https://www.faz.net/-gtl-a33p3
Bildbeschreibung einblenden

Formel 1 in Monza : Party für Pierre

Erst degradiert, jetzt Sieger: Pierre Gasly Bild: AP

Ein Franzose gewinnt in der Formel 1 – erstmals seit 1996 und nach einem kuriosen Grand Prix in Monza. Hamilton bremst ein Fehler, Ferrari löst sich in Einzelteile auf.

  • -Aktualisiert am
          4 Min.

          Er ist schon mal degradiert worden, vom Stammpiloten bei Red Bull zurück ins zweite Glied versetzt, zum Piloten von Alpha Tauri: Pierre Gasly, 24 Jahre alt, hat harte Zeiten in der Formel 1 hinter sich und in der Nacht zum Sonntag kaum davon geträumt, am Nachmittag allen voraus zu sein beim Großen Preis von Italien in Monza. Der gesamten Formel-1-Elite, dem sechsmaligen Champion Lewis Hamilton, dem Weltmeister-Team Mercedes: Erster in einem kuriosen Rennen vor dem Spanier Carlos Sainz jr. im McLaren und Lance Stroll aus Kanada (Racing Point). Erstmals seit 1996, als Olivier Panis in Monaco siegte, gewann wieder ein Franzose eine Formel-1-Rennen. „Oh, mein Gott“, schrie Gasly nach der Zieldurchfahrt mit 0,4 Sekunden Vorsprung vor Sainz, nach einem harten Kampf in den letzten Runden und fügte später hinzu: „Ich fasse es nicht, ich habe so viel erlebt in den vergangenen 18 Monaten. Ich kann das noch gar nicht realisieren, so ein verrücktes Rennen.“ Der Dank gilt wohl indirekt auch Mercedes. Lewis Hamilton verlor den Grand Prix wegen einer falschen Entscheidung.

          Anno Hecker
          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Alpha Tauri ist – unter dem Namen Toro Rosso unter Führung von Franz Tost – schon einmal ein Coup gelungen in Monza. 2008 gewann ein gewisser Sebastian Vettel. Diesmal löste sich der Ferrari des Hessen früh auf. Das mag nicht überraschend sein nach den Ergebnissen auf der Rennstrecke in den vergangenen Wochen. Am Sonntag aber mussten die Fans der Scuderia diese Nachricht wörtlich nehmen. Nach ein paar Runden flogen Teile aus dem Heck von Vettels SF 1000. Flammen züngelten an der rechten Hinterradachse. Relativ entspannt teilte der viermalige Weltmeister seinem Team per Funk mit, dass die Bremse ausgefallen sei. Sekunden zuvor waren die Fetzen geflogen, der Ferrari durch die symbolischen Barrieren aus Styropor im Notausgang neben der ersten Schikane geschossen. Sie stehen dort, um Piloten nach Fahrfehlern in einen kleinen Slalom zu zwingen. Sie sollen die Abkürzung nicht zum Vorteil nutzen. Vettel hatte keine Chance. Bei Tempo 320 am Bremspunkt erwartete er trotz Vorahnungen die Verzögerung seines Boliden. Er trat ins Leere. Auch das noch.

          Wie immer in den vergangen Wochen: Ein bedienter Sebastian Vettel
          Wie immer in den vergangen Wochen: Ein bedienter Sebastian Vettel : Bild: dpa

          Immerhin blieb ihm einiges erspart zum frühen Feierabend während der Kaffeezeit: eine Dusche und der Kampf im hinteren Feld. „Das Bremsproblem deutete sich an, ich habe versucht, das zu kontrollieren, die Bremsbalance verändert“, sagte Vettel dem Fernsehsender RTL: „Gott sei dank ist es zum kompletten Bremsversagen in der ersten Ecke und nicht woanders gekommen.“ Vettel wollte sich dann doch abkühlen: „Ich nehme erstmal eine kalte Dusche.“

          Kalt verformt, rauchend: Auch Leclerc scheidet aus

          Teamkollege Charles Leclerc hielt sich 24 Runden im Rennen, lag nach der ersten Safety-Car-Phase zu seinem Glück auf Rang fünf, eher er zu schnell in die Parabolica-Kurve bog, die Kontrolle über seinen Boliden verlor und heftig in den Reifenstapel prallte. Der Monegasse sprang unverletzt aus dem Auto. Zurück blieb der Haufen eines kalt verformten, aber rauchenden Rennwagens, der einst die Gegner vor Ehrfurcht erzittern ließ. Müssen sich jetzt die Fahrer Sorgen machen? Die Frage konnte nicht gestellt werden. Ferrari sagte die virtuelle Pressekonferenz ab.

          Weitere Themen

          Acht Kilogramm begehrtes Silber

          EM-Pokal : Acht Kilogramm begehrtes Silber

          Der Sieger der Fußball-EM bekommt den Coupe Henri Delaunay überreicht. Der Materialwert ist überschaubar, aber der ideelle Wert dürfte für die Spieler nicht zu bezahlen sein.

          Das Drama um Christian Eriksen Video-Seite öffnen

          Herzdruckmassage auf dem Platz : Das Drama um Christian Eriksen

          Bei der Begegnung zwischen Dänemark und Finnland war der 29-jährige Christian Eriksen kurz vor Ende der ersten Halbzeit kollabiert. Fans und Spieler zeigten sich fassungslos. Die gute Nachricht: Der Zustand des dänischen Nationalspielers hat sich stabilisiert.

          Topmeldungen

          Konziliant im Ton, in der Sache aber auch mit einigem einverstanden, was Donald Trump veranlasste: der amerikanische Präsident Joe Biden am Montag in Brüssel

          Biden und die EU : In Trumps langem Schatten

          Am Dienstag trifft der amerikanische Präsident die Spitzen der EU. Die Europäer wollen endlich Trumps Strafzölle loswerden, doch Biden zögert das hinaus. Fortschritte gibt es dagegen auf anderen Feldern.
          Ortsunschärfe ist ein Phänomen in der Quantenphysik.

          Deutscher Quantencomputer : Neues Rechnen

          Nahe Stuttgart können Unternehmen jetzt einen Quantenrechner testen. Forschungsministerin Karliczek und Fraunhofer-Präsident Neugebauer diskutieren, was das bringt – und ob Deutschland schon wieder zu spät ist.
          Die deutsche Mannschaft darf sich im Duell mit Frankreich durchaus Hoffnungen auf Jubel machen.

          EM-Prognose : Deutschland ist gar nicht chancenlos!

          Frankreich! Der Weltmeister! Der Topfavorit! Vor dem Auftakt sehen viele schwarz für die deutsche Nationalelf. Doch die EM-Prognose ist nicht so düster. Das Duell verspricht vielmehr Hochspannung.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.