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Elektrisch angetriebene Rennwagen : Formel Steckdose

Schon seit Monaten stellen die Organisatoren der Rennserie verschiedene Videos online, etwa auf „Youtube“. So sollen die Fans einen Eindruck von Sound und Speed der elektrischen Renner erhalten. „Es fühlt sich an wie richtiges Rennfahren“, sagt Heidfeld, der 183 Mal in der Formel 1 für die Rennställe Prost, Williams und Sauber am Start stand. Zu den Werbefilmen der Formel E finden sich allerdings auch Kommentare wie dieser: „Das ist furchtbar. Elektrizität ist großartig, um Autos zu produzieren, aber sie hat im Rennsport nichts zu suchen. Wer wie wir Benzin im Blut hat, muss schützen, was er liebt. Wenn diese Serie Unterstützung erfährt, bedeutet dies das Ende für den Motorsport, wie wir ihn kennen.“

Kulturschock für Traditionalisten

Laut und schmutzig – für viele gehört dies noch immer zu einem gelungenen Grand-Prix-Erlebnis etwa in Hockenheim. Eine Elektro-Serie löst bei Traditionalisten offenbar einen Kulturschock aus: „Ich finde es Käse“, sagt viermalige Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel: „Ich bin überhaupt kein Fan davon, und ich könnte mich als Zuschauer dafür null begeistern.“

Hans-Jürgen Abt, Geschäftsführer der gleichnamigen Sportwagenschmiede aus Kempten im Allgäu, bekannt durch den Erfolg in der Tourenwagenserie DTM, war von Anfang an begeistert. „Unsere Firma hat 1896 mit einer Pferdekutsche angefangen, in den Jahren 1999 und 2000 sind wir die 24 Stunden am Nürburgring mit einem Erdgas-Rennwagen gefahren – wir waren schon immer Pioniere“, sagt der Einundfünfzigjährige. Im November des vergangenen Jahres hat er sich mit einem Team in der Formel E eingeschrieben. „Herr Agag hat sich gefreut“, sagt Abt. „Er wollte unbedingt ein deutsches Team dabei haben, er will jeden wichtigen Markt abdecken.“ Die anderen Rennställe kommen aus den Vereinigten Staaten, aus Indien, China, Japan, Großbritannien, Monaco, Frankreich und Schweiz. Sie alle mussten Verträge bis 2017 abschließen, damit der Formel E nicht schon nach dem ersten Versuch der Stecker gezogen wird. Aber woher kommt der Strom? „Wir müssen sicher gehen, dass er aus erneuerbaren Quellen stammt“, sagt Agag.

Ein ePrix-Auftritt verdichtet sich auf einen Tag. Morgens das Training, mittags die Qualifikation, nachmittags das Rennen. Hip und cool soll die Formel E sein, deshalb gibt es Konzerte an den Strecken. Während die zwanzig Fahrer gegeneinander kämpfen, soll ein DJ mit seiner Musik die Spannung aufnehmen, die Dramatik akustisch untermalen. Es gibt ja keinen Auspuff und deshalb kein Motorengebrüll. Nur etwa 80 Dezibel werden im Elektromotorsport gemessen – am lautesten ist dabei das Abrollgeräusch der Reifen. Zum Vergleich: Ein Formel-1-Bolide bringt es derzeit auf mehr als 100 Dezibel. Kritiker sagen, so ein Formel-E-Renner klinge wie eine wild gewordene Straßenbahn. Der ehemalige Formel-1-Weltmeister Jackie Stewart behauptet gar, die Formel E sei wie die Beatles ohne Instrumente. Die Benzin-Fraktion in der Formel 1 um Champion Vettel will nach der Lautstärkendämpfung in dieser Saison in Zukunft wieder auf die gewaltige Dröhnung auf Kampffliegerniveau setzen. Es sei denn, der Motorsport kommt mit der leisen Tour über die Runden.

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