https://www.faz.net/-gtl-6l690

Dietrich Mateschitz : Dosenkönig und Weltmeister

Mit dem Aussehen des alternden Schauspielers: Dietrich Mateschitz, Getränkeproduzent und Formel-1-Weltmeister (Foto: Mit Fahrer-Weltmeister Vettel in Abu Dhabi) Bild: dapd

Mit dem Verkauf von 4 Milliarden Getränkedosen finanziert Red-Bull-Erfinder Dietrich Mateschitz sein Engagement in der Formel 1. Der Weltmeistertitel für Sebastian Vettel ist auch für den Österreicher eine Krönung.

          3 Min.

          Dietrich Mateschitz überlässt wenig dem Zufall. Zwar kann man den Weltmeister-Titel von Sebastian Vettel nicht als geplant bezeichnen. Doch hat der Erfinder des Kultgetränks Red Bull das Jahr 2010 schon im Sommer als eines der erfolgreichsten des Unternehmens bezeichnet. Im Sport hat sich seine Prognose bereits erfüllt. Möglicherweise wird auch der Konzern das Jahr mit einem Rekordergebnis abschließen und damit seinen steilen Wachstumspfad fortsetzen.

          Michaela Seiser

          Wirtschaftskorrespondentin für Österreich und Ungarn mit Sitz in Wien.

          Beinahe ein Vierteljahrhundert nach seiner Gründung in den frühen achtziger Jahren wird Red Bull zu einem Fallbeispiel für erfolgreiche und vielleicht unkonventionelle Markenbildung. Mateschitz hält den Weltmeistertitel durch Vettel für das Größte, was sein Konzern im Sport bisher erreicht hat. Dennoch soll es nach den Wünschen des Milliardärs künftig in dieser Tonart weitergehen. Man werde sich bemühen, Vettel auch in den kommenden Jahren ein siegfähiges Auto hinzustellen, versprach Mateschitz, sonst eher medienscheu, beim großen Finale in Abu Dhabi.

          Finanziert wird das Sport-Engagement in erster Linie durch den Verkauf von jährlich mehr als vier Milliarden Dosen quer über den Globus. Im vergangenen Jahr lag der Reingewinn des Unternehmens bei 123,1 Millionen Euro. Der 66 Jahre alte Österreicher wurde vom Magazin „Forbes“, das jedes Jahr die Liste der reichsten Menschen der Welt herausgibt, im Frühjahr auf ein Vermögen von 4,1 Milliarden Dollar (2,99 Milliarden Euro) und damit als einer der reichsten Österreicher taxiert.

          Dabei war Geld für den unkonventionellen Unternehmer nie die hauptsächliche Motivation, wie der Anhänger einer Drei-Tage-Arbeitswoche selbst sagt. Seine Triebfeder seien immer Freiheit und Unabhängigkeit sowie die Freude an seinen Projekten gewesen. 1987 startete er mit dem belebenden Getränk, das er an der Bar des Mandarin Oriental Hotel in Hongkong kennengelernt hatte und mit Hilfe eines thailändischen Partners auf dem österreichischen Markt einführte.

          Abitur mit Ach und Kach

          Der gebürtige Steirer wuchs weitgehend vaterlos auf und ist der Beweis dafür, dass auch schwache Schüler herausragende Unternehmer werden können. Nur mit Ach und Krach erreichte er das Abitur und brauchte anschließend zehn Jahre für sein Wirtschaftsstudium in Wien. Danach arbeitete er als Marketingfachmann für verschiedene Unternehmen, zuletzt für Blendax in Deutschland.

          Sein Hang zum Fliegen ist für ihn ebenso bezeichnend wie sein Engagement im Motorsport sowie die Wertschätzung von schuldenfreiem Wirtschaften: Das Marketing-Talent mit dem Aussehen eines gutsituierten, alternden Schauspielers – meist mit Jeans, Lederjacke und weißem Hemd bekleidet – leistet sich seit sechs Jahren mit der Übernahme des Jaguar-Rennstalls und danach mit dem Erwerb jenes von Minardi eigene Formel-1-Teams. Ebenso charakterisieren ihn seine Neigung zu moderner Architektur und sein Interesse an der Philosophie. Der erklärte Anhänger von ehelosen Beziehungen hat einen Sohn aus einer früheren Verbindungen.

          1,4 Milliarden Euro Marketing-Budget

          Im Marketing von Red Bull fanden seine persönlichen Leidenschaften, darunter schnelle Autos und Flugzeuge, von Beginn weg ihren Niederschlag. Red Bull setzte auf Sportsponsoring, bevorzugte Langzeitpartnerschaften mit Einzelsportlern, zunächst nur im Freizeit- und Extremsport – getreu dem Marketing-Motto: „Red Bull verleiht Flügel“.

          1,4 Milliarden Euro beträgt mittlerweile das Marketing-Budget, fast die Hälfte davon geht in Event- und Sport-Marketing. Motorsport war von Beginn an eines der wichtigen Segmente im Sport-Sponsoring. Mitte der neunziger Jahre stieg der Konzern als Hauptsponsor des Sauber-Teams erstmals mit großen Investitionen in die Königsklasse des Motorsports ein.

          Vettel kommt aus dem eigenen Junior-Programm, wird seit mehr als zehn Jahren von Red Bull unterstützt. „Sebastian ist eine Ausnahmepersönlichkeit, das wissen wir schon lange“, erklärte Mateschitz. „Jetzt hat er es bewiesen. Die Weltmeisterschaften führen in den nächsten Jahren sicherlich über ihn, vorausgesetzt, er sitzt im richtigen Auto.“ Mateschitz hofft auf ein ähnliches Niveau auch in der kommenden Saison. „Wir werden uns bemühen, ihm dieses Auto zu geben. Wenn wir dazu nicht imstande sind, dann ist er frei, dorthin zu gehen, wo er wieder Weltmeister werden kann.“ Vettels Vertrag bei Red Bull läuft zwar nur bis Ende 2011, birgt aber eine Option für 2012. Danach könnte sich der Jungstar nach Alternativen umsehen. Derzeit ist der Getränkeproduzent aber ohnehin die beste Adresse.

          Weitere Themen

          Lichtes Moment

          Trainerwechsel bei Mainz 05 : Lichtes Moment

          Cheftrainer Achim Beierlorzer wurden keine neuen Impulse mehr zugetraut. Nun übernimmt der Ko-Trainer Jan-Moritz Lichte bei Mainz 05 – für ihn sprechen vor allem vier Aspekte.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.