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Fernando Alonso im Gespräch : „Trophäen sind nur ein Stück Metall“

„Ich sehe mich wie einen Schauspieler – ich spiele den Charakter, den die Leute von mir erwarten“: Fernando Alsonso Bild: dpa

Fernando Alonso hat sich mit seinem Wechsel zu McLaren verpokert – das glauben viele Experten. Gerät der Spanier auf der Zielgeraden seiner Karriere ins Abseits? Oder glaubt er wirklich noch an den großen Coup?

          5 Min.

          Die Männer tragen gelbe Anzüge, sie stemmen ihre Körper gegen die Absperrgitter, die Anstrengung ist in ihren Gesichtern zu sehen. Hunderte Fans drängen nach vorne, sie halten ihre Handys in die Luft, lächeln, rufen und drücken weiter – und das Sicherheitspersonal bemüht sich um Kontrolle. Fernando Alonso schaut sich das alles an, schreibt ein paar Autogramme, dann dreht er sich um und macht ein Selfie von sich und der Masse. 33 Jahre ist er alt, zwei Mal wurde er Weltmeister, kein Spanier in der Geschichte der Formel 1 war so erfolgreich. Das Rennen auf dem Circuit de Catalunya bei Barcelona an diesem Sonntag (Start: 14 Uhr / Liveticker bei FAZ.NET) ist ein Heimspiel für ihn. Es ist so etwas wie der Alonso-Grand-Prix – auch wenn der Hauptdarsteller nur als 13. in der Startaufstellung steht.

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Sie gelten als der weltweit bekannteste Formel-1-Fahrer der Gegenwart. Wie gefällt Ihnen diese Hysterie, wenn Sie irgendwo auftauchen?

          „Ich bin stolz darauf, ich weiß, dass ich privilegiert bin mit dem Leben, das ich leben kann. Es gibt immer wieder Momente, in denen es für mich wirkt wie ein Traum. Vor mir war die Formel 1 nicht sehr populär in Spanien, inzwischen hat das ganze Land diesen Sport entdeckt.“

          Bei jedem Rennen stehen Sie da und machen Fotos von sich und den Fans. Was passiert mit diesen Aufnahmen?

          „Ich veröffentliche Sie auf Twitter – mehr nicht. Ich schaue sie mir danach nie mehr an, ich will diese Momente nur mit meinen Fans teilen. Ich sehe mich da wie einen Schauspieler, ich spiele den Charakter, den die Leute von mir erwarten.“

          Fernando Alonso, der Rennfahrer. Er trägt eine verspiegelte Sonnenbrille, er hat sie bisher noch bei keinem seiner Auftritte am Circuit de Catalunya abgesetzt. Ein Gerstenkorn sorgte für eine Entzündung seines rechten Auges, Ärzte haben Alonso deshalb empfohlen, dass er sich einige Tage vor zu grellem Licht schützen möge. Doch das Licht ist nicht das Problem, und das Auge ist es auch nicht. Das Problem trägt die Typennummer MP4-30. Der neue McLaren-Honda ist bisher kaum konkurrenzfähig. Fünf Sekunden trennte das Team zu Saisonbeginn vom Weltmeister-Team Mercedes, mittlerweile ist der Rückstand immerhin auf etwas mehr als zwei Sekunden geschrumpft – pro Runde. Nach vier Rennen hat der Rennstall noch keinen Punkt gesammelt.

          Haben Sie sich diese Aufgabe so schwer vorgestellt?

          „Ich wusste, dass es schwer wird, aber genau das hat mich an diesem Projekt gereizt.“

          Warum?

          „Ich bin zurück zu McLaren gekommen, um meine Motivation wieder zu entdecken. Ich war zwei Mal Weltmeister, ich habe Rennen gewonnen, stand oft auf dem Podium – aber zuletzt ging es bei Ferrari nur darum, noch einmal Champion zu werden. Das sind die natürlichen Erwartungen in Italien, und die haben wir nicht erfüllt. Und auch wenn ich beinahe dreimal so viele Punkte geholt habe wie mein Teamkollege, wurde ich dafür verantwortlich gemacht, dass die Leistung insgesamt nicht gestimmt hat. Fünf Jahre bei Ferrari waren genug. Dabei wollten die Verantwortlichen meinen Vertrag noch bis 2019 verlängern. Aber diese Herausforderung hat mir nicht mehr gereicht.“

          Wie ist die Situation nun bei McLaren?

          „Ich bin hier sehr glücklich. Wir fangen ganz von vorne an, und wir wollen hier etwas aufbauen. Wir sind ein junges Teams, jeder ist motiviert, wir lernen jeden Tag etwas dazu. Die Rennen sind für uns derzeit so etwas wie Testfahrten, wir schauen auf die Temperatur im Auto, auf die Batterien, die Abstimmung, es kommt vor allem darauf an, dass wir Kilometer abspulen. Unser Entwicklungstempo stimmt. Wenn wir einen Schritt nach vorne machen, dann gratulieren wir einander. Wenn es Rückschläge gibt, dann arbeiten alle noch härter auf das nächste Rennen hin – dieses Gefühl habe ich die letzten fünf Jahre vermisst.“

          Ihr Vertrag bei Ferrari lief ursprünglich noch bis 2016. Warum sind Sie eher gegangen?

          „Ich habe nicht mehr daran geglaubt, dass es möglich sein wird, dort den Titel zu gewinnen. Und dabei bleibe ich. Die Dominanz von Mercedes ist zu groß. Wenn du sie besiegen willst, dann musst du etwas Radikales versuchen – und das mache ich.“

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