf, gelobte der Brasilianer kleinlaut Besserung. Die Teamleitung nahm es zur Kenntnis.

          Die Geschlagenen bleiben

          Auch Fisichella kam in China ungeschoren davon. Obwohl er als Führender in einer Schwächephase von Alonsos Reifen eine Lücke ließ, die Schumacher sofort zum Sieg nutzte. "Er hat einen tollen Job gemacht. (...) Für das, was in der ersten Kurve passierte, gibt es keine Kritik", erklärte Renaults Technischer Direktor Pat Symonds. Dabei war der Römer, Sieger in Malaysia, mehrfach von seinem Renningenieur gewarnt worden, bei der Ausfahrt nach dem zweiten Boxenstopp auf neuen, noch nicht voll haftenden Reifen im ersten Rechtsknick besonders aufzupassen. Vergeblich. Fisichella vergaß den Rat und vergab mit einer kleinen Rutschpartie auf die Außenbahn die Gelegenheit, an seiner Formel-1-Geschichte zu feilen. So bleibt es beim Gesamteindruck nach zehn Jahren: Schnell, aber nie über einen längeren Zeitraum auf der Höhe des Geschehens.

          Die Zahlenkolonnen der Formel 1 lassen Massa und Fisichella keinen Spielraum für Erklärungen. Wer nur einmal siegt, während der Kollege im identischen Boliden sieben (Schumacher) oder sechs (Alonso) Grand Prix gewinnt, wer im Trainingsduell 3:13 (Massa) oder 6:10 (Fisichella) unterliegt, dem steht der Karriereknick so gut wie auf die Stirn geschrieben. Aber Fisichella erhielt schon im vergangenen Dezember die Zusage für eine Vertragsverlängerung. Quasi als Reaktion auf den überraschenden Wechsel Alonsos zu McLaren 2007. Auch Massa fährt nur weiter, weil der Schnellere aussteigt. Und so hat sich die Formel 1 selbst überholt: Die schwer Geschlagenen bleiben.

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