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Prozess in München : Ecclestone-Anwalt: Gribkowsky kein Amtsträger

Bernie Ecclestone (rechts) und sein Anwalt Sven Thomas Bild: AP

Am zweiten Prozesstag wird die Verteidigungsstrategie für Bernie Ecclestone deutlich: Gerhard Gribkowsky soll die Eigenschaft des Amtsträgers abgesprochen werden. Zudem sagen erste Zeugen aus.

          Welchen Nutzen hatte die Formel 1 für die bayerischen Bürger? Bernie Ecclestones Anwälte haben am zweiten Verhandlungstag des Strafverfahrens gegen den Formel-1-Chefvermarkter ihre Verteidigungsstrategie deutlich gemacht. Ihr Ziel ist es, Gerhard Gribkowsky, dem früheren Vorstand der Bayerischen Landesbank, die Eigenschaft des Amtsträgers abzusprechen, denn eben wegen der Bestechung des ehemaligen Bankers mit öffentlich-rechtlichem Auftrag, also eines Amtsträgers, ist Ecclestone in München angeklagt.

          Ecclestones Anwälte wollen belegen, dass es Gribkowsky bei seinen Geschäften in der Formel 1 an der Amtsträgereigenschaft fehlte, schon weil die Deals in der Vollgasbranche nicht der Daseinsvorsorge der bayerischen Bevölkerung, also dem Gemeinwohl gedient hätten, wie es dem öffentlich-rechtlichen Auftrag der Landesbank entspricht. Dazu beantragten sie am Freitag, Akten aus der Prüfung der Kreditvergabe der Bayerischen Landesbank an die später insolvente Kirch-Gruppe durch das Bundesamt für Kreditwesen (die heutige Bafin) als Beweismaterial in den Prozess gegen Ecclestone einzuführen.

          Der Prozess gegen Bernie Ecclestone im Prozess-Blog

          Gribkowsky hatte von dem 83 Jahre alten Briten insgesamt knapp 45 Millionen Dollar erhalten, nach dem dieser gemeinsam mit Ecclestone die Anteile der Bayerischen Landesbank an der Formel 1 im Jahr 2005 an den jetzigen Rechteinhaber CVC veräußert hatte. Die Anteile waren im Zuge der Kirch-Pleite an die Bayern-LB gefallen.

          Zur Erinnerung: Gribkowsky war als Amtsträger wegen Vorteilsnahme zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Laut Ecclestones Anwalt Sven Thomas haben Gribkowskys Anwälte die Amtsträgereigenschaft auch nie bestritten. Sollte das Gericht zur der Auffassung der Verteidigung folgen, ginge es für Ecclestone „nur“ um Bestechung im geschäftlichen Verkehr, zu deren Erfüllung das Strafgesetzbuch deutlich engere Grenzen setzt.

          Am Vormittag hatte das Gericht die ersten Zeugen im Prozess gehört. Die Staatsanwälte Hildegard Bäumler-Hösl und Martin Bauer schilderten ihre Vernehmungen von Ecclestone als Beschuldigten im April 2011 und als Zeuge im Gribkwosky-Prozess im November 2011. Bei ihren Schilderungen gab es keine wesentlichen Überraschungen: Damals wie heute behauptet Ecclestone, von Gribkowsky mit dessen Insiderwissen zu den von Ecclestone für seine damalige Ehefrau und deren Kinder eingerichteten Treuhandgesellschaften unter Druck gesetzt worden zu sein. Ecclestone habe ausgesagt, er sei von Gribkowsky „erpresst“ worden (so Frau Bäumler-Hösl), beziehungsweise habe dieser den Formel-1-Boss „mürbe machen“ (so Bauer) wollen.

          Das hatte Ecclestone auch am ersten Verhandlungstag in der vergangenen Woche durch seine Anwälte ausgesagt. Die Münchner Staatsanwaltschaft geht dagegen davon aus, dass sich Gribkowsky und Ecclestone zu einem Geschäft zum beiderseitigen Vorteil verabredet hatten. Gribkowsky erhielt die knapp 45 Millionen Dollar und soll im Gegenzug dafür gesorgt haben, dass Ecclestone eine Provision von über 40 Millionen Dollar von der Bayern-LB erhielt. Fortsetzung folgt – kommenden Freitag mit der Vernehmung von Gerhard Gribkowsky als Zeugen.

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