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Eine Woche vor dem Start : Rätselhafte Formel 1

Geehrt von der Queen, gestraft mit dem Auto? Weltmeister Lewis Hamilton drohen hintere Startplätze im McLaren-Mercedes Bild:

Weltmeister Lewis Hamilton hat mit seinem McLaren-Mercedes derzeit kein Auto, mit dem er um den Sieg fahren könnte. An der Spitze der Königsklasse ist Raum frei geworden für die Ambitionen anderer. Die Frage ist: Wer füllt die Lücke?

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          Ihm zitterten die Knie, und er rang nach den richtigen Worten. Im dunklen Anzug, mit schwarzer Krawatte und weißem Hemd stand Lewis Hamilton in der vergangenen Woche im Buckingham-Palast in London und war innerlich ganz schön aufgewühlt. „Ich konnte gar nicht glauben, dass sie wirklich vor mir stand“, sagte der Vierundzwanzigjährige später. Queen Elisabeth II. hatte ihn eingeladen und mit dem Ritterorden „Member of the Order of the British Empire“ ausgezeichnet. „Das war die überwältigendste Erfahrung, die ich je gemacht habe.“

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Dabei ist dieser Hamilton vor nicht nicht einmal einem halben Jahr noch jüngster Weltmeister in der Geschichte der Formel 1 geworden, deshalb kam es erst zu dieser königlichen Begegnung, die den Engländer auch mit der derzeit rauhen Wirklichkeit konfrontierte. „Sie hat sich sehr für mein Auto interessiert“, sagte Hamilton. Er wird der Queen nicht viel Gutes darüber erzählt haben können. Denn eine Woche vor dem Start der neuen Saison in Melbourne ist klar, dass die Ingenieure von McLaren-Mercedes in den Wintermonaten keinen Rennwagen konstruiert haben, mit dem Hamilton auf Anhieb um den Sieg kämpfen könnte (siehe auch: Formel 1: Mercedes wieder Spitze, aber nicht McLaren). „Wir müssen uns darauf einstellen, im letzten Drittel der Startaufstellung zu stehen“, sagt Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug. An der Spitze, dort wo die Weltmeisterschaft entschieden wird, ist ein Vakuum entstanden. Eine Lücke, und es gibt einige, die nun ihre große Chance wittern (siehe: FAZ.NET-Sonderseite zur Formel-1-Saison 2009).

          Für die Wettanbieter sind Räikkönen und Alonso die Favoriten

          Die europäischen Wettanbieter haben ihre Antworten auf den Ausgang der Saison längst gefunden: Fernando Alonso im Renault und Kimi Räikkönen im Ferrari sind ihre Favoriten auf den Titelgewinn. Und selbst die Chancen von Jenson Button im Brawn GP werden von den Buchmachern nicht wesentlich schlechter eingeschätzt als jene von Hamilton. Die massiven Regeländerungen vor dieser Saison haben viel in Bewegung gesetzt, und sie könnten die über Jahre gewachsenen Kräfteverhältnisse in der Branche ganz gehörig durcheinanderbringen. „Es ist schwieriger als je zuvor, den Stand der Dinge auf der Strecke einzuschätzen“, sagt Stefano Domenicali, der Teamchef von Ferrari.

          Der Favorit: nach einem schwachen Jahr 2008 gilt Kimi Räikkönen, Weltmeister von 2007, als größter Tipp auf den Weltmeistertitel 2009

          Bis in die letzte Runde des letzten Rennens haben sich McLaren-Mercedes und Ferrari in der vergangenen Saison einen unerbittlichen Kampf um die Weltmeisterschaft geliefert. Noch im September wurde der Wagen von Hamilton mit neuen Teilen modifiziert, um dem Engländer gegenüber Felipe Massa Vorteile zu verschaffen. Ferrari hatte sich zu diesem Zeitpunkt längst aus diesem Wettrüsten verabschiedet, die Ingenieure konzentrierten sich wie alle anderen Teams auf die Entwicklung des neuen Boliden. Mit Erfolg. Der neue McLaren MP4-24-Mercedes hingegen löst bei Fahrern und Verantwortlichen noch keine Glücksgefühle aus. Die Aerodynamik des Autos funktioniert nicht, auf der Hinterachse fehlt es an Anpressdruck. Beinahe eine Sekunde war Heikki Kovalainen bei den Testfahrten in Jerez Ende dieser Woche langsamer als Button im Brawn GP.

          Mit den Ambitionen bei BMW wächst auch der Druck

          Die Spitzenteams (siehe: Die Formel-1-Teams 2009) kalkulieren längst mit der Schwäche von McLaren-Mercedes, sie sehen sich selbst nun noch viel stärker. BMW etwa. Schon in den vergangenen beiden Jahren hat sich das Team mit Nick Heidfeld und dem Polen Robert Kubica mehr und mehr an die Weltspitze herangearbeitet, war zuletzt drittstärkster Hersteller. Nun will Heidfeld Weltmeister werden, das hat er oft genug betont in den vergangenen Wochen. Genau das ist auch der Plan von BMW-Sauber - die Chancen stehen so gut wie nie zuvor. „Letztes Jahr waren wir auf Tuchfühlung. Jetzt ist es unser großes Ziel, um den Titel mitzufahren“, sagt BMW-Motorsport-Direktor Mario Theissen.

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