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Formel 1 : Arzt stoppt Ralf Schumacher, Jarno Trulli auf der Pole Position

  • Aktualisiert am

Ralf Schumacher konnte den Boliden aus eigener Kraft verlassen Bild: dpa/dpaweb

Die Ärzte hatten das letzte Wort: Formel-1-Pilot Ralf Schumacher muß einen Tag nach seinem schweren Trainingsunfall in Indianapolis auf einen Start beim Großen Preis der USA verzichten. Von der Pole Position startet Jarno Trulli am Sonntag ins Rennen.

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          Der schwere Unfall von Ralf Schumacher in Indianapolis hat große Probleme mit den Michelin-Reifen aufgedeckt und vor dem Rennen in Indianapolis eine Sicherheitsdiskussion in der Formel 1 ausgelöst. Während Ralf Schumachers Teamkollege Jarno Trulli im Toyota am Samstag in der Qualifikation unbeeindruckt vor dem Finnen Kimi Räikkönen im McLaren-Mercedes auf die Pole Position raste, wurde hinter den Kulissen heftig um einen Kompromiß gerungen (Siehe auch: Ergebnisse Formel 1).

          Weltmeister Michael Schumacher im Ferrari wurde Fünfter. Nick Heidfeld im BMW-Williams belegte Rang 15. Die Piloten, an deren Auto die französischen Pneus aufgezogen waren, mußten ihre Runde im Einzelzeitfahren mit Zittern drehen. Der auf Bridgestone fahrende Weltmeister Michael Schumacher im Ferrari konnte die Gunst der Stunde nicht nutzen und benötigte für die 4,192 Kilometer lange Runde auf dem Indianapolis Motor Speedway 1:11,347 Minuten. „Ich bin ganz zufrieden“, meinte der Rekordchampion dennoch. Er hoffte, daß die Konkurrenten leichter als der Ferrari unterwegs waren und im Rennen früher an die Box müssen.

          „Wechselbad der Gefühle“

          Schumacher war 0,744 Sekunden langsamer als Trulli, der die erste Pole für Toyota holte. „Das war ein Wechselbad der Gefühle“, sagte er und gab zu: „Wir wissen immer noch nicht, was mit den Reifen los ist.“ Michelin hat deshalb beim Automobil-Weltverband FIA angefragt, ob er im Rennen am Sonntag (20 Uhr in RTL, Premiere und im FAZ.NET-Liveticker) neue Pneus einsetzen werden kann, die extra aus Frankreich eingeflogen werden. Laut Michelin-Motorsportchef Pierre Dupasquier sollen Reifen aus einer Charge eingesetzt werden, die für das Rennen Anfang Mai in Barcelona entwickelt wurden. Nach dem Reglement ist das nicht erlaubt, doch scheint es dringend notwendig zu sein. Sogar ein Start- Verzicht der Michelin-Teams steht zur Debatte.

          Viel Arbeit für die Toyota-Mechaniker

          Ralf Schumacher, der am Vortag nach einem Reifenschaden in die mit so genannten Softwalls gesicherte Betonmauer krachte, wurde am Samstag vom FIA-Arzt Gary Hartstein gestoppt. „Theoretisch könnte ich fahren, aber die FIA hat entschieden, daß das Risiko zu hoch ist, mich fahren zu lassen“, sagte der Toyota-Pilot nach der Untersuchung im Medical Center. Der Pechvogel wird von Testfahrer Ricardo Zonta aus Brasilien ersetzt. Vor dem Schumacher-Unfall war auch Zonta - ebenfalls wegen eines Reifenschadens - verunglückt.

          „Das Risiko ist zu hoch“

          „Es ist natürlich interessant, wenn man sieht, daß Zonta zuvor - zwar an einer anderen Stelle - ein ähnliches Problem hatte“, sagte der mit Bridgestone-Reifen fahrende Michael Schumacher und legte schon unmittelbar nach dem Unfall den Finger in die Wunde. „Das Risiko ist zu hoch. Wir haben definitiv noch Probleme mit den Reifen, das ist bekannt. Solche Unfälle zwei Mal innerhalb von 24 oder 48 Stunden zu haben, das ist nicht gerade förderlich für die Gesundheit“, sagte Ralf Schumacher, der schon im Vorjahr im Rennen in Indianapolis in genau derselben Steilkurve verunglückt war. Damals hatte er sich eine schwere Gehirnerschütterung zugezogen, zwei Wirbel gebrochen und mußte sechs Rennen lang aussetzen.

          „Lex Michelin“

          In diesem Jahre wurde dem 29jährigen die Wahl vom FIA-Arzt abgenommen. Die anderen 14 Michelin-Piloten dagegen mußten für sich selbst ihre Entscheidung treffen. „Wir finden keine Erklärung für die Probleme“, gestand Michelin-Mann Dupasquier. Der Pneu-Hersteller gab den Teams den Rat, den Reifendruck zu erhöhen. Außerdem wurde die Rundenzahl im Training reduziert.

          Ralf-Schumacher-Ersatz Zonta drehte deshalb im ersten Teil des freien Training am Samstagmorgen nur eine Runde. Trulli ließ den Toyota in der ersten Trainingseinheit ganz in der Garage stehen. Die anderen auf Michelin-Reifen fahrenden Teams, darunter auch Räikkönen und der in der Qualifikation drittplazierte Jenson Button im BAR-Honda, fuhren zunächst nicht durch die Steilwandkurve, sondern durch die Boxengasse. Auf Funktionärsebene wird heftig über eine „Lex Michelin“ diskutiert. Nach dem Regelwerk müssen Qualifikation und Rennen mit einem Reifensatz bestritten werden. Eine Entscheidung über eine Ausnahmeregelung muß einstimmig fallen. „Das ist im Prinzip falsch“, meinte Ferraris technischer Direktor Ross Brawn. „Aber letztlich muß die FIA entscheiden.“

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