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Formel 1 : Mehr Risiko und mehr Fehler

  • -Aktualisiert am

Kommt er ins Ziel? Sebastian Vettel in seinem Ferrari. Bild: AFP

Der Vorsprung der Silberpfeile zwingt Ferrari zu mehr Risiko – sorgt aber auch für Probleme. Sebastian Vettel bleibt jedoch zuversichtlich und schreibt den WM-Titel 2016 noch nicht ab.

          Für Sebastian Vettel wird es schon nach dem zweiten von 21 Grand Prix eng. Der Ferrari-Pilot schloss bereits ein Wochenende mit null Punkten ab. Beim Grand Prix von Bahrein schaffte es der Mercedes-Herausforderer zuletzt noch nicht einmal bis zur Startlinie. Auf der Hälfte der Formationsrunde lösten sich seine Hoffnungen in Rauch auf. Nach Aussagen von Ferrari war ein Auslassventil gebrochen und in den Zylinder gefallen. Schuld sei ein elektronisches Problem gewesen, das bei niedrigen Drehzahlen im achten Gang das Ventil am Kolben anschlagen ließ. „Kleine Ursache, große Wirkung“, resümiert Vettel. Die Antriebseinheit sei von ihrer Konstruktion her gesund.

          Wirklich? Kimi Räikkönen stieg beim Saisonauftakt in Australien vorzeitig aus, weil der Turbolader zu heiß gelaufen war. Öl entzündete sich in der Airbox und entfachte dort ein kleines Feuer. Auch dieses Gebrechen sei verstanden und aus der Welt geschafft, heißt es bei Ferrari. „Es waren zwei einmalige Schäden“, blickt Vettel zurück. „Wichtig ist, dass wir sie verstanden und behoben haben. Es wäre dumm, wenn der gleiche Fehler zwei Mal auftritt.“

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          Schon bei den Testfahrten hatte es bereits diverse Motorprobleme gegeben, die Ferrari damals noch standhaft leugnete. Tatsache ist, dass Ferrari und seine Kundenteams in der Nacht vor dem sechsten Testtag modifizierte Triebwerke bekamen. Und dass der amerikanische Rennstall HaasF1 zwei Testtage wegen Problemen im Motorumfeld verlor. Auch hier standen der Turbolader und der Ventiltrieb des Ferrari V6-Turbo im Mittelpunkt der Ermittlungen.

          Für Vettel ist der Ausfall von Bahrein doppelt bitter. Er verliert wichtige Punkte auf die Mercedes-Piloten Nico Rosberg und Lewis Hamilton, und er verliert eine Antriebseinheit. Eine von fünf, die jeder Fahrer bei den 21 Rennen einsetzen darf. Damit muss Vettel für den Rest der Saison praktisch mit vier Triebwerken über die Runden kommen. „Ich bin jetzt in der gleichen Situation wie vor einem Jahr“, sagt er.

          Von Mercedes sind Motorschäden nicht zu erwarten

          Das schränkt den Spielraum ein, wann Ferrari Motorentwicklungen einsetzen will. Vettel muss jetzt erst einmal fünf Grand Prix-Wochenenden mit der neuen Einheit überstehen, wenn er die Saison mit vier Motoren ohne Startplatzstrafen beenden will. Ferrari muss sein Timing für die nächste Ausbaustufe deshalb möglicherweise nach hinten legen.

          Von Mercedes sind Motorschäden nicht zu erwarten. Das 2016er Triebwerk überstand bei den Wintertestfahrten im Williams 3985 Kilometer. Mit Luft nach oben. Die Silberpfeile waren über 6000 Kilometer ohne gravierende Defekte unterwegs. Und wenn einmal eine Bremse zu heiß wird wie bei Rosberg in Melbourne, dann wissen sich die Titelverteidiger zu helfen.

          Der Fall wird nicht wieder eintreten. Mercedes hat die Bremsbelüftungen mit Teflon bestückt, damit dort kein Reifengummi mehr haften bleibt. Kleiner Trost für Ferrari: Auch Mercedes kommt nicht ganz ungeschoren davon. Lewis Hamilton muss an diesem Sonntag in Schanghai (Start: 8 Uhr) wegen eines unplanmäßigen Getriebewechsels fünf Startplätze zurück.

          Die größte Trumpfkarte der Silberpfeile ist ihr Vorsprung von ungefähr einer halben Sekunde pro Runde auf den Herausforderer. Das zwingt Ferrari zu mehr Risiko. Das Ziel war ehrgeizig. Ferrari wollte beim Motor den Rückstand auf den Mercedes-Sechszylinder in punkto Leistung, Benzinverbrauch und dem Energiemanagement egalisieren. „Wenn du versuchst große Schritte zu machen, können sich Fehler einschleichen“, räumt Vettel ein. „Wichtig ist, wie wir darauf reagieren. Wir sind auf die Schäden nicht stolz, aber es ist nichts, was mich umhaut.Ich weiß, was das Team kann. Und ich weiß, dass wir mit dem Auto deutlich mehr Entwicklungsspielraum haben als früher. Das Jahr ist noch lang.“

          Vettel sieht sich nicht als 10000-Meter-Läufer, der nach zwei Runden schon eine Runde Rückstand hat. „Das wäre in Bezug auf unsere Situation übertrieben. Ich glaube an die zweite Lunge. Es gibt noch keinen Grund zur Panik oder zur Besorgnis.“ Deshalb redet sich der viermalige Weltmeister auch ein, dass die Ansage von Firmenchef Sergio Marchionne immer noch realisierbar ist. „Ich haben den WM-Titel 2016 noch nicht abgeschrieben.“

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