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Formel 1 : Angriff auf den Überflieger

  • -Aktualisiert am

Ins Gebet nehmen: Auch McLaren, hier mit Sergio Perez, findet keine innere Ruhe für das große Überholmanöver Bild: dpa

Die Konkurrenz von Sebastian Vettel und Red Bull will dem Erfolgsmodell der Formel 1 mit einer Mobilmachung die Flügel stutzen. Das Weltmeisterteam hat vor dem Grand Prix von Indien dagegen eine Abwehrstrategie entwickelt.

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          Die Verlierer stehen genervt und fassungslos vor der phänomenalen Kombination Sebastian Vettel/Red Bull. Mit den Trainingsbestzeiten am Freitag hat die beste Fahrgemeinschaft der Formel 1 schon angedeutet, dass sie an diesem Samstag in der Qualifikation (10.30 Uhr/ live in RTL und F.A.Z.-Liveticker) Sonntag beim Großen Preis von Indien alles gewinnen will: der Pilot den vierten Fahrertitel in Serie, das Team die vierte Konstrukteurswertung. Ferrari könnte den Triumph vorerst verhindern, wenn die Scuderia den Rückstand um 19 Punkte verringern würde. Aber das ist den Italienern mit ihrem Starpiloten Fernando Alonso in diesem Jahr nur einmal gelungen, im Frühjahr, beim Rennen in China. Ein gutes halbes Jahr später sind die Verfolger immer noch ratlos: Wie konnten dem einstigen Mittelklasseteam Flügel wachsen?

          Viermal sind Ferrari, Mercedes, McLaren und Lotus vergeblich gegen die Übermacht aus Milton Keynes angerannt. Der Rennstall aus Mittelengland, zusammengebaut aus den Überresten von Stewart und Jaguar, produziert seit 2009 einen erstklassigen Boliden nach dem anderen. Dazu müsste die Konkurrenz doch auch in der Lage sein: Bei Ferrari baut man seit 1950 Formel-1-Autos. Mercedes hat die Fabrik von BAR und Honda übernommen, mit Ross Brawn einen Teamchef engagiert, der mit Benetton, Ferrari und seinem eigenen Rennstall WM-Titel sammelte. Lotus operiert von der Basis im englischen Ort Enstone aus, in der Weltmeister-Autos von Benetton und Renault entstanden sind. Ferrari kaufte Alonso ein, Mercedes Lewis Hamilton, Lotus Kimi Räikkönen, alle drei Weltmeister, Fahrer, die wissen sollten, wie man Erster wird. Jetzt werden sie wieder geschlagen.

          Alle stocken ihr Budget und ihre Belegschaften auf

          Warum also fahren Vettel und Red Bull voran? Ist es wirklich nur Adrian Newey, der stille Techniker, dessen Autos in den vergangenen 22 Jahren mehr Titel und GP-Siege gewannen als Michael Schumacher und Vettel zusammen? Ist es eine perfekt eingespielte Truppe ohne große Fluktuation, die nach Einschätzung von Red Bulls Motorsportdirektor Helmut Marko „alle Schwächen abgestellt hat und einfach nur weniger Fehler macht als die Konkurrenz“? Hat allein Vettel seinen Rivalen Alonso, Hamilton und Räikkönen den Rang abgelaufen? Oder ist es das Geld, das Red Bull in das Unternehmen Formel 1 pumpt, inzwischen noch nicht einmal mehr aus eigener Tasche, weil über Sponsoren und Erfolgsprämien der Etat „fremdfinanziert“ wird? Mercedes gab 2012 als Vorbereitung für die diesjährige Saison laut des englischen Handelsregisters die Summe von 179 Millionen Euro aus. Bei Red Bull sollen es Gerüchten zufolge rund 250 Millionen gewesen sein. Die Zahlen werden demnächst veröffentlicht.

          Bleibt angriffslustig: Sebastian Vettel in Indien

          Es gibt einige Erklärungen für die Dominanz von Red Bull. Der Rennstall schlägt die Konkurrenz durch Effizienz, durch die Wahl der richtigen Prioritäten und sicher auch, weil die Strategen hier und da an und über die Grenze des Erlaubten hinausgehen. Die Gegner sind sich sicher, dass die Titelverteidiger die freiwillige Ressourcenbeschränkung aushebeln. Doch viel Geld, mehr Personal oder bessere Werkzeuge führen nicht automatisch zum Erfolg. Man muss verstehen, wie die Ressourcen richtig eingesetzt werden. So wie Vettel aus dem schnellsten Auto im Feld mehr herausholt als sein Teamkollege Mark Webber, der ein guter Rennfahrer ist, aber eben kein Champion.

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