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Formel 1 : Alonso besteht die spanische Geduldsprobe

  • -Aktualisiert am

Bei Alonsos Triumph ist Schumacher chanchenlos Bild: AP

Michael Schumacher hat den Hattrick in der Formel 1 verpaßt. Nach seinen Siegen in Imola und auf dem Nürburgring belegte der Ferrari-Pilot beim Großen Preis von Spanien den zweiten Platz hinter Lokalmatador und Weltmeister Fernando Alonso.

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          King Kong ist in der Formel 1 angekommen. Mit schweren Schritten, geblähter Brust und abgespreizten Armen stapfte Fernando Alonso kurz nach dem Sieg beim Großen Preis von Spanien als Gorilla-Imitator an seinem blauen Renault entlang. Als wolle er seinen Landsleuten auf der prall gefüllten Haupttribüne des Circuit de Catalunya seine Botschaft pantomimisch übermitteln: Ich bin das Monster und fange alle ein!

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Der Weltmeister hat Ferrari und Michael Schumacher nach den beiden Siegen der deutsch-italienischen Renngemeinschaft in den vergangenen Wochen in der Heimat nicht nur geschultert. Alonso vergrößerte mit seinem dritten Saisonsieg vor dem Rheinländer und dem zweiten Renault-Fahrer Giancarlo Fisichella auch seine Führung in der Fahrerwertung. Schumachers Rückstand als Zweiter wuchs mit dem sechsten von 18 Rennen um zwei Punkte auf fünfzehn an. Bester Deutscher hinter dem Ferrari-Star wurde in einem eintönigen Rennen Nick Heidfeld auf BMW-Sauber mit Rang acht. Während Nico Rosberg (Williams) Platz elf belegte, schied Ralf Schumacher mit seinem Toyota aus.

          Fisichella als Spielverderber

          Blockbildung, das war das befürchtete Szenario aus der Sicht von Ferrari. Mühelos zog Alonso von der Pole-Position als Erster hinein in die erste Kurve, dicht gefolgt von seinem Schattenmann. Tatsächlich erschien Fisichella wie ein Spielverderber auf den ersten Metern. Keine Startverschleppung, kein Bremsfehler, die Absicherungstaktik hinter dem Weltmeister vor der Ferrari-Crew mit Schumacher und Felipe Massa ließ sich auf Anhieb umsetzen. Reibungs- und damit spannungslos kam die Formel 1 in die Gänge. Nur einer machte sich kurzfristig bemerkbar. Kimi Räikkönen schoß in seinem McLaren-Mercedes von Startplatz neun auf Rang fünf vor. Danach setzte sich wieder das Thema des Wochenendes durch: Geduld.

          Der Zweite gratuliert dem Dritten

          Das galt nicht nur für die Freunde des Ferrari-Stars Schumacher, der sich mit seiner Entscheidung, in der Formel 1 zu bleiben, bis zum Herbst Zeit lassen darf. Es galt auch für den siebenmaligen Champion selbst. Hinter Fisichella fuhr er mit Massa die gleichen Rundenzeiten, während Alonso vorne Tour um Tour die Distanz vergrößerte, im Schnitt um 0,7 Sekunden. Wie aber können zwei Renaults von gleicher Form und Farbe so unterschiedlich schnell sein, wenn sie im Zeittraining am Samstag mit der annähernd gleichen Benzinmenge an Bord nicht mal ein Zehntelchen trennte? Barcelona führte die Klassenunterschiede zwischen einem Weltmeister und einem gelegentlichen Grand-Prix-Sieger vor Augen.

          „Zu langsam“ auf der Wahrheitspiste

          Schumacher fühlte sich nicht gebremst. Er war zu schwer, um Fisichella vom ersten Moment an bedrängen zu können. Als Letzter der Siegkandidaten kam er sechs Runden nach Alonso zum Nachtanken (24. Runde). Der Sprit-Ballast bremste jeden Umlauf des Rheinländers um etwa sechs Zehntelsekunden im Vergleich zu Alonso. Was die Leistung des Weltmeisters beim Qualifying relativiert. Schumacher hatte am Samstag nur drei Zehntelsekunden länger gebraucht als Alonso. Mit weniger Treibstoff an Bord hätte er die Pole-Position belegen und so vielleicht das Rennen „von vorne“ gewinnen können. Ferraris Schwergewichtsstrategie aber läßt den Schluß zu, daß die Taktiker aus Maranello die Leistungsfähigkeit von Renault in Barcelona unter- oder den eigenen Speed überschätzt haben.

          „Wir waren heute zu langsam“, sagte Schumacher, „das war erstaunlich, weil wir eigentlich extrem schnell zu sein glaubten über die Distanz. Aber die Strecke hat sich wohl geändert. Es benötigt Kleinigkeiten, um die Dinge aus der Balance zu bringen. Sie sind Fernando zugute gekommen und haben uns zurückgeworfen.“ Der Kurs von Barcelona ist so eine Art Wahrheitspiste. Hier wird die ultimative Antwort geben, welcher Bolide den höchsten Ansprüchen der Aerodynamik genügt, also ein wirklicher Renner unter den Boliden ist.

          „Ein Reifenkrieg wie nie zuvor“

          „Ich habe auf den Angriff von Ferrari gewartet“, sagte Alonso, „denn wir waren ein bißchen in Zweifel, was unsere Reifen betraf, aber der Angriff kam nicht, und bei uns ging alles gut.“ Die kleinen, zwischen Sieg und „Niederlage“ entscheidenden Leistungsschwankungen bei Renault und Ferrari führt der profilierteste Testpilot der Branche, Alexander Wurz (Williams), nicht auf ein besseres Chassis, sondern weitestgehend auf den Wettbewerb der Reifenhersteller zurück: „Die WM ist ein Reifenkrieg wie nie zuvor. Es ist wie beim Skifahren früher mit dem Wachs. Zwei, drei Grad (Celsius) Unterschied, und du liegst daneben. So ähnlich ist das mit den chemischen Reaktionen des Gummis auf dem Asphalt“, sagt der Reifenexperte unter den Piloten: „Nuancen können Welten ausmachen.“ Sie können - wie in Barcelona fast schon Tradition - ein ganzes Rennen lähmen.

          Immerhin gab es am Sonntag ein paar aufregende Momente: Ralf Schumacher verlor die Hälfte seines Frontflügels, als sein Teamkollege bei Toyota, Jarno Trulli, beim Überholversuch des Rheinländers mit einem Zug zur Kurvenmitte „die Türe“ schloß. Juan Pablo Montoya driftete mit seinem McLaren-Mercedes quer durch die Kurve ins Kiesbett und in den Feierabend. Und bei Super Aguri suchten sie zur vorübergehenden Kurzweil des Publikums beim Boxenstopp aufgeregt die richtigen Reifen, während sich der Pilot in Geduld faßte. Das hatte durchaus symbolische Bedeutung, für den Tag und die Saison: „Es ist noch ein langer Weg zu gehen“, sagte Schumacher, „ich habe nur zwei Punkte verloren. Laßt uns abwarten.“

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