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Der Reiz des Risikos : Die Formel 1 kann nicht aus ihrer Haut

Max Verstappen (Team Toro Rosso) im Regen von Suzuka Bild: AFP

Vor einem Jahr verunglückte Jules Bianchi in Suzuka. Jetzt ist die Formel 1 zurück – und schon wieder gibt es einen spektaktulären Crash. An der Einstellung der Fahrer wird das nicht viel ändern.

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          Es schüttete wie aus Kübeln am Freitag, das freie Training zum Großen Preis von Japan auf dem Suzuka International Racing Course war eine Geduldsübung für die Zuschauer. Als sie doch einmal die Formel-1-Piloten zu sehen bekamen, drehten Lewis Hamilton, Nico Rosberg, Sebastian Vettel und Kollegen ihre Runden mit aller Vorsicht – bei Aquaplaning heißt es: Fuß vom Gas, um den wertvollen Arbeitsplatz nicht am Freitag schon in Gefahr zu bringen.

          Am Sonntag, im Rennen (7 Uhr MESZ / Live bei RTL, auf Sky und im Formel-1-Ticker auf FAZ.NET) , wird es ganz anders aussehen, selbst wenn es, wie im vergangenen Jahr, wieder regnen sollte in Suzuka. Damals war Jules Bianchi verunglückt in der Dunlopkurve, hatte die Kontrolle über seinen Marussia verloren und war gegen einen Radlader gekracht, der in die Auslaufzone geschickt worden war, um den gestrandeten Rennwagen von Adrian Sutil zu bergen. Nach neun Monaten im Koma starb Bianchi am 17. Juli 2015.

          Drainagen gegen stehendes Wasser

          An diesem Wochenende wird kein Radladerfahrer in jener Kurve ausrücken müssen, in die Formel-1-Piloten mit Tempo 190 hineinschießen und schneller wieder herauskommen. Ein Bergekran wurde hinter den Fangzaun gebracht, wie an anderen Strecken der Formel 1 auch. Gegen stehendes Regenwasser wurden zwei Drainagen gelegt.

          Und als Konsequenz aus Bianchis Unglück werden die Fahrer längst mit dem sogenannten „Virtual Safety Car“ ferngesteuert gebremst – wohl wissend, dass Rennfahrer in Gefahrensituation wie im vergangenen Jahr, als noch doppelt geschwenkte Flaggen zum Abbremsen aufgefordert hatten, ihrem Instinkt folgen und über die Grenzen des Erlaubten hinausschießen, während sie die Grenzen des Möglichen ausloten. So, wie es Bianchi 2014 auf seiner verhängnisvollen Jagd um eine bessere Plazierung getan hatte. Diese drei Maßnahmen sind klare Verbesserungen gegenüber dem Vorjahr. Die Frage, warum sie nicht längst eingeführt waren, bleibt unbeantwortet.

          Glück im Unglück: Daniil Kwyat entstieg diesem Wrack unverletzt

          Aber schon am Freitag zeigte sich, wie schnell die Natur verbesserte Abflusssysteme überfordert; der tödliche Unfall des früheren Formel-1-Piloten Justin Wilson bei einem Indy-Car-Rennen in Pennsylvania vor vier Wochen bewies, dass die Gefahr durch umherfliegende Wrackteile nicht gebannt werden kann. Im Mai, als das virtuelle Safety Car erstmals in Monaco eingesetzt wurde, jammerten die Ersten schon Minuten nach Rennende, dass der Einsatz der Fernsteuerung überflüssig gewesen sei. Und selbst vor diesem Wochenende sprachen die Formel-1-Piloten wieder vom ganz besonderen Reiz der „Old-School-Strecke“ (O-Ton Vettel) von Suzuka. Daran wird auch der spektakuläre Unfall von Daniil Kwyat im Qualifikationstraining an diesem Samstag nicht viel ändern.

          Es ist ganz einfach: Die Formel 1 kann nicht aus ihrer Haut. Viele Kritiker lehnen sie grundsätzlich ab, auch weil dieser Sport Leib und Leben gefährdet. Aber ohne Bekenntnis zum Reiz der omnipräsenten Gefahr würden die Fahrer sich selbst verraten.

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