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Formel 1 in Brasilien : Ferrari flucht

Allein, allein: Vettel blickt in die Ferne, hat Zeit über den Crash mit dem Teamkollegen nachzudenken. Bild: AFP

Verrücktes Finale beim Formel-1-Rennen in São Paulo: Die beiden Ferrari-Piloten schießen sich gegenseitig ab und scheiden nach der Kollision aus. Der Zoff der Stallrivalen bei der Scuderia eskaliert endgültig.

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          Es wurde gejubelt und geflucht. Vor allem aber wurde geschrien. Die Sieger brüllten und die Verlierer: Sebastian Vettel sowie Charles Leclerc. Beide Ferrari, beide standen sie mit leeren Hände da am Sonntag-Nachmittag Ortszeit auf dem Autodromo Jose Carlos Pace in São Paulo. Es geht um nichts mehr in dieser Formel-1-Saison, weil alles entschieden ist, seit Lewis Hamilton seinen sechsten Weltmeistertitel einsackte in Austin, Texas, vor 14 Tagen.

          Doch: Es geht um alles, um viel Geld hier, aber auch um die Ehre. Jedenfalls bei Ferrari. Bei Vettel und Leclerc. 66 Runden waren sie gekreist, ohne sich wirklich in die Quere zu kommen am Sonntagnachmittag in Brasilien. Vettel, von Platz zwei ins Rennen gegangen, hatte einen Platz verloren beim Start, an den Weltmeister. Leclerc kurvte wie ein kommender Weltmeister um die Konkurrenz in den ersten Runden, gezwungener Maßen. Ein Triebwerkswechsel hatte ihn auf Startplatz 14 zurückgeworfen, aber seine Aussichten verbesserten sich zunächst Runde um Runde, bis er schließlich, nachdem er ein Dutzend Mal Start und Ziel passiert hatte, auf Platz fünf angekommen war, vorbei an allen, die langsam sind für einen Ferrari.

          Das Rennen hatte sich längst zum Strategiespiel entwickelt: Wer stoppt wie häufig, welche Reifenmischung funktioniert an welchem Wagen top? Die besten Karten besaß der Mann ganz vorne – Max Verstappen im Red Bull. Er hatte den Versuch Vettels, mit einem Stopp vorbei zu kommen, mit seinem Tempo zum Scheitern verurteilt. Doch ein Defekt am Motor des Mercedes von Valtteri Bottas in der 52. Runde löste einen abrupten Tempowechsel in der Dramaturgie des Rennens aus: Das Safety-Car raste auf die Strecke, nahezu alle Spitzenpiloten nutzten die Gelegenheit zum Boxenstopp und kamen mit frischen weichen Reifen zurück. Alle – außer Vettel, der kurz vor Bottas‘ Ausscheiden an die Box gesteuert war.

          Das Rennen endet im Kiesbett: Sebastian Vettel schleicht davon.

          Als das Rennen wieder freigegeben ist, schnappt Verstappen sich die Führung, sein Teamkollege Alex Albon schlüpft an Vettel vorbei auf Platz drei. Der Deutsche gerät weiter unter Druck, nun von Leclerc. Der Monegasse drückt sich in Runde 66 am Ende der Zielgerade vorbei, doch Vettel kontert. Seite an Seite schießen die Ferrari nebeneinander her. Bis zum Crash. Das linke Hinterrad von Vettels Wagen berührt den rechten Vorderreifen von Leclercs Ferrari leicht. Die Aufhängung knickt, Vettels Pneu verliert schlagartig Luft. Es wird laut. „Mein Gott, muss das sein? So ein Bockmist!“, schreit Vettel in den Funk, auf Deutsch. „Was zur Hölle macht er da?“, ist von Leclerc zu hören, auf Englisch.

          Für beide ist der Grand Prix vorbei. Konsternierte Gesichter am Streckenrand, während die Wagen vom Bergefahrzeug an den Haken genommen werden. „Ich dachte, ich wäre vorbei“, sagt Vettel anschließend. „Ich habe ihm Raum gelassen, es war sehr eng, es ging so schnell“, behauptet Leclerc. Beide liegen falsch. „Wir haben in den kommenden Tagen viel Zeit zur Analyse“, sagt Teamchef Mattia Binotto: „Beide Fahrer haben sich entschuldigt.“ Er hatte seinen Piloten, die erbittert um die Führung im Team ringen, lange Leine gelassen. „Wir sind Zweiter in der Konstrukteurswertung. Sie sind frei zu fahren.“

          Freie Fahrt an der Spitze nun für Verstappen, den auch die Safety-Car-Phase nicht in Gefahr bringt. Anders als seinen vermeintlich stärksten Gegner Hamilton. Der Brite wechselt noch einmal die Pneus und liegt nun hinter Albon und dem Franzosen Pierre Gasly, der im Toro Rosso bis auf Platz zwei nach vorn gefahren ist. In der 70. von 71 Runden wird das Rennen noch einmal eröffnet. Hamilton versucht es mit aller Macht. Und dreht Albon von der Piste. „Das tut mir leid für ihn. Ich habe eine Lücke gesehen, die nicht da war. Das war mein Fehler.“

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          Doch Gasly, im Honda-befeuerten Toro Rosso, lässt sich vom Weltmeister nicht mehr überlisten. Platz zwei für den Mann, der bei Red Bull im Sommer aussortiert worden war. Dritter wird nachträglich Carlos Sainz im McLaren, weil Hamilton eine Fünf-Sekunden-Zeitstrafe erhält und auf Rang sieben zurückfällt. Von Gasly ist der infernalischste Jubelschrei zu hören. Max Verstappen wirkt bei seinem dritten Sieg der Saison beinahe abgeklärt: „Ich konnte das Rennen kontrollieren. Hat Spaß gemacht.“

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