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Motorsport-Kommentar : Die Macht der Konzerne in der Formel 1

  • -Aktualisiert am

Die Besitzer der Formel 1 wollen ein großes Spektakel, so wie hier beim Fan-Fest in Mailand: Ferrari-Pilot Raikkönen fährt mit seinem Boliden durch die Stadt. Bild: EPA

Der Besitzer der Motorsport-Königsklasse wünscht sich eine Dauerelektrisierung der Fans. Die Show muss stimmen. Angesichts dieser Vision von der Formel-1-Zukunft werden Wettbewerbspuristen blass.

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          In Monza schauen manche Herren und die wenigen Damen der besten Formel-1-Rennställe in diesen Tagen mit besonderem Interesse auf ihre Wetterapp. Oder unter freiem Himmel nach oben. Je nach Couleur ihrer Uniform werden schwer beladene, graue Wolken begrüßt oder verdammt: Silber wünscht sich Regen, Rot einen schönen blauen Himmel. So weit ist der Rennzirkus gekommen. Wer wissen will, wie die Chancen von Mercedes und Ferrari stehen vor dem Großen Preis von Italien an diesem Sonntag in Monza (15.10 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Formel 1 und bei RTL), muss das Wetter studieren.

          In der Lombardei scheint es gegenwärtig noch unentschieden, so wie das Wettrennen zwischen Lewis Hamilton und Sebastian Vettel um den WM-Titel nach 13 von 21 Grands Prix. Sechs Jahre ist es her, dass zwei Fahrer aus zwei Teams auf Augenhöhe kreisten. In der Heimat von Ferrari könnte es, je nach Laune der Natur, zur nächsten Wende kommen. Die Spannung wächst.

          Die Show muss stimmen

          Das reicht nicht. Zumindest wünscht sich der amerikanische Besitzer der Formel 1, Liberty Media, eine Dauerelektrisierung. Und nicht nur alle paar Jahre mal ein Duell auf Biegen oder Brechen unter den geschicktesten Kurvenkünstlern. Die Herren über den größten Teil der Vermarktungsrechte nehmen kein Blatt vor den Mund. Neulich haben sie in der „Bild am Sonntag“ wiederholt, was sie seit der Machtübernahme im Januar 2017 predigten: die „Verwandlung der Formel 1 von einem Rennen mit Autos in eine Show“.

          Mitunter erklären geneigte Kritiker des Kreisverkehrs selbstgewiss, die Formel 1 sei schon immer so gewesen. Eine Inszenierung. Dann wären das gegenseitig vorgeführte Misstrauen im Fahrerlager, die strenge Abschirmung der Boliden vor den Blicken der Konkurrenz, die akribischen Abhörprotokolle des Funkverkehrs und die Überwachungsprozesse einer Oscar-Sammlung würdig. Dabei gönnen sich die Teams nicht mal die Reifengummireste unter dem Chassis. Die erste Klasse des Motorsports steht für vieles, vor allem aber für unerbittliche Verdrängung.

          Wettbewerbspuristen werden angesichts der amerikanischen Vision von der Formel-1-Zukunft blass. Sie klingt nach Ausgleich, nach einer künstlichen Nivellierung, um das Spannungsmoment auf hohem Niveau zu halten. Liberty lässt längst erkennen, dass es seinen Einfluss auf allen Ebenen nutzen will. Zuletzt wirkte das Medienunternehmen bei dem Erhalt des insolventen Rennstalls Force India mit. Vorher versuchten die Geschäftsmänner, die Formel-1-Flucht des Star-Piloten Fernando Alonso zu verhindern und ihn bei einem starken Team unterzubringen. Die neuen Frontflügel für die Saison 2019 haben die Amerikaner zwar nicht selbst gebaut, aber die Konstruktion beeinflusst. Das Überholen soll leichter werden. Die Machtfülle der Amerikaner schließt nicht aus, dass sie eines Tages indirekt auch Einfluss auf die Regeln des Sports nehmen werden. So wie einst die Organisatoren der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft versuchten, mit Zusatzgewichten für Sieger den Verlierer bei Laune zu halten, Spannung zu produzieren. Prompt zog es die DTM in den Abgrund.

          Liberty lehnt solche Eingriffe ab. Noch. Die Besitzer werden sich auf ihre Wurzeln besinnen, falls die Fahrt nicht in die Gewinnzone führt: „Wir sind ein Medienunternehmen.“ Deshalb lebt die Formel 1 von einer Machtbalance. Ausgerechnet Autokonzerne sind dafür geeignet. Weil sie nicht verlieren können.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

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