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Alonso-Crash in Melbourne : „Zum Glück bin ich am Leben“

  • -Aktualisiert am

Das zerstörte Auto des Formel-1-Piloten Fernando Alonso beim Großen Preis in Melbourne Bild: dpa

Zum Saisonauftakt überschlägt sich Fernando Alonso nach einer Kollision bei Tempo 310. Danach wird das ausgeprägte Sicherheitsbedürfnis der Formel-1-Piloten deutlich. Doch auch gutgemeinte Konstruktionen können gefährlich werden.

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          Das Knie schmerzt – ein bisschen. Fernando Alonso lächelte, als er auf die Folgen seines Unfalls in Melbourne angesprochen wurde. Aber im nächsten Augenblick wechselte er die Tonlage: „Wir riskieren unser Leben, immer wenn wir ins Auto steigen, das darf man nicht vergessen“, sagt der zweimalige Weltmeister.

          Anno Hecker
          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Er hat das Millionenpublikum am Sonntag wieder an die Gefahr erinnert. In der 17. Runde flogen die Fetzen. Alonso saugte sich vor der dritten, scharfen Rechtskurve des Albert-Park-Kurses im Windschatten an den Haas F1 von Esteban Gutierrez heran. Der McLaren-Pilot räumte ein, möglicherweise den Bremspunkt verpasst zu haben. Mit 310 Kilometern pro Stunde streifte er die linke Seite des Haas F1. Während Gutierrez in das vor ihnen liegende Sandfeld kreiselte, prallte Alonso links in die Streckenbegrenzung, die linken Räder rissen ab, das Auto stellte sich quer und wurde beim Übergang von der Piste in die Luft geschleudert.

          „Ich wusste nicht, wo ich war“

          „Ich wusste nicht, wo ich war, ich sah den Himmel, dann den Boden, wieder den Himmel“, schilderte Alonso seine Sicht bei den Überschlägen in etwa zwei Metern Höhe. Der McLaren setzte noch einmal auf, bevor er etwa 100 Meter hinter der Kurve an der Streckenbegrenzung landete – als Knäuel aus Kohlefaser, Stahl und Gummi: „Zum Glück“, fügte Alonso hinzu, „bin ich am Leben. Die Sicherheit der Autos ist gut.“

          Seit den tödlichen Unfällen von Roland Ratzenberger und Ayrton Senna (1994 beim Qualifikationstraining und im Rennen von Imola) sind die Formel-1-Autos auf Druck des Internationalen Automobil-Verbandes unter dem damaligen Präsidenten Max Mosley und gegen den Widerstand mancher Teams immer sicherer geworden. Erst 21 Jahre später starb ein weiterer Pilot, Jules Bianchi im Sommer des vergangenen Jahres. Allerdings erlag der Franzose den Folgen eines Crashs mit einem Bergungsfahrzeug. Die Generation Alonso, der Spanier hat 253 Grands-Prix hinter sich, kennt den Tod auf der Strecke ansonsten eher von Erzählungen. Deshalb ist den jüngeren Piloten immer wieder vorgeworfen worden, sie glaubten an den unendlichen Schutz des Kohlefaser-Monocoques und riskierten mitunter zu viel bei Überholmanövern.

          Alonso über den Unfall: „„Ich wusste nicht, wo ich war, ich sah den Himmel, dann den Boden, wieder den Himmel.““ Bilderstrecke
          Alonso über den Unfall: „„Ich wusste nicht, wo ich war, ich sah den Himmel, dann den Boden, wieder den Himmel.““ :

          Am Sonntag konnte davon keine Rede sein. Die Streckenkommissare werteten den Crash als „Rennunfall“. Und die Reaktion der Beteiligten offenbarte, dass sie trotz aller Verdrängungskunst sehr wohl im Bilde sind. Gutierrez wirkte noch erschütterter als Alonso, als er auf den Kollegen zulief. Via Twitter schickte der Mexikaner später seine Botschaft an die Kollegen: „Wir haben viele Rennen, aber nur ein Leben. Ich danke Gott, dass wir alle o.k. sind.“ Das Sicherheitsbedürfnis der Rennfahrer ist ausgeprägter, als es wirkt.

          Zuletzt haben sich die meisten Piloten für den nächsten, einschneidenden Schritt ausgesprochen. Er wird die Silhouette der Formel-1-Fahrzeuge wesentlich verändern: Von 2017 an fährt die Formel 1 mit einem Kopfschutz. Ein halb offener Stahlring umgibt den Helm, er wird mit einem Steg am vorderen Cockpitrand fixiert und seitlich mit dem Chassis verbunden. Die Konstruktion soll verhindern, dass Trümmerteile, vor allem Räder, den Kopf des Fahrers treffen. Ferrari hat das Modell bei den Testfahrten in Barcelona vorgestellt.

          Red Bull bietet eine Art Schutzscheibe an, aufgesetzt auf das Cockpit. Sie würde verhindern, was Felipe Massa 2009 erlitt. Eine Feder eines vorausfahrenden Boliden traf seinen Helm, schlug ihn bewusstlos. Der Brasilianer hätte beinahe sein linkes Auge verloren. Kritiker werfen der Sicherheitsabteilung der Formel 1 vor, der Versuch, sehr unwahrscheinliche Katastrophen verhindern zu wollen, führe gleichzeitig zu neuen Gefahren. Weil gutgemeinte Konstruktionen wie etwa der Stahlring unbedachte negative Wirkungen haben könnten bei einem Crash. Falls sich der Bolide zum Beispiel bei Überschlägen verhake und ein vergleichsweise langsamer, den Menschen schonender Abbau der Energie wie im Fall von Alonso (100 Meter Flug) verhindert werde.

          Dass allerdings unvorstellbare Dinge passieren können, erlebte die Formel 1 in Melbourne just an der Stelle, wo es am Sonntag krachte. 2001 prallte Jacques Villeneuve (BAR-Honda) auf den BMW-Williams von Ralf Schumacher, hob ab, drehte sich und flog rückwärts am Fangzaun entlang. Das rechte Hinterrad wurde dabei durch ein für Fotografen eingeschnittenes Loch gedrückt. Es riss ab und traf einen Streckenposten. Graham Beveridge (52) hatte keine Chance.

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