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WM-Start in Melbourne : Die Formel 1 wagt wieder mehr Risiko

  • -Aktualisiert am

Breit und stark: Mercedes-Pilot Lewis Hamilton macht mächtig Eindruck. Bild: AFP

Schneller, spektakulärer – und gefährlicher: Erstmals seit 1966 werden die Autos in der Formel 1 durch die Regeln beschleunigt. Die Fahrer brauchen mehr Muskeln. Und die Nebenwirkungen sind ungewiss.

          5 Min.

          Immer schneller. Das hätte Lewis Hamilton gerne. Jedes Jahr das Tempo ein bisschen steigern, die Grenzen hinausschieben, immer am Limit fahren. So wie früher, als sich die Formel 1 noch frei entfaltete. Als Konstrukteure mit revolutionären Boliden zu einem Saisonauftakt wie nun am Sonntag in Melbourne (7.00 Uhr MESZ / Live bei RTL, Sky und im Formel-1-Ticker bei FAZ.NET) auftauchten. Oder mit aberwitzigen Ideen und Formen: Spoiler wie ein Tablett auf Stelzen vorne und hinten, sechs statt vier Räder, Schürzen bis zum Boden, damit der Bolide mächtig angesaugt wird und in den Kurven auf dem Asphalt klebt. Nicht zu vergessen die Ventilatoren im Heck.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Mancher Geistesblitz machte Piloten zu Weltmeistern, mancher ihre Frauen zu jungen Witwen. Der Tod fuhr mit. Die Formel 1 fuhr weiter: „Das Leben wird nicht nur nach Jahren gemessen“, sagte Bruce McLaren zum Unfalltod seines Piloten-Freundes Timmy Meyer 1964, „sondern auch an dem, was man erreicht hat.“ Der Neuseeländer McLaren gründete vier Jahre später den gleichnamigen wie berühmten Rennstall und gewann mit den von ihm entworfenen Autos. Am 2. Juni 1970 kam er bei Testfahrten ums Leben, mit 32.

          Immer schneller? In den siebziger Jahren wehrten sich die Fahrer gegen den Wahnsinn, mit ihren auf Abtrieb getrimmten Boliden über die Sprungschanzen alter Rennstrecken zu rasen und mit Ansage in die Botanik zu fliegen. Der Nürburgring bestätigte seinen Ruf als grüne Hölle, in der Niki Lauda fast verbrannt wäre, während in der westeuropäischen Gesellschaft die Versicherungswirtschaft prosperierte. Nichts, gegen was sich der Bürger nicht versichern konnte und wollte. Das Sterben beim Sport musste aufhören. Die Botschaft von Verehrern todesmutiger Helden wie dem Literaten Ernest Hemingway passte nicht mehr in die Zeit: „Es gibt nur drei Sportarten“, behauptete der Abenteurer: „Stierkampf, Bergsteigen und Rennfahren. Alles andere ist Spielerei.“ Weil Fehler alles beenden konnten.

          Die Formel 1 reagierte auf den gesunden Wandel des Zeitgeistes mit einer beeindruckenden Entwicklung der Sicherheitstechnik. Aber erst nach den tödlichen Unfällen von Imola 1994, wo einen Tag nach dem unerfahrenen Österreicher Roland Ratzenberger selbst der Superstar, Ayrton Senna, an einer Betonwand in der Tamburello-Kurve zerschellte, begann eine ultimative Sicherheits-Ära. Den Beschleunigungstricks der Ingenieure begegnete der Internationale Automobil-Verband Fia unter seinem Präsidenten Max Mosley mit regelmäßigen Bremsmanövern.

          Das Tablett: 1968 wachsen der Formel 1 Flügel. Die Suche nach Grip führt zu überdimensionierten Servierwagen, die Werber greifen zu: Sponsoring wird erlaubt. Die filigranen, filigranen, an der Aufhängung montierten Flügel Stützen, hier am Brabham BT26, werden alsbald verboten – zu gefährlich. Bilderstrecke

          Fast jede Regeländerung diente dazu, den unbändigen Vorwärtstrieb von Designern und Fahrern einzudämmen: kleinere Motoren, weniger PS, Rillenreifen mit kaum Haftung, Einschränkungen bei der Aerodynamik. 2010 sprach Rekordweltmeister Michael Schumacher kurz nach seinem Comeback leicht verächtlich von „Lkw“ mit „Holzreifen“. Über die Jahre beklagten namhafte Fahrer mehr oder weniger lautstark den Verlust der physischen wie psychischen Herausforderung. In einer kastrierten Formel 1 sah Vettel „Autos ohne Seele“.

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