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Formel 1 : Anfängerfehler am Ferrari-Kommandostand

  • -Aktualisiert am

Ferrari ist so schlecht wie seit 1992 nicht mehr in eine Saison gestartet Bild: AP

Ferrari macht sich zum Gespött der Formel 1. Die Ingenieure haben sich ziemlich verspekuliert. Die neuen Kapitäne werden von der glorreichen Vergangenheit eingeholt. Ob es aber beim Rennen in Schanghai am Sonntag besser läuft, ist fraglich.

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          Das Bild muss man sich einrahmen. In der Konstrukteurswertung rangiert Titelverteidiger Ferrari auf dem letzten Platz, noch hinter dem ewigen Schlusslicht Force India. Der indische Milliardär Vijay Mallya, der sonst das geringste Lebenszeichen seines Rennstalls bejubelt, aber blieb stumm. Wahrscheinlich hält er den WM-Stand für eine Sinnestäuschung. Ferrari ist so schlecht wie seit 1992 nicht mehr in eine Saison gestartet.

          Auch damals standen nach zwei Rennen null Punkte auf dem Konto. 17 Jahre später machen peinliche Begleitumstände den ruhmreichen Rennstall zum Gespött der Szene. Dreimal beendete ein Defekt das Rennen der Ferrari-Fahrer. Zweimal unterliefen den Strategen Fehler am Kommandostand. Präsident Luca di Montezemolo forderte bei einer Krisensitzung: „Ich will nicht, dass sich Ferrari bei jedem zur Komödiantentruppe macht.“

          Felipe Massa bringt es auf den Punkt. „Wir leben noch zu sehr in der Vergangenheit, in der uns alles fast automatisch gelang. Heute werden unsere Fehler hart bestraft“, sagte der Ferrari-Pilot. Nach dem pannenreichen Auftakt fragt sich die Fahrerlagergemeinde: Ist das noch die gleiche Mannschaft, die seit 1999 fünf Fahrer-Weltmeisterschaften und acht Konstrukteurstitel nach Maranello geholt hat? Die in den goldenen Schumacher-Zeiten Rekorde bei der Standfestigkeit ihrer Autos aufstellte. Die berühmt wurde für ihre umsichtige Renntaktik und perfekte Boxenchoreographie. Im Augenblick scheinen alle Tugenden verlorengegangen zu sein.

          Nicht nur das Team, auch die Fans haben nur noch wenig Freude an Ferrari

          „Diese Probleme werden eines Tages gelöst werden“

          Der vom Reglement provozierte Neubeginn hat mit dem ungewohnten Bild in der Formel 1 direkt zu tun. Die ehemaligen Hauptdarsteller wurden zu Statisten und die Mitläufer zu Helden. McLaren-Mercedes, Renault und BMW geht es nicht viel besser als Ferrari. Elf Jahre lang mussten die Teams immer nur ein bekanntes technisches Konzept über den Winter verfeinern. Wer eine gute Basis hatte, lebte davon.

          Doch diesmal begann alles bei null. Es war die erste echte Herausforderung bei Ferrari für die Generation nach Jean Todt, Ross Brawn und Michael Schumacher. Der Ferrari F60 ist zwar besser, als es die Ergebnisse ausdrücken. „Er ist aber auch nicht so gut wie die Autos der letzten Jahre“, sagt Massa und blickt beunruhigt auf den WM-Zwischenstand: „Ich bin auch 2008 nach zwei Rennen mit null Punkten abgereist. Doch da hatte ich das beste Auto im Feld. Ich wusste, dass ich den Rückstand wieder aufholen würde.“

          Die Ferrari-Ingenieure haben sich diesmal in zwei Punkten verspekuliert. Sie setzten wie ihre Kollegen von McLaren, BMW und Renault voll auf den Hybridantrieb. Die rund 35 Kilogramm schweren Kers-Komponenten sind im Augenblick noch eher ein Handikap als ein Gewinn. Das Extragewicht schränkt die Hybrid-Verfechter beim Ausbalancieren des Autos ein, und der Mitbremseffekt des Elektromotors macht die Autos bei bestimmten Ladezuständen der Batterien heikel zu fahren. „Diese Probleme werden eines Tages gelöst werden“, glaubt Ross Brawn, dessen Siegerautos ohne die 82 PS aus der Elektrokonserve auskommen: „Eines Tages wird Kers ein Vorteil sein. Der Zeitpunkt, wann es so weit sein wird, könnte die Weltmeisterschaft entscheiden.“ Beim Rennen in Schanghai an diesem Sonntag (9.00 Uhr / FAZ.NET-Formel-1-Liveticker) verzichtet Ferrari wegen der Unzuverlässigkeit des Systems auf Kers.

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