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: Ferraris Neuwagen mit Schumacher auf Anhieb Spitze

Wieder obenauf: Der Weltmeister Bild: dpa/dpaweb

Die Konkurrenz greift sich an den Kopf: Ist Michael Schumacher nun auf dem Weg zu seinem sechsten Weltmeistertitel? Der ungeduldig erwartete Ferrari F2003-GA, der "rote Hai", bewies bei der Premiere in Barcelona den nötigen Biß, die erwartete Schnelligkeit und die erhoffte Standfestigkeit, um den Kerpener zu neuen Triumphen zu tragen.

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          Die Konkurrenz greift sich an den Kopf: Ist Michael Schumacher nun auf dem Weg zu seinem sechsten Weltmeistertitel? Der ungeduldig erwartete Ferrari F2003-GA, der "rote Hai", bewies bei der Premiere in Barcelona am Sonntag den nötigen Biß, die erwartete Schnelligkeit und die erhoffte Standfestigkeit, um den Kerpener zu neuen Triumphen zu tragen. Nach der Trainingsbestzeit gelang Schumacher beim Großen Preis von Spanien ein Start-Ziel-Sieg. Es war bereits sein dritter Erfolg nacheinander auf dieser Strecke, sein zweiter in dieser Saison nach drei persönlichen Pannen zu Saisonbeginn und sein 66. insgesamt. Trotzdem lagen im Ziel nur 5,7 Sekunden zwischen dem Sieger und dem Zweiten, der nach der Überquerung der Linie gar nicht mehr aufhören wollte, vor Freude aufs Lenkrad zu trommeln: Fernando Alonso war trotz Schumachers erstem Platz der meistgefeierte Mann des Wochenendes. Der erst 21 Jahre alte Spanier aus Oviedo in Asturien optimierte seine Chancen im aerodynamisch starken Renault durch eine perfekte Fahrt und begeisterte seine rund 100 000 Landsleute an der Strecke, die mit blauen Fahnen ihren Star feierten. Schließlich ist es nach zwei dritten Rängen bereits sein dritter Podestplatz im fünften Saisonrennen. "Ich werde diesen Tag nie vergessen", sagte Alonso, "das Ganze ist ein Traum."

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          Auch die Siegerehrung verlief wieder so ausgelassen wie es sich gehört. Nach den schweren Momenten in Imola kurz nach dem Tod seiner Mutter kehrte Schumacher wieder in seinen glanzvollen Alltag zurück. Der anerkennende Griff vom obersten Treppchen zu Alonsos Schulter, kurz bevor der Champagner geschüttelt wurde, zeigte deutlich, welche Sympathie er für den ehrgeizigen, aber besonnenen Fahrer hegt, der einmal sein Nachfolger werden könnte. "Es war ein hartes Rennen mit Fernando", beschied er ihm später. "Wir hatten noch einige Probleme mit dem neuen Auto. Aber es steckt viel Potential drin", erklärte Ferraris Technischer Direktor Ross Brawn. Offensichtlich fürchtete Schumacher unterwegs, seine Bridgestone-Reifen könnten ihn im Stich lassen. Außerdem schaffte es sein Teamkollege Rubens Barrichello im zweiten "Hai" nicht, den Spanier hinter sich zu halten. Schon am Start überholte ihn Alonso, allerdings hielt das nicht lange vor. In der nächsten Kurve war der Brasilianer dann sogar kurzzeitig vor Schumacher, ehe er sich wieder einreihte auf Platz zwei. "Wir haben eine sehr gute Startautomatik", sagt Alonso. "Ich hätte am liebsten beide Ferraris überholt, das habe ich aber nicht geschafft." Nach seinem ersten Boxenstopp kehrte Barrichello dann als Dritter ins Rennen zurück und konnte sich nicht mehr verbessern.

          Für den Führenden in der Weltmeisterschaft, den Finnen Kimi Räikkönen, war schon am Anfang Schluß. So rächte sich der Fehler bitter, der ihm tags zuvor im Qualifikationstraining beim Kampf um die Startplätze passiert war. In der entscheidenden Runde des Einzelzeitfahrens leistete er sich einen Verbremser und rauschte durch das Kiesbett, so daß er die Runde abbrach. Die Konsequenz: Start aus letzter Position. Das hatte schlimme Folgen. Zwei Plätze vor Räikkönen kam nämlich der nun schon legendäre Pechvogel Antonio Pizzonia in seinem Jaguar nicht von der Stelle. Der direkt dahinter losfahrende Justin Wilson (Minardi) konnte sich noch retten, doch Raikkönen knallte beim Beschleunigen frontal in den Jaguar. Der Finne konnte nach wenigen Metern bereits wieder aussteigen. Bis das Wrack aufgeladen war, kreisten die anderen fünf Runden lang hinter dem Safety-Car. "Ein fürchterliches und sehr kurzes Rennen für mich", sagte der Havarierte. Nach der 18. Runde schaltete Ron Dennis, der Teamchef von McLaren-Mercedes, die Bildschirme in der Boxengasse einen nach dem anderen ab. Der zweite McLaren-Mann David Coulthard hatte das Rennen ebenfalls beendet. Das Auto des Schotten wurde kurz nach dem Start bei einer Begegnung mit dem Renault-Piloten Jarno Trulli beschädigt, er mußte unverzüglich die Box aufsuchen und setzte das Rennen als Letzter des Feldes fort. Seine Aufholjagd endete mit dem Versuch, den in jenem Moment achtplazierten Jenson Button im BAR zu überholen. Coulthard landete im Kies. "Das war nicht unser Wochenende", sagte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug enttäuscht. Man habe vorgehabt, mit viel Benzin an Bord seinen Vorteil zu suchen.

          Zwar führt Räikkönen trotz seines Ausfalls immer noch mit 32 Punkten in der Fahrerwertung, doch nur noch mit vier Punkten Vorsprung vor Michael Schumacher. Alonso liegt mit 25 Punkten auf Rang drei. "Ein perfekter Tag", sagte Schumacher zu seinem Triumph und dem gleichzeitigen Pech von McLaren. "Irgendwann fällt jeder einmal aus. Wir hatten das in Brasilien." Auf dem fünften Rang landete Ralf Schumacher im BMW-Williams, der sich in den letzten Runden noch heftig der Angriffe von Cristiano da Matta im Toyota erwehren mußte. Seinen unangenehmsten Moment hatte der jüngere Schumacher da aber schon hinter sich: In der 47. Runde wurde er auf freier Strecke von seinem Teamkollegen Juan Pablo Montoya überholt, der auch als Vierter ins Ziel kam. Allerdings war zuvor bei einem Ausritt ein Teil der Verkleidung von Ralf Schumachers Auto eingerissen und ein Schaden an der Kühlluftzufuhr entstanden.

          Der Renntag endete mit Liebesbeweisen. Die Zuschauer feierten "Magic Alonso", und Michael Schumacher pries seinen neuen Ferrari. "Ich bin so verliebt", gab er preis: "Das Auto ist nicht nur wunderschön, sondern auch sauschnell. Wir werden noch viel Freude daran haben." Wirklich? Bei McLaren-Mercedes dürfte man das anders sehen.

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