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Elektrisch angetriebene Rennwagen : Formel Steckdose

Filmstar Leonardo DiCaprio setzt als Teameigner mit Fahrer Nick Heidfeld auf Batterie-Boliden. Bild: Picture-Alliance

Batteriegetriebene Boliden sollen das Ende des klassischen Motorsports einleiten. Der Angriff der Formel E auf die Benzinfresser beginnt. Formel-1-Star Vettel hält die Idee für „Käse“, aber Filmstar DiCaprio investiert.

          6 Min.

          Leonardo DiCaprio fährt mit einem Hybridauto durch Los Angeles, er gilt als einer der großen Umweltschützer in der amerikanischen Filmszene. „Die Zukunft unseres Planeten hängt auch von der Fähigkeit ab, hoch effiziente, mit sauberer Energie betriebene Fahrzeuge zu entwickeln“, sagt der Neununddreißigjährige: „Ich bin deshalb glücklich, Teil dieses Versuchs zu sein.“ Dieser Versuch heißt Formel E. Sie ist die erste weltweite Motorsportserie mit vollelektrisch angetriebenen Rennwagen – die Formel 1 aus der Steckdose. DiCaprio nimmt als Mitbegründer des Venturi Racing Teams an der Raserei teil. Einer seiner Fahrer: der Deutsche Nick Heidfeld.

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Im September des vergangenen Jahres wurde der neue Elektro-Renner auf der Internationalen Automobil-Ausstellung in Frankfurt erstmals vorgestellt. Sein Name: Spark-Renault SRT 01E. An diesem Samstag (Start: 10 Uhr MESZ, live bei Sky) steigt das Premierenrennen dieser neuen Serie unter dem Dach des Internationalen Automobil-Verbandes (Fia) – mitten in Peking, einer der schmutzigsten Metropolen überhaupt. „China symbolisiert meiner Meinung nach am besten, was wir zeigen wollen. Nämlich, dass Elektroautos die Lösung für die Umweltbelastung der Städte sind“, sagt Alejandro Agag, Geschäftsführer der Formel E Holding. Zehn Rennen, so genannte ePRix, soll es in der ersten Saison geben, dort, wo sich die Menschen drängeln, wo sie im Stau stehen mit ihren stinkenden, qualmenden Untersätzen. Nämlich unter anderem in Miami, Long Beach, Buenos Aires, London, Monte Carlo und im Mai 2015 in Berlin.

          „Elektroautos waren bisher nicht so cool“

          Chefpromoter Agag rechnet damit, dass genug Zuschauer an die Strecken kommen werden. Das ist ein unbedingter Teil seines Geschäftsmodells. Der Spanier hatte die Idee für die Formel E und benötigte lediglich zwei Jahre, um sie Wirklichkeit werden zu lassen. „Nun kommt der Moment der Wahrheit. Wir erproben das Unbekannte, den Beginn der elektrischen Motorsport-Ära“, sagt der Dreiundvierzigjährige. „Elektroautos waren bisher nicht so cool. Wir wollen, dass kleine Jungs künftig davon träumen, so ein Auto zu fahren.“ Zusammen mit zwei Geschäftspartnern hat er bisher mehr als fünfzig Millionen Euro investiert. Geld, das über Sponsorenverträge wieder eingenommen werden soll. Werbepartner der Rennserie sind der Paket- und Brief-Dienst DHL, der Reifenhersteller Michelin, der Uhrenfabrikant TagHeuer, der Chiphersteller Qualcomm, sowie das Bankhaus Julius Bär. Mindestens zehn weitere Firmen hätten bereits Interesse gezeigt, behauptet Agag.

          Der Mann hat dunkle Locken, er kommt stets in perfekten Anzügen daher und verkehrt in der besten Gesellschaft Spaniens. Politiker war er und Unternehmer, im September 2002 heiratete er Ana Aznar Botella, die Tochter des damaligen spanischen Ministerpräsidenten José Maria Aznar. Es war ein Medienereignis im Land: Die Königsfamilie kam, ebenso wie seine Freunde Silvio Berlusconi und Tony Blair sowie der Sänger Julio Iglesias. Die spanische Zeitung „El Pais“ nannte die auf Agags SIM-Karte abgespeicherten Kontakte einmal „unbezahlbar“. Eine dieser als wertvoll eingeschätzten Telefonnummern ist jene von Jean Todt, dem Fia-Präsidenten, der sagt: „Alejandro ist ein engagierter Typ, er ist dynamisch und besitzt ein gutes Netzwerk. Er ist der ideale Promoter.“ Und er ist deshalb ein wichtiger Partner für den französischen Fia-Chef. Denn Todt möchte sich eines Tages damit schmücken, den Motorsport während seiner Amtszeit ein bisschen umweltfreundlicher gemacht, wenn nicht gar revolutioniert zu haben. Spötter behaupten allerdings immer wieder, dass Todt, in der Schumacher-Ära Ferraris Rennleiter, seit seiner Wahl im Oktober 2009 mehr Radwege eingeweiht habe als sich um den Sport zu kümmern. An diesem Sonntag wird Todt mit dem Motorsportweltrat der Fia in Peking beim ersten Rennen der Formel E dabei sein.

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