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Formel 1 : Die beste Ritterrüstung, die man sich vorstellen kann

  • -Aktualisiert am

Keine Überlebenschance: Jules Bianchis Unfall in Suzuki Bild: dpa

Der Tod von Bianchi war eine Verkettung unglücklicher Umstände. Die Chance, einen Unfall zu überleben, ist in keinem Fahrzeug der Welt so groß wie in einem Formel-1-Auto. Das gilt auch für den Grand Prix von Ungarn an diesem Sonntag (14 Uhr)

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          Für die Formel-1-Generation nach Michael Schumacher war es das erste Mal. Ein Kollege ist an den Folgen eines Rennunfalls gestorben. Am vergangenen Dienstag gab fast das komplette Fahrerfeld Jules Bianchi die letzte Ehre. Der 25-jährige Franzose war am 5. Oktober 2014 beim Großen Preis von Japan in Suzuka gegen einen Bergekran geprallt und hatte dabei so schwere Kopfverletzungen erlitten, dass er ins Koma fiel. Am 17. Juli starb Bianchi, ohne das Bewusstsein wiedererlangt zu haben. Nico Hülkenberg wird trotzdem beim Grand Prix von Ungarn an diesem Sonntag (14 Uhr/ live in RTL, Sky und F.A.Z.-Liveticker) nicht den Fuß vom Gas nehmen: „Wenn das Visier runterklappt, versuchst du, so schnell wie möglich zu fahren. Was Jules passiert ist, wirkt nur außerhalb des Cockpits nach. Es hat uns daran erinnert, dass Motorsport immer noch ein gefährlicher Sport ist.“

          Bianchi war der 33. Fahrer seit 1950, der in einem Formel-1-Auto ums Leben kam. Dass seit den tödlichen Unfällen von Ayrton Senna und Roland Ratzenberger im Jahr 1994 beim Grand Prix von San Marino in Imola keine weiteren Opfer zu beklagen waren, ist kein Zufall. Der Automobil-Weltverband (Fia) hatte danach eine beispiellose Sicherheitskampagne ins Leben gerufen. Mit dem Ergebnis, dass in keinem Fahrzeug der Welt die Chance, einen Unfall zu überleben, so groß ist wie in einem Formel-1-Auto. Daran ändert auch der Unfall von Jules Bianchi nichts. Zuletzt hatte sich am Freitag im Training in Ungarn Force-India-Pilot Sergio Perez überschlagen – ohne sich dabei zu verletzen.

          Jules Bianchi hingegen hatte keine Chance zu überleben, so wie der Zusammenprall des Marussia-Boliden mit dem Bergefahrzeug abgelaufen war. GPS-Messungen haben ergeben, dass Bianchi auf nasser Fahrbahn bei einer Geschwindigkeit von 213 Kilometern pro Stunde die Kontrolle über sein Fahrzeug verlor. Er war für die angezeigte Gefahrensituation viel zu schnell. 2,61 Sekunden später krachte das Auto mit Tempo 126 gegen das 6,8 Tonnen schwere Hindernis. Streckenposten waren gerade dabei, den havarierten Sauber von Adrian Sutil zu bergen. Der Marussia wurde beim Aufprall mit 58,8 g verzögert.

          Der Unfallschreiber ist immer dabei

          Ein hoher Wert, der aber nicht automatisch zu schweren Verletzungen führen muss. Die modernen Karbon-Chassis mit dem Nackenschutz im Cockpit sind die beste Ritterrüstung, die man sich vorstellen kann. Kimi Räikkönen kam mit Prellungen davon, als sich sein Ferrari im vergangenen Jahr in Silverstone bei Tempo 172 in eine Leitplanke bohrte. Der Ferrari wurde mit 54,9 g verzögert. Bianchis Pech war, dass er mit dem Kopf auf die Traktorrückwand prallte. Dabei registrierte einer der G-Sensoren in den Ohrenstöpseln eine Verzögerung, die dem 254-Fachen des Gewichts seines Kopfes entsprach. Er war genauso eine Verkettung unglücklicher Umstände wie die Feder, die Felipe Massa vor sechs Jahren am Hungaroring am Kopf traf. Massa zog sich bei dem Zusammenstoß des 833 Gramm schweren Teils bei Tempo 259 eine schwere Gehirnprellung zu.

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