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Fernando Alonso : Abstieg eines Weltmeisters: Es tut immer noch weh

  • -Aktualisiert am

Einst Weltmeister, nun Nachzügler: Fernando Alsono schaut nicht gerade glücklich aus der Wäsche Bild: REUTERS

Fernando Alonso fährt im Renault nur noch in der Mittelklasse der Formel 1. Dem Spanier fehlt der Zug vergangener Tage. Vielleicht hilft auf dem Weg zu einer besseren Zukunft nur ein Teamwechsel für den einstigen Weltmeister.

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          Fernando Alonso, der Glückliche: weißgelbes T-Shirt, blaue, knielange Hose, weiße Turnschuhe, braungebrannt. Die Hände in den Taschen, steht er im Fahrerlager, umringt von Kamerateams. Er plaudert. Englisch, französisch, zum Schluss spanisch. Was seine Augen hinter der dunklen Sonnenbrille sagen, sieht man nicht. Aus seinem Mund kommen Wort wie: „Ich bin viel glücklicher in diesem Jahr. Ganz sicher.“ Und: „Wir sind optimistisch. Die Strecke hier in Ungarn hat Renault schon immer gelegen.“ Alonso lächelt.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Er kennt die Formel 1 seit sieben Jahren, das Geschäft, dem er 2006 die Sportlichkeit absprach. Er ist zweimal Weltmeister geworden, hat Michael Schumacher mit brillanten Manövern überholt, die Ferrari-Macht in der Formel 1 besiegt und anschließend seine größte Niederlage erlitten: Statt 2007 mit Glanz und Gloria bei seinem Traumteam McLaren zu debütieren, schied er nach einer Saison im Streit mit Teamchef Ron Dennis. „Ich wusste, dass ich in diesem Jahr (bei Renault) wohl nicht mehr um den Titel fahren würde. Aber wenn ich jetzt noch für McLaren fahren würde, wäre ich vielleicht in der gleichen Position: ohne Siegchance.“

          „Ich kriege nicht die verdiente Unterstützung“

          Es tut noch immer weh. Alonso, eine ehrliche Haut aus Oviedo in Asturien, wie seine Bewunderer sagen, fühlte sich verraten von Dennis. In die Irre geführt ob der Lobpreisungen und Ankündigungen zum Einstand im Januar 2007: „Ich möchte euch mein Team vorstellen“, hatte Alonso bei der Präsentation des McLaren-Mercedes in Valencia einhunderttausend jubelnden Spaniern zugerufen. „Mein Team“: was für ein Missverständnis. Die Schwärmereien der Teamführung für den als Chefpiloten vorgestellten Champion verstummten mit dem atemraubenden Aufstieg von Lewis Hamilton. Mit dessen erfolgreichem Angriff auf eine Führungsposition im Rennstall, die Alonso zugedacht war.

          „Ich bin viel glücklicher in diesem Jahr”: Fernando Alonso an seinem 27. Geburtstag am 29. Juli

          Das durfte der Weltmeister von 2006 nach den Beteuerungen von Dennis jedenfalls glauben. Vor einem Jahr, beim Qualifikationstraining auf dem Hungaroring, entlud sich dann der über Monate aufgestaute Frust des Spaniers in einem Akt der Selbstjustiz. Weil Hamilton sich nicht an eine Absprache gehalten hatte, blockierte der Asturier den Briten vor dem letzten Versuch beim Reifenwechsel an der Box. Alonso schaffte es 0,7 Sekunden vor Ablauf der Zeit zu einer letzten Runde, sein Teamkollege kam zu spät. Dennis schäumte, das Formel-1-Verkehrsgericht strafte, Alonso klagte: „Ich kriege nicht die Unterstützung vom Team, die ich verdient habe.“

          Vierter, Achter, Zehnter, Sechster, Zehnter, Achter...

          Der Eklat gipfelte angeblich in einem Erpressungsszenario. Demnach soll Alonso von Dennis am Morgen vor dem Rennen eine teaminterne Wiedergutmachung zu Lasten Hamiltons für die Rückversetzung um fünf Startplätze gefordert und als Druckmittel kompromittierende Informationen zur damals schwelenden Spionageaffäre rund um Ferrari eingesetzt haben. Alonso bestritt diese von McLaren-Mercedes informell verbreitete Darstellung heftig. Später tauchten dann E-Mail-Texte des Spaniers im Fahrerlager auf, die McLaren teuer zu stehen kamen. Sie dienten der FIA als wichtiges Indiz für die Schuld im Spionageskandal. Unter anderem musste McLaren-Mercedes 100 Millionen Dollar zahlen.

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