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Einigung in der Formel 1 : Mosleys Rückzug rettet die Formel 1

Rückzug nach taktischen Fehlern: Max Mosley geriet unter die Räder der Rennstall-Vereinigung Fota Bild: dpa

Die Formel 1 ist endgültig gerettet. Der Fia-Präsident Max Mosley wird im Oktober nicht mehr für sein Amt kandidieren. Im Gegenzug geben die rebellierenden Teams ihre Spaltungsabsichten auf und garantieren ihr Engagement bis 2012.

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          Ganz so dumm waren die Rebellen dann doch nicht. Die „Loonies“, „die Bekloppten“, wie Max Mosley Männer vom Format Luca di Montezemolos, dem Ferrari-Präsidenten, noch am Wochenende bezeichnete, haben einen der intelligentesten Männer der Szene auf ganzer Linie geschlagen. Am Mittwoch wirkte Mosley als Präsident des Internationalen Automobil-Verbandes (Fia) in Paris zwar auf den ersten Blick wie der Retter der Formel 1, als er das Ende eines „Horrorszenarios“ als Erster verkünden durfte: „Es wird nur eine WM geben“, sagte der Jurist aus England nach der Sitzung des Fia-Weltrates in Paris.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Das aufgesetzte Lächeln aber spiegelte nicht seine Gefühle. Denn während dieses Treffens wurde nicht nur die drohende Spaltung der Formel 1 verhindert. Gleichzeitig geriet der einflussreichste Motorsportfunktionär unter die Räder der Rennstall-Vereinigung Fota. Piloten wie Sebastian Vettel, so die frohe Botschaft, haben weiterhin eine Zukunft in der Formel 1. Mosley nicht: „Ich werde im Oktober, wenn meine Amtszeit abläuft, abtreten.“

          Die Hersteller geben weiter Gas

          Der Fia-Chef ist 69 Jahre alt, ein blitzschneller Denker. Aber so ein Wendetempo hatte ihm niemand zugetraut. Schon gar nicht, weil er noch am Dienstag mit seiner gefürchteten Kampfmoral drohte. Wie aber hat sich einer, der monatelange öffentliche Diskussionen über seine sexuellen Neigungen ohne Amtsverlust überstand, der seinen Verband auf den gebotenen Widerstand „demokratisch Gewählter“ gegen die Macht der Industrie einschwor, aus seinem Posten drängen lassen?

          Ein Sieger im Machtstreit: Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo
          Ein Sieger im Machtstreit: Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo : Bild: dpa

          Die Beteiligten schweigen. Zur Wahrung der Würde ist von einem Kompromiss die Rede. Alle Beteiligten sollen ihren Anteil daran haben. Der Inhalt der Vereinbarung aber lässt Mosley kaum Spielraum für eine Gesichtswahrung: Demnach werden die Regeln dieser Saison auch 2010 gelten. Den Teams wird künftig wieder ein Mitspracherecht an der Entwicklung des Reglements gewährt. Sie folgen zwar Mosleys Initiative einer markanten Kostensenkung, werden ihre Ausgaben aber erst innerhalb der nächsten zwei Jahre auf etwa 45 Millionen Euro ohne Fahrergehälter, Marketing und Motorenkosten reduzieren. Von einem Budget-Cap, wie ihn der Fia-Chef forderte, ist nicht mehr die Rede.

          Im Gegenzug garantieren die Hersteller unter den Fota-Mitgliedern BMW, Brawn GP, Ferrari, McLaren-Mercedes, Renault, Red Bull, Toro Rosso und Toyota Hilfen für Neueinsteiger. Der wertvollste Schritt der Teams aber ist ihre Bereitschaft, nun lange Gas zu geben. Ihre Teilnahme an der Formel 1 unter Fia-Patronat bis Ende 2012 wird in einem neuen Concorde-Agreement besiegelt. Diese Entscheidung katapultierte den Kurswert der Formel 1 am Mittwochnachmittag vom historischen Tiefstand zu einem beflügelnden Höchstwert. „Ich bin sehr glücklich“, sagte Bernie Ecclestone.

          Ecclestone ist auf jeden Cent angewiesen

          Es sind nicht die Gefühle, die den Chefmanager der Formel 1 bewegen. Noch immer lässt sich der 78 Jahre alte Brite beim Blick auf sein Lebenswerk allein von den Gewinnaussichten erheitern. Sie sind deshalb wieder so erfreulich, weil nach der Fota vor allem Ecclestones Arbeitgeber, das Unternehmen CVC, Einfluss genommen hat. Denn mit dem Abzug der bedeutendsten Teams, ihrer berühmten Fahrer hätten auch Sponsoren den Zirkus von Mosley/Ecclestone verlassen. Rennveranstalter sprachen vom „Wegfall der Geschäftsgrundlage“ und hätten sich wohl geweigert, für einen Formel-1-Auftritt mit Williams und eine Reihe Nobodys etwa in Hockenheim 23 Millionen Dollar zu zahlen. Ecclestone aber ist auf jeden Cent angewiesen. Er muss die Kredite bedienen, die CVC für den Kauf der Vermarktungsrechte nahm. Nach Informationen dieser Zeitung überzeugten Fota und CVC Ecclestone am Dienstag bis tief in die Nacht, Mosley zu einem Rückschritt zu bewegen. An dessen Stelle wird nun der Monegasse Michel Boeri, Präsident des Fia-Senats, die Formel 1 beaufsichtigen.

          Mosley wird im Oktober vermutlich in allen Ehren verabschiedet. Er hat sich wie kein Zweiter um die Sicherheit von Fahrern verdient gemacht. Seit er aber in Gutsherrenart gestandene Männer durchs Fahrerlager trieb, mehrten sich seine taktischen Fehler. Der größte war, die Teams mit immer neuen Attacken in jene Einheit zu treiben, die er über Jahre zu verhindern verstand. Mosley hat es verpasst, sein Machterhaltungssystem zu modernisieren. Jetzt ist er überholt worden. Von „Bekloppten“, die mit einer irren Idee siegten. „Die neue Rennserie“, sagte ein Fota-Mitglied, „war ein Bluff.“

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