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Wehrlein in die Formel 1 : Mit Lauda zu den Sternen

„Ein Traum hat sich jetzt erfüllt“: Pascal Wehrlein. Bild: dpa

Als bislang jüngster Pilot holte Pascal Wehrlein 2015 den Titel in der DTM. Nun steigt der 21 Jahre alte Rennfahrer auf – und bekommt in der Saison 2016 ein Cockpit in der Formel 1.

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          Vorsichtig freundlich, höflich nachfragend reagiert der neue deutsche Formel-1-Pilot auf unverstandene Fragen während einer Telefonkonferenz mit deutschen Journalisten. „Nochmal, bitte“, sagt Pascal Wehrlein mit fast schüchtern klingender Stimme. Er hat es geschafft, mit 21 Jahren. Am Mittwoch durfte er endlich aller Welt von seinem Sprung hinaus aus der deutschen Tourenwagenserie zum britischen Manor-Team berichten.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          „Ich bin megahappy“, sagt der jüngste DTM-Meister. Den Titel kann er also nicht mehr verteidigen. Auf diese Nachricht hatte Wehrlein, bei aller Dankbarkeit, den ganzen Winter gewartet. Seit ein paar Tagen ist die Tinte unter dem Vertrag getrocknet. Und Wehrlein ganz auf Formel 1 eingestellt: Besuch am Stammsitz von Manor im mittelenglischen Banbury, Sitzprobe, Ingenieure kennenlernen, Testtermine planen, endlich dort sein, wo er sich als Sechsjähriger sah, als er die Welt Schumachers entdeckte: Erst im Fernsehen „jedes Rennen“ zu jeder Tages- und Nachtzeit und dann an der Hand seines Vaters in Hockenheim. „Er weiß, was er will“, sagt Niki Lauda, Aufsichtsratschef des Mercedes-Teams: „Wehrlein ist bis zu einem gewissen Grad im positiven Sinne ein arroganter Hund. Und das brauchst du, wenn du im Motorsport weiterkommen willst.“

          Schumacher hatte Wehrleins Talent auf Anhieb erkannt. Bei einer Sichtung 2008 für eine ADAC-Förderung fiel die Wahl des Rekordchampions auf den Sigmaringer, ein Jahr später fuhr der junge Mann in dessen Kartteam, kaum ahnend, dass er sieben Jahre später als Mercedes-Junior Karriere in der Königsklasse machen soll.

          In der DTM wurde der 21-Jährige im vergangenen Jahr Champion.

          Von der DTM zu Manor, vom Auto mit Dach zum Grand-Prix-Start im Monocoque der Formel 1 am 20. März in Melbourne ist es zwar schon ein großer Schritt. Aber dahinter steckt mehr als die bloße Erweiterung der deutschen Fahrergilde mit Sebastian Vettel (Ferrari), Nico Rosberg (Mercedes) und Nico Hülkenberg (Force India) zu einem Quartett. Manor dient als Ausbildungsstation. „Er ist unser Schützling“, sagt Lauda, „wir haben lange um die Möglichkeit gekämpft.“  Mercedes-Teamchef Toto Wolff führte die Verhandlungen. Sie wurden erleichtert durch den Wechsel Manors von Ferrari- zu Mercedes-Antrieben.

          Dazu haben die Deutschen laut Lauda eine Art Fortbildungspauschale gewährt. Um Manor, vor eineinhalb Jahren fast pleite, in Schwung zu bringen. Denn nur in einem halbwegs wettbewerbsfähigen Auto lässt sich erkennen, ob Wehrlein die guten Ergebnisse bei den Testfahrten im Silberpfeil (und im Force India) auch unter Rennbedingungen wiederholen kann und ob er für eine spätere Beförderung ins Mutterteam taugt.

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          Insofern ist es aus Sicht von Mercedes auch wichtig, dass Wehrlein einen starken Gegner im zweiten Cockpit erhält. Die Entscheidung ist noch nicht gefallen, das Interesse des Teams an einer großen Mitgift dürfte in diesem Fall eine wesentlich größere Rolle spielen. Es gibt also idealere Bedingungen für das Erprobungsjahr, für einen Stresstest, der Mercedes, falls es denn rund läuft, eine gewisse Unabhängigkeit von den Launen und Ansprüchen großer Stars bescheren soll.

          Falls Wehrlein nämlich beweist, langfristig Rosberg oder gar den zweimaligen Weltmeister Lewis Hamilton ersetzen können. In Stuttgart sprach man am Mittwoch von der Fortsetzung der deutschen Piloten-Ära. Auf Mauritius könnte diese Nachricht auf fröhlichen Protest stoßen. Wehrleins Mutter stammt von der Insel im Indischen Ozean. Aber einen Besitzanspruch formulierte bislang nur Lauda: „Der Junge gehört uns.“

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