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Die Zukunft der Formel 1 : „Die Kunst des Krieges“

Verträge bis 2020

Ergebnis: Kartellrechtler Wagner setzte gegen die Fia durch, dass weiterhin Truckrennen ausgetragen werden können. Und in der Formel 1 wurden Regelsetzung und Vermarktung voneinander getrennt. Für Ersteres ist die Fia zuständig, Letzteres wurde auf 100 Jahre übertragen - an den Rechteinhaber, derzeit CVC mit Statthalter Ecclestone. CVC verweist auf Anfrage dieser Zeitung auf das Ergebnis der damaligen Untersuchung. Allerdings: Der Machtkampf von heute hat mit den damaligen Praktiken kaum etwas zu tun. „Im Einzelfall muss geprüft werden“, sagt Jurist Wagner, „ob die Regelung objektiv gerechtfertigt ist. Es kann berücksichtigt werden, dass Team A sehr lange dabei ist, Team B sehr viel investiert hat. Wenn aber die Vertragskriterien letztlich so konzipiert sind, dass sie den Ausschluss von Team C bewirken, könnte das problematisch sein. Grundsätzlich gilt: Je kürzer Regeln wirken, umso eher sind sie gerechtfertigt.“ Ecclestones Verträge mit Ferrari und Red Bull sollen bis 2020 laufen.

Kundenteams oder Vorjahresmodelle?

Adam Parr, von 2006 bis März 2012 Vorsitzender der Geschäftsführung beim Williams-Team, hat über seine Erfahrungen in der Formel 1 ein Comic-Buch geschrieben. Titel: „The Art of War“ (“Die Kunst des Krieges“). Er schreibt: „Ich weiß nicht, ob es stimmt, aber ich glaube, dass Ecclestone unserem Team deutlich gemacht hat, dass er uns nur einen Vertrag anbieten würde, wenn ich mich zurückziehe.“ In der Tat bekam Williams ein Angebot nach Parrs Rückzug: „Mir war klar, dass die Alternative gewesen wäre, bei der EU-Kommission zu klagen“, heißt es zum Ende von Parrs Buch: „Doch ein einzelnes Team wie Williams kann den Machtkampf nicht aufnehmen.“

Dasselbe hört, wer Teamchefs dieser Tage auf das Thema anspricht. Sie fürchten wie Parr, Ecclestone könnte das Spiel noch weitertreiben und einen alten Gedanken endlich in die Tat umsetzen: eine Formel 1, in der eine kleine Zahl namhafter Konstrukteure wie Ferrari, McLaren oder Red Bull Kundenautos bauen oder die schwächeren Teams in Vorjahresmodellen der Konkurrenz unterwegs sind. Ein Prinzip, das den kleineren Rennställen die Geschäftsgrundlage entzöge und kaum noch etwas mit dem Wettbewerb der genialen Konstrukteure zu tun hätte, der seit 1950 Faszinosum und Quell ewigen Streits zugleich ist.

„Todt wird von keinem ernst genommen“

Vor dem Rennen in Barcelona sagte Mercedes-Teamchef Christian Torger Wolff, er könne sich auch mehr als 20 Formel-1-Rennen in einem Jahr vorstellen. „Um das logistisch zu bewältigen, bräuchten wir zwei Teams“, wird der Österreicher im Interview mit „Motorsporttotal.com“ zitiert. Dass zwei Mercedes-Teams mehr als zwei Autos an den Start bringen könnten, ist logisch. Ecclestone dürfte diese Sicht gefallen. Seit Wolff und dessen Landsmann Niki Lauda den Stern aus Stuttgart repräsentieren, haben sich die Beziehungen des Weltkonzerns zu Ecclestone deutlich gebessert. Die Stuttgarter, von denen es vergangenes Frühjahr hieß, sie könnten wie vor zwölf Jahren aufbegehren, werden nicht klagen. Dabei wären sie die Einzigen im Fahrerlager, die einen langen Streit ums Recht durchhalten könnten.

Denn auch auf den Fia-Präsidenten als Regelhüter scheint kein Verlass. Jean Todt, sagt ein Team-Principal, habe viel Glaubwürdigkeit verloren: „Er wird von keinem mehr ernst genommen.“ Und so hoffen die bedrohten Teams darauf, Dritte, also Zuschauer oder Fernsehstationen, mögen eine Beschwerde auf den Weg bringen. Jurist Wagner sagt: „Für die großen Teams und Ecclestone bestehen kartellrechtliche Risiken. Die kleinen Teams haben hier ein Schwert.“ Doch keiner traut sich, die Waffe zu ziehen.

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