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Fia-Präsidentschaft : Schlacht um die Macht

Der scheidende Fia-Präsident Max Mosley unterstützt seinen Favoriten nach Kräften Bild: dpa

Am Freitag wird über den neuen Präsidenten des Internationalen Automobil-Verbandes (Fia) abgestimmt. Die Kandidaten Jean Todt und Ari Vatanen boten sich einen Kampf mit allen Mitteln. Und der scheidende Boss Max Mosley mischte munter mit.

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          Und wie sieht die Zukunft des Motorsports aus? Antworten hätte man erwarten können. Aber auf die zunehmenden Proteste von Umweltschützern, auf das Umlackieren der Automobil-Industrie, die nun grüne Boliden verkaufen will, haben die beiden Kandidaten kaum reagiert. Jean Todt und Ari Vatanen, jeder für sich, streben an diesem Freitag das Präsidentenamt im Internationalen Automobil-Verband (Fia) an. Jeder ist überzeugt, im ersten (absolute Mehrheit) oder spätestens im zweiten Wahlgang (einfache Mehrheit) zu gewinnen.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Konkrete Perspektiven aber boten weder der Franzose noch der Finne. Trotzdem gestalteten sie den Wahlkampf mit unterhaltsamen Attacken. Zuletzt ist die Schlacht um das höchste Amt im Motorsport vor fast zwei Dekaden so heftig geführt worden - von Max Mosley. Bis in diese Woche hinein bestimmte der scheidende Fia-Boss als Todts Hintermann den Schlagabtausch. Mit bissigen Kommentaren über die angebliche Unfähigkeit von Vatanen bis hin zur Einschaltung von Fia-Mitarbeitern. Der Eindruck täuscht nicht: Hier kämpfen zwei gegen einen.

          Worum geht es? Wahrscheinlich um das Amt das einflussreichsten Sportfunktionärs. Denn der Fia-Chef lässt nicht nur weltweit Motorsport organisieren, sein Unternehmen hat auch wesentlichen Einfluss auf die Regeln, überwacht den Ablauf und lässt Übeltäter vom Weltrat mitunter drakonisch bestrafen. Das Einflussgebiet reicht weit über den Motorsport hinaus. Der Fia gehören noch eine Vielzahl Automobil-Klubs und Karawan-Verbände an.

          Die Konkurrenten um die Nachfolge von Max Mosley: Ari Vatanen (l.) und Jean Todt

          Jean Todt: „Ich habe dem Motorsport so viel zu verdanken“

          Und so verstand sich Mosley vor allem als eine Art Welt-Verkehrspolitiker mit einem honorigen Anspruch: Mehr Sicherheit, weniger Tote. Der Jurist verdiente sich in der Formel 1 mit einer exzellenten wie restriktiven Kampagne zum Wohle der Piloten Verdienste. Im Gegenzug erfuhr er eine Aufmerksamkeit, wie sie nicht mal dem Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees zu Teil wird.

          Bei jedem Skandal der vergangenen zwei Jahre tauchte Mosley bildbestimmend auf: Sei es als erbitterter Gegner der Rennstallvereinigung, als peitschenschwingendes Opfer einer Spähaktion, als akribischer Enthüller, scharfer Ankläger oder harter Richter. Wer seinen Verband so führen kann, dass Rennställe wie McLaren-Mercedes zu 100 Millionen Dollar Bußgeld oder Manipulateure wie Flavio Briatore zur lebenslangen Aussperrung verurteilt werden, der hat Macht.

          Mosley muss sie abgeben. Unter allen Umständen in die „bewährten Hände“ von Jean Todt. Wo der „Napoleon“ des Rennsports auftrat, gewann er. Als Teamchef in der Rallye-WM, bei der Dakar, mit Ferrari – so oft, bis es langweilig wurde. Nun, nach einer kleinen Auszeit als Privatier, drängt sich dem 63-jährigen Pensionär der Sinn des Lebens auf: „Ich habe dem Motorsport so viel zu verdanken“, sagte Todt der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, „ich will etwas zurückgeben, mehr tun, als Rennen zu gewinnen.“

          Ari Vatanen: „Die Formel 1 wird mich fürchten“

          Todt ist freundlicher geworden. Fast gütig schaute er den Besucher in seinem Wahlkampfbüro während des Formel-1-Rennens in Singapur an. „Wir könnten so viel für die Sicherheit im Straßenverkehr tun.“ Die FIA will er im Fall seiner Wahl nicht radikal verändern. Modernisieren, ja, und vor allem „delegieren“. Die Formel 1 soll einen eigenen Chef bekommen. Damit bei den Mitgliedern nicht wieder der Eindruck entsteht, der Fia-Chef kümmere sich nur um den Kreisverkehr. Da ist es klug, etwas abzurücken.

          Vatanen geht ganz auf Konfrontation: „Die Formel 1 wird mich fürchten“, sagte er der „Strait Times“ von Singapur. Weil er aufräumen will. Demokratie und Transparenz kündigt Vatanen in seinem Wahlprogramm an. Eine Art Revolution also. Die Themen decken sich nicht zufällig mit den Wünschen der Rennstall-Vereinigung Fota, die seit Jahren den undurchsichtigen Führungsstil von Mosley kritisiert und nun Todt als zu verhindernden Erben betrachtet. Zumal sich der Ferrari-Mann in seiner Scuderia-Ära nicht nur Freunde im Fahrerlager machte. Weil die Formel 1 bei der Wahl aber kaum Einfluss hat, nahm das Duo Mosley/Todt Vatanen zunächst nicht ernst.

          Max Mosley: „Er bekam nicht mal sein Auto zum Start“

          Erst die harten Töne der vergangenen Wochen ließen aufhorchen. Mosley sagte Vatanen in einem Brief an den entrüsteten Prinz Feisal al Hussein von Jordanien „eine üble Niederlage“ voraus und hält dessen Führungsanspruch angesichts der Lebensleistung für lächerlich. Vatanen war Rallye-Weltmeister und viermal Dakar-Sieger, arbeitete zehn Jahre als Europapolitiker: „Aber nicht mal den kleinsten Klub hat er geführt. Er bekam nicht mal sein Auto zum Start“, erzählt Mosley, „das musste der Co-Pilot erledigen.“

          Anscheinend aber hat Vatanen doch so viel bewegt, dass das Todt-Lager zur Unterstützung Michael Schumacher und Pelé in Stellung brachte. Todt-Sympathisanten überschritten die Grenze. Ugandas Motorsportchef Jack Wawamunno berichtete von einem innerafrikanischen Bestechungsversuch. Die säumigen Mitgliedsbeiträge (2820 Euro) wären demnach von einem Sponsor bezahlt worden, falls man sich auf Todt einlasse. Vatanen nutzte dieses heikle Detail für einen konkreten Plan. Als Präsident werde er sofort eine Ethik-Kommission bilden. Und alle „durchleuchten“. Fia-Mitarbeiter und Fia-Mitglieder. Solch ein Angebot wirft Fragen auf: Kann das ein begehrtes Wahlgeschenk sein? Und würde dann geklärt, wer das Gerücht über eine mangelhafte Integrität von Jean Todt in Umlauf gesetzt hat?

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