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Flavio Briatore wird 70 : Der skandalöse Playboy der Formel 1

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Flavio Briatore erregte auch Aufsehen durch seine Liaison mit Heidi Klum (Bild von 2003). Bild: Picture-Alliance

Flavio Briatore sah die Formel 1 nicht nur als Sport an. Vielmehr ging es ihm um Spektakel, Glamour und Geschäft. Bei einem unfassbaren Skandal der Rennserie war er mittendrin. Und danach war Schluss für Briatore.

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          Flavio Briatore schaut gebannt auf die Bildschirme vor ihm. Er ist der Chef. Der Teamchef von Renault. Er, der charismatische Italiener, der die Rekordkarriere von Michael Schumacher viele Jahr zuvor beschleunigt hatte. Briatore sieht, wie einer seiner beiden Fahrer im September 2008 beim Großen Preis von Singapur, es ist die erste Auflage des elektrisierenden Nachtrennens, in die Streckenbegrenzung kracht. So ein Ärger. Oder? Nein. Etwas später jubelt Briatore. Sein zweiter Fahrer hat den Großen Preis von Singapur gewonnen. Zufall? Nein.

          Es ist vielmehr einer der größten Skandale in der Formel 1 – vermutlich noch immer der unfassbarste, mit Briatore mittendrin. Der Erfolgsmacher. Der Playboy. Nach seiner Liaison mit Heidi Klum kam deren Tochter Leni auf die Welt. Beide hatten sich schon während der Schwangerschaft wieder getrennt. Briatore war einer von denen, der das Image einer chauvinistischen Rennserie mit Sex-Appeal auch dank seiner Beziehungen pflegte. Einer aus einer mittlerweile längst vergangenen Zeit. Jachten, schöne Frauen, braun gebrannt, Sonnenbrille, Reich an Geld, Reich an Skandalen.

          An diesem Sonntag wird dieser schillernd-reiche Flavio Briatore 70 Jahre alt. Er wird ihn in Monaco verbringen, zusammen mit seinem zehn Jahre alten Sohn Natha Falco und dessen Mutter. Er sage seinem Sohn, dass dieser sich sehr glücklich schätzen könne, nicht jeder habe solche Möglichkeiten, erzählte Briatore in einem Interview der Zeitung „Corriere della Sera“.

          Wohlhabend wurde Flavio Briatore, Sohn eines Grundschullehrer-Ehepaars aus Verzuolo in der Region Piemont, Mitte der 80er Jahre, als er in den Vereinigten Staaten für einen Modehersteller Franchise-Läden eröffnete. Ein Jahr nach seinem ersten Rennstreckenbesuch beim Formel-1-Rennen in Australien 1988 wurde Briatore Teamchef von Benetton. Ohne wirkliche Kenntnisse von der Formel 1, ohne Ahnung von der Technik. Ein T-Shirt-Hersteller, wie er selbst scherzend meinte.

          „Briatore brachte in die Formel 1 einen einzigartigen und innovativen Management-Stil“, heißt es auf seiner Homepage. Das trifft durchaus zu, gemeint ist hier aber vor allem, dass er die Formel 1 nicht als Sport, sondern vor allem als Spektakel und Geschäft angesehen habe. Briatore lotste Michael Schumacher Anfang der 90er Jahre in sein Team, 1994 und 1995 holte der gebürtige Kerpener im Benetton die ersten beiden seiner sieben WM-Titel.

          Briatore bewertet seine Formel-1-Triumphe mit Schumacher als Sieg über das Establishment. „Unser größter Erfolg war, dass Michael und ich uns gegen alle Neider und Widerstände der Fia mit Präsident Max Mosley durchsetzten. Das Team eines T-Shirt-Produzenten, das Ferrari, McLaren und Williams schlägt? Das passte nicht zur Formel 1“, sagte Briatore der „Bild am Sonntag“. „Wir hatten damals sieben Millionen Pfund Sponsorengelder, und ich war auf der Suche nach einem erfolgshungrigen Fahrer. Es hat gepasst“, meinte Briatore über die Verpflichtung Schumachers.

          Formel-1-Weltmeister 1994: Michael Schumacher und Teamchef Flavio Briatore (rechts) bei Benetton
          Formel-1-Weltmeister 1994: Michael Schumacher und Teamchef Flavio Briatore (rechts) bei Benetton : Bild: dpa

          Später wurde Briatore Teamchef bei Renault und beendete mit Fernando Alonso 2005 die Serien-Triumphe Schumachers. 2006 gewann Alonso unter Briatore abermals die Fahrer-Weltmeisterschaft. Zwei Jahre später kam der Tiefpunkt, zwei Jahre später kam Singapur, zwei Jahre später kam ein fingierter Unfall mit einem Teamchef namens Briatore. In der 14. Runde krachte Nelson Piquet Junior mit seinem Renault in die Streckenbegrenzung, weil er sollte. Er blieb unverletzt. Teamkollege Alonso war ungewöhnlich früh an die Box zum Reifenwechsel gerufen worden und profitierte danach von der Safety-Car-Phase durch den Unfall. Er gewann das Rennen. Auch Briatore jubelte mit, wurde später aber zunächst vom Automobilweltverband für immer verbannt.

          „Ich glaube, wir mussten der Welt und unseren Sportfreunden zeigen, dass jemand, der so etwas Schlimmes tut, keinen Platz mehr in der Formel 1 oder im internationalen Rennsport hat“, erklärte der damalige FIA-Chef Max Mosley. Briatore sei zu einhundert Prozent verantwortlich gewesen. „Er hätte diese Tat verhindern müssen, falls es ihm vorgeschlagen worden ist. Er hätte diese Idee nie umsetzen dürfen.“

          Briatore, der sich auch zu den Erfolgszeiten mit Schumacher Schummelvorwürfen ausgesetzt sah und gegen Regeln verstoßen hatte, selbst beteuerte stets seine Unschuld im berüchtigten „Crashgate“ von Singapur. Den damaligen Motorsport-Weltrat bezeichnete Briatore jüngst als „Micky-Mouse-Veranstaltung“. Später hob ein französisches Gericht den Lebenslang-Bann auf und sprach Briatore 15.000 Euro zu. „Ich wollte eine Million und bekam 15.000“, meinte er.

          Die Formel 1 ist für Briatore Vergangenheit. Den gelernten Landvermesser, späteren Versicherungskaufmann, Geschäftsmann und Teamchef, der 1998 auch den „Billionaire“-Club in Costa Smeralda zum Hotspot der Schönen und Reichen aus aller Welt machte, zieht es nicht mehr zurück. Er sei glücklich. „Ich habe in der Formel 1 genug erreicht und eine Menge Geld verdient“, sagte er.

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