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Formel-1-Kommentar : Zu oft ausgebremst

Abschied: Fernando Alonso verlässt die Formel 1 Bild: EPA

Fernando Alonso hat die Lust an der Formel 1 verloren – das hat auch mit den Erwartungen des Spaniers zu tun. Auf frischen und dauerhaften Ruhm hat er nun nur eine realistische Chance.

          Das Filmchen war mit reichlich Pathos ins Bild gesetzt. Angesichts der Bekundungen des Bedauerns, die der Mann mit seinem Video auslöste, kann man die Inszenierung durchaus für angezeigt halten. Fernando Alonso hat angekündigt, von der kommenden Saison an nicht mehr in der Formel 1 zu fahren. Nicht mit einer Pressemitteilung, nicht auf einer Pressekonferenz, sondern in einem Video.

          Fernando Alonso schreitet zu melancholischen Klavierklängen durch das Fernando Alonso Museum in Llanera, Asturien, und erläutert sechzig Sekunden lang, wieso er sich von der Formel 1 nicht mehr herausgefordert fühlt. Die Erklärung überrascht nicht: 32 Formel-1-Rennen hat Fernando Alonso gewonnen, doch der 32. Sieg liegt eine Weile zurück: mit Ferrari in Barcelona, Mai 2013. Auf absehbare Zeit dürften keine Siege hinzukommen, ein dritter WM-Titel erst recht nicht.

          Nur eine realistische Chance auf frischen, dauerhaften Ruhm

          Es ist nicht im Ansatz zu erkennen, wie sein jetziger McLaren mittelfristig Mercedes, Ferrari und Red Bull abhängen soll. Nachdem Alonso im Juni die 24 Stunden von Le Mans gewann, gibt es nur eine realistische Chance auf frischen, dauerhaften Ruhm: Der Sieg bei den 500 Meilen von Indianapolis und damit die „Triple Crown“: Formel-1-Weltmeister, Le-Mans-Sieger, Champion im berühmtesten Rennoval der Welt. Das hat bislang einzig Graham Hill geschafft.

          Es sei eine „absolute Zumutung“, zitiert die BBC nun Paddy Lowe, „dass die Formel 1 einem Ass wie Alonso kein konkurrenzfähiges Auto verschaffen kann.“ Wer noch ein Signal brauchte, dass die Rennserie „vollständig kaputt“ sei, bitte schön, fügte der Technische Direktor des Williams-Teams an.

          Es stimmt: Fernando Alonso, der Mann, dem nach seinen WM-Titeln 2005 und 2006 vorhergesagt wurde, eines Tages die Rekorde von Michael Schumacher übertrumpfen zu können, ist auch mit 37 Jahren ein phänomenaler Rennfahrer. Einer, der es aufnehmen könnte mit Lewis Hamilton bei Mercedes, mit Sebastian Vettel bei Ferrari, in jedem Grand Prix.

          Bei Ferrari gescheitert

          Und doch ist Alonso auch der Fahrer, dem nicht gelungen ist, Schumachers Nachfolger zu werden: in seinen fünf Jahren bei Ferrari hat er es nicht geschafft, bei der Scuderia das dominierende Team zu bilden, wie es Schumacher mit Jean Todt und Ross Brawn zehn Jahre zuvor geglückt ist. Inzwischen versucht sich Vettel daran. Näher als Alonso 2010 ist der Deutsche dem Titel mit dem berühmtesten Team der Formel 1 bislang nicht gekommen.

          Damals verloren Alonso und Ferrari gegen Vettel und Red Bull im letzten Rennen, wegen eines schwachen Starts und der falschen Boxenstrategie. Näher dran als 2010 war Alonso bis 2014 nicht mehr. Als er das Team schließlich verließ, hatte sich Verdrossenheit breit gemacht. Alonsos Optionen waren begrenzt: Mercedes kam als Arbeitgeber kaum mehr in Betracht, seit Alonsos Kleinkrieg mit Lewis Hamilton 2007 bei McLaren das Team nicht nur den Fahrer-Titel gekostet hatte.

          Mercedes hatte als damaliger Anteilseigner 40 Prozent der 100-Millionen-Dollar-Strafe zahlen müssen. Im „Spygate“-Skandal waren es E-Mails an und von des sich im Team benachteiligt fühlenden Alonso, die als Beweismittel dienten. Genauso unübersehbar, wie sich Alonsos Klasse auf der Strecke zeigte, so offensichtlich ist, dass er sich in seiner Formel-1-Karriere außerhalb des Cockpits zu oft selbst ausbremste.

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