https://www.faz.net/-gtl-sh6a

Felipe Massa im Porträt : Der erste Mann hinter dem ersten Mann

  • Aktualisiert am

Ferraris Nummer zwei unter Druck: Felipe Massa Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Felipe Massa ist bei Ferrari die Nummer eins - hinter Chefpilot Michael Schumacher. Nur bis zum 30. Juni hat er noch Zeit, seinen Arbeitgeber von seinen Qualitäten zu überzeugen. Bisher läuft es nicht rund.

          3 Min.

          Felipe Massa ist die Nummer eins - hinter Michael Schumacher. Er ist der erste Mann bei Ferrari an der Seite des Chefpiloten, also eigentlich die Nummer zwei. Natürlich spricht man über solch konkrete Einordnungen nicht öffentlich im Hause Ferrari. Piloten sind doch keine Nummern.

          Trotzdem kam der neue Brasilianer in der Scuderia vor Saisonbeginn an einem Zahlenspiel nicht vorbei: An der Frage, ob Deutschlands Starpilot auch den 25 Jahre alten Herausforderer aus Sao Paulo im Formel-1-Tempo auszählt. Nach fünf Grand Prix ist das Rennen gelaufen. Schumacher führt im Trainingsduell 5:0, zwei Siege und mehr als doppelt so viele WM-Punkte (31:15) lassen keinen Zweifel: Auch Massa wird nicht die Eins, kreist bislang als vorläufige Zwei in der Formel-1-Umlaufbahn und hat nur eine Nummer ganz sicher: Die Acht.

          Schwierige Bewährungsprobe

          Schumacher, der Steuermann aus Deutschland, gab seit seiner ersten kompletten Saison 1992 einem ganzen Achter das Tempo vor. Die meisten saßen (im nachhinein) ganz gerne mit ihm in einem Boot. Nun kommt auf Massa die wohl schwierigste Bewährungsprobe zu. Ist er gefestigt genug, für den zwölf Jahre älteren, jugendlichen Altmeister zu rudern? Die jüngste, freundlich formulierte Dienstanweisung impliziert jedenfalls Hilfspiloten-Tätigkeiten bei dem Versuch, Schumacher den Weg zum achten WM-Titel freizuhalten. "Wenn Felipe jetzt noch Fernando Alonsos Punkte abnehmen würde", sagte Ferraris Technischer Direktor Ross Brawn vor dem Großen Preis von Spanien an diesem Sonntag vor den Toren von Barcelona, "dann wäre das phantastisch."

          Alonso bremsen - die erste Aufgabe von Felipe Massa

          Massa sieht sich als Glücksfall. Als Schumachers Langzeit-Begleiter Rubens Barrichello im vergangenen Jahr die Gunst der Stunde nutzte und für die Rennleitung von Ferrari überraschend einen hochdotierten Vertrag mit Honda aushandelte, rückte der Sauberpilot Massa - mangels Masse in der Klasse - ins Rampenlicht. Man suchte einen schnellen Piloten, der für seine Chance ans Limit geht: Massa akzeptierte einen Jahresvertrag, der ihm nun noch sechs Wochen oder fünf Rennen Zeit läßt, doch noch ein große Nummer zu werden. Denn am 30. Juni läuft die Optionsfrist für Ferrari ab. Da Kimi Räikkönen bereits als fixer Ferrari-Mann für 2007 gehandelt wird, hängt die Zukunft Massas bei den Roten von Schumachers Lust ab, die Karriere fortzusetzen.

          In der Zwickmühle

          Weil Siege den Rheinländer aber eher zu beflügeln scheinen, steckt Massa in der Zwickmühle. Dient er Schumacher als erfolgreicher Beifahrer, als Schutzschild oder Alonso-Abfangjäger, dann muß er sich vielleicht von seinem Traumjob in Maranello verabschieden. Reicht es nicht für mannschaftsdienliche, regelkonforme Eingriffe in den Rennverkehr, wird man den stolzen Ferrari-Piloten wohl wegen versäumter Pflichterfüllung ausrangieren. "Wir sind sehr glücklich mit Felipe", erklärte Brawn zwar am Nürburgring, verknüpfte mit dem Lob aber weitere Erwartungen: "Er muß sich weiterentwickeln, noch enger mit dem Team zusammenarbeiten."

          Massas Karrierekurve erlitt in der ersten Saison 2002 bei Sauber einen kleinen Knick. Dem Einundzwanzigjährigen fehlte bei allem Speed der nötige Durchblick im hochkomplizierten Abstimmungsprozeß. Ein Jahr als Testfahrerlehrling bei Ferrari half ihm auf die Sprünge. "Schnell war er ja immer schon", sagt der Technische Direktor von BMW-Sauber Willi Rampf, "als er zu uns zurückkam (Massa fuhr 2004 und 2005 für Sauber) war er reifer und fuhr konstanter." Im vergangenen Herbst sprach BMW nach Angaben von Ferrari sogar bei der Scuderia vor. Massa sollte den ehemaligen Weltmeister Villeneuve, den er 2005 bei Sauber im Griff hatte, ersetzen. Maranello lehnte ab.

          Bauchgefühl und Kopfsteuerung

          Sauber ist aber nicht Ferrari und Villeneuve kein Schumacher. Unter dem enormen Druck, das belegte das erste Drittel der Saison, fiel es Massa schwer, seine Schwäche ständig zu kontrollieren. Der Hang, sich im Streß vom Bauchgefühl statt vom Kopf steuern zu lassen, bremst jedoch immer wieder seinen vielversprechenden Schwung. Beim Saisonauftakt in Bahrain schoß Massa, vom Überholzwang benebelt, nur um Haaresbreite an der Front von Alonsos Renault vorbei ins Abseits.

          Beim Qualifying in Imola blieb Massa zum Ärger der Teamleitung fast eine Sekunde über der Rundenzeit des Trainingsschnellsten Schumacher. Am Nürburgring entdeckte der "überglückliche" dritte Mann des Rennens dann höchst persönlich, was ihn von Champions wie Schumacher und Alonso trennt. Massa machte zwar keinen Fehler auf dem Weg zum ersten Podiumsplatz seiner Formel-1-Laufbahn, konnte dem Duo in den entscheidenden Phasen rund um die beiden Boxenstopps dennoch nicht folgen: "Auf einmal", gab er verwundert zu Protokoll, "fanden sie mehr Pace als ich."

          Weitere Themen

          Maulkorb für Vettel und Leclerc

          Nach Ferrari-Fiasko : Maulkorb für Vettel und Leclerc

          „Was zur Hölle“: Die beiden Formel-1-Piloten waren kaum zu beruhigen nach dem fatalen Ferrari-Crash beim Großen Preis von Brasilien. Nach dem Rennen aber wurde eine Medienrunde mit Sebastian Vettel und seinem Teamkollegen abgesagt.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.