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Formel 1 : Ferrari rückt Silberpfeilen näher

  • -Aktualisiert am

Noch hintendran, bald vorne? Sebastian Vettel (l.) verfolgt Lewis Hamilton bei den Testfahrten Bild: AP

Bestzeiten für Vettel, Haltbarkeitsrekorde für Mercedes: Bei den Testfahrten der Formel 1 gibt es auf viele Fragen noch keine eindeutigen Antworten.

          3 Min.

          Können Sebastian Vettel und Ferrari die Mercedes-Dominanz brechen? Die erste Testwoche in Barcelona gab noch keine eindeutige Antwort, denn die beiden Topteams der Formel 1 gingen sich aus dem Weg. Ferrari produzierte Bestzeiten, Mercedes Kilometer. Vettel probierte die weichsten Gummimischungen im Angebot. Lewis Hamilton und Nico Rosberg bekamen nur eine Reifenmarke bereitgestellt: Medium, den zweithärtesten Reifen im Pirelli-Sortiment. So trennten den Titelverteidiger und seinen Herausforderer 2,057 Sekunden in der besten Rundenzeit. Dafür spulte Mercedes an vier Tagen 1499 Kilometer mehr ab als der rote Konkurrent. Die Ferrari-Fahrer wurden von Problemen mit dem Benzinsystem geplagt, zudem suchen die Italiener noch Motorleistung. Man sah in den Gesichtern der Italiener einige Sorgenfalten.

          Die Konkurrenz wunderte sich, dass Ferrari so früh auf Zeitenjagd ging. Der Verdacht ging um, man wolle mit den Bestzeiten Druck aus der Mission nehmen. Firmenchef Sergio Marchionne hatte seinem Team keinen Gefallen damit getan, den WM-Titel einzufordern. Rennleiter Maurizio Arrivabene erwiderte ergeben: „Saisonziele? Unser Präsident hat sie genannt. Und wir sind dazu da, sie zu erfüllen.“

          Vettel fühlt sich wohl

          Sebastian Vettel weiß immerhin, dass er in einem guten Rennauto sitzt. Nach dem ersten Testtag stieg er mit einem guten Gefühl aus seinem neuen Ferrari. „Ich hatte in allen Bereichen ein besseres Gefühl. Wir haben einen deutlichen Schritt vorwärts gemacht.“ Wenn Rennfahrer sofort Vertrauen zu ihrem Auto finden, ist das ein gutes Zeichen. „Das Problem ist, dass wir schwer abschätzen können, wie gut die Konkurrenz wirklich ist. Wir werden vielleicht zwei, drei Rennen warten müssen, bis Klarheit herrscht“, fügte Vettel hinzu.

          Ist es Arroganz oder Selbstsicherheit, dass Mercedes weiche Reifen nicht einmal bestellte? „Nichts von beidem“, korrigierte Außenminister Niki Lauda. „Die weichen Mischungen machen auf einer Strecke wie Barcelona nur keinen Sinn.“ McLaren-Pilot Fernando Alonso zeigte sich als neutraler Beobachter beeindruckt, wie problemlos die Silberpfeile ihre Runden drehten und wie wenig sie die Kampfansage von Ferrari interessierte: „Die wissen, was sie tun. Da ist jede Menge Selbstvertrauen dahinter. Ich fürchte, die Dominanz wird noch größer.“

          Dem widersprechen die Hochrechnungen der Ingenieure, die aus dem Puzzle aller Rundenzeiten und Speed-Messungen an bestimmten Streckenpunkten in Relation zu den verwendeten Reifen ein Gesamtbild zusammensetzen. „Der Vorsprung hat sich halbiert, ist vielleicht noch vier Zehntel groß. Aber wir haben schon viele unserer Aero-Entwicklungen ausgepackt, während Ferrari sich damit noch zurückgehalten hat“, verrät ein Mercedes-Ingenieur. Sein Fazit: „Es könnte in Melbourne ein enges Rennen geben.“

          Für Mercedes hatte in der ersten Testwoche Zuverlässigkeit Priorität. Weil das Testpensum im Vergleich zum Vorjahr um vier Tage geschrumpft ist. „Wir versuchen zwölf Testtage in acht zu packen“, erklärte Teamchef Toto Wolff. Für die Fahrer bedeutet das Distanzen von 600 bis 800 Kilometer pro Tag. Sollte einer schlappmachen, stünden der neue Manor-Pilot Pascal Wehrlein oder Aushilfsfahrer Esteban Ocon bereit. Doch diese Blöße wollen sich Hamilton und Rosberg nicht geben.

          Es droht Langeweile

          Die hochbezahlten Stars begannen bereits wieder mit ihrem psychologischen Kleinkrieg. Als Rosberg am dritten Testtag vorschlug, nur noch halbe Tage zu fahren und das Programm auf beide Fahrer aufzuteilen, giftete Hamilton. „Das war Nicos Idee. Ich hätte locker einen ganzen Tag ausgehalten.“ Zuvor schon hatte Rosberg dem Teamkollegen einen Seitenhieb verpasst. „Wenn in diesem Jahr das Fahrercoaching per Funk verboten ist, könnte das in meine Karten spielen.“ Weil er sich mehr in die Technik hineindenkt als Instinktpilot Hamilton.

          Die Prognosen der Computer prophezeien, dass Mercedes und Ferrari an der Spitze ein eigenes Rennen austragen werden. Hinter ihnen klafft eine Lücke. Red Bull kann erst dann ein gefährlicher Gegner werden, wenn vom Renault-Motor mehr Leistung kommt. Das ist für den GP Kanada im Juni avisiert. Zwischen Red Bull und seinem Motorenlieferanten hat sich der Tonfall geändert. „Sie sind auf dem richtigen Weg“, lobt Chefdesigner Adrian Newey. „Leider dauern Entwicklungen beim Motor länger als beim Chassis.“

          Hinter Red Bull gibt es ein starkes Mittelfeld mit Williams, Force India, dem neuen amerikanischen HaasF1-Team und Toro Rosso. Nico Hülkenberg überraschte im Force India mit einer Tagesbestzeit, die sich durchaus mit Vettels Rekordrunden vergleichen ließ. Sein Kommentar: „Das Auto fühlt sich auf eine schnelle Runde mit den weichen Reifen gut an. Nur im Dauerlauf müssen wir noch zulegen.“

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