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Nach schwerem Handbike-Unfall : Zanardis Zustand weiter kritisch

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Ein Kämpfer, wie kein Zweiter: Alex Zanardi gewann in seiner zweiten Karriere mit seinem Handbike Gold bei den Paralympics. Bild: AFP

Der frühere Autorennfahrer und spätere Paralympics-Sieger Alex Zanardi wurde nach seinem schweren Unfall drei Stunden operiert. Viele Weggefährten sind in Gedanken bei ihm.

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          Der frühere Formel-1-Pilot Alessandro Zanardi befindet sich nach seinem schweren Verkehrsunfall mit einem Handbike weiter in einem kritischen Zustand. Wie das Krankenhaus in Siena am Samstag mitteilte, wurde der 53-Jährige nach einer rund dreistündigen Operation am Freitagabend auf die Intensivstation verlegt - sein neurologischer Befund sei weiter „sehr ernst“.

          Er habe zwar stabile hämodynamische und metabolische Parameter, musste aber für die künstliche Beatmung intubiert werden. Der beinamputierte Sportler war Medienberichten zufolge mit seinem Handbike am Freitag auf einer abschüssigen Straße auf die Gegenseite geraten und mit einem Lkw kollidiert. Er wurde mit schweren Kopfverletzungen mit einem Rettungshubschrauber in ein Krankenhaus geflogen, wo die Operation umgehend eingeleitet wurde. Die Ärzte hatten in der Nacht zum Samstag von einer „heiklen neurochirurgischen Operation“ gesprochen, wie das „Azienda Ospedaliera Universitaria Senesedas“ mitteilte.

          Der schwere Unfall Zanardis im Rahmen eines Handbike-Staffelrennens in der Toskana erschüttert die Welt des Sports. „Kämpfe, Du weißt, wie. Du bist großartig", twitterte Ferrari-Pilot Charles Leclerc. Die gesamte Motorsportgemeinde sei bei ihm, schrieb der spanische Formel-1-Fahrer Carlos Sainz: „Gib mehr als jemals zuvor.“

          Auch der Präsident des Automobil-Weltverbandes (Fia), Jean Todt, schrieb unterstützende Worte: „Du warst immer ein Kämpfer und wirst immer einer sein, die ganze Fia-Gemeinde unterstützt dich in diesem grausamen Moment“.

          „Du wirst es auch diesmal schaffen“, schrieb der ehemalige Formel-1 Pilot Giancarlo Fisichella. „Ich habe so eine Angst um Alex Zanardi, dass ich den Atem anhalte. Ich bin sein Fan. Ich bin sein Freund“, schrieb der amerikanische Formel-1-Weltmeister von 1978, Mario Andretti, bei Twitter: „Bitte macht das, was ich tue: Betet, betet für diesen wunderbaren Mann.“

          Auch die italienischen Gazetten reagierten bestürzt auf den Unfall. „Der Mann der Wunder ist wieder in einen dunklen Albtraum gestürzt. Zanardi ist in den vergangenen Jahren zu einer Ikone und zum Emblem eines Mannes geworden, der keine Grenzen kennt“, schrieb die Gazzetta dello Sport. „Zanardis Kraft, seine Selbstironie und seine menschliche Tiefe sind Eigenschaften, die einen Sportler zu einer Ikone gemacht haben", kommentierte Corriere dello Sport.

          Alessandro Zanardi mit seinem Handbike: „Der Mann der Wunder ist wieder in einen dunklen Albtraum gestürzt.“
          Alessandro Zanardi mit seinem Handbike: „Der Mann der Wunder ist wieder in einen dunklen Albtraum gestürzt.“ : Bild: dpa

          Mario Valentini, Trainer der italienischen Handbike-Mannschaft, der nach kurzer Zeit am Unfallort gewesen war, berichtete, dass Zanardi noch bei Bewusstsein gewesen sei und gesprochen habe.

          Zanardi hatte ein Rennen für paralympische Athleten mit Handbikes oder Fahrrädern in der Toskana bestritten. Die Staatsanwaltschaft der italienischen Stadt Siena hat eine Untersuchung über den Unfall eingeleitet. Die Staatsanwälte prüfen ein Video, das den Unfall zeigt. Geprüft wird, ob es Sicherheitsmängel bei der Organisation der Staffel gegeben habe.

          Ausgerechnet er, ausgerechnet Zanardi, den das Schicksal schon einmal schwerst getroffen und auch gezeichnet hatte. Ausgerechnet diese Frohnatur. Ein Mensch, der andere mit seinem Lachen, mit seiner Lebensfreude, mit seinem Kampfgeist anstecken kann. Einer, der vor knapp 20 Jahren nach einem verheerenden Unfall auf dem Lausitzring schon mal mit dem Tod rang. Er bezwang ihn damals, nachdem er in der Champcar-Serie verunglückt war. Ein grauenvoller Unfall. Zanardi verlor bei dem Horrorcrash am 15. September 2001 beide Beine.

          Dass er den Unfall überlebte, bei dem er sich mit seinem Wagen gedreht hatte und ein Konkurrent mit dessen Wagen in ihn gekracht war, grenzte an ein Wunder. Im Helikopter auf dem Weg zum Notfallkrankenhaus in Berlin hatte Zanardi siebenmal wiederbelebt werden müssen. Er hatte viel, viel Blut verloren. Aber Zanardi überlebte und kehrte nach einer langen Reha sogar zurück in den Rennsport. Bewundert von Kollegen, von Fans, von Menschen in aller Welt.

          Bei seinem schweren Autounfall 2001 in der DTM verlor Zanardi beide Beine, aber nicht seinen Lebensmut
          Bei seinem schweren Autounfall 2001 in der DTM verlor Zanardi beide Beine, aber nicht seinen Lebensmut : Bild: AP

          Der Lebenseifer des am 23. Oktober 1966 in Bologna geborene Alessandro Zanardi schien einfach unzerstörbar. Oder wie es sein langjähriger Arbeitgeber BMW einmal schrieb: „Alessandro Zanardi ist ein Phänomen - und der lebende Beweis dafür, dass es keine Grenzen gibt, wenn man sich einer Herausforderung mit Leidenschaft und Begeisterung widmet.“ Nur zwei Jahre nach dem Crash saß Zanardi wieder im Cockpit eines Rennwagens - umgebaut für seine Bedürfnisse. Im Deutschen Tourenwagen-Masters hatte er vier Starts.

          Dann schlug Zanardi eine zweite Karriere ein, er gewann bei den Paralympics 2012 und 2016 jeweils zweimal die Goldmedaille mit dem Handbike. Selbst vor dem Ironman machte Zanardi nicht halt und überwand alle Schwierigkeiten und Herausforderungen.

          Nun aber kämpft er gegen den schwersten Gegner, schon wieder. Und nicht nur die Motorsport-Welt betet, dass dieser Mensch auch diesen Kampf wieder gewinnt. „Alex hat schon genug Pech gehabt, dass er in Entschlossenheit und Siegergeist verwandelt hat“, schrieb der ehemalige Pilot und jetzige Fernseh-Experte Martin Brundle.

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