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Formel 1 : Der Aufstieg des Teenagers Verstappen

Große Ähnlichkeit: Hier kreist Verstappen noch im Torro Rosso Bild: dpa

Max Verstappen ist angekommen: Er sitzt nach einer Rochade nun im Cockpit von Red Bull. Der Plan des 18-Jährigen ist aufgegangen. Doch jetzt muss er liefern – am besten sofort.

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          Der Vater ist zufrieden, das merkt man ihm an. „Max fährt jetzt für eines der drei Top-Teams in der Formel 1. Was könnten wir noch mehr wollen?“, fragt Jos Verstappen und will gar keine Antwort. Der Familien-Clan hat das nächste Etappenziel erreicht: Max Verstappen geht an diesem Wochenende beim Großen Preis von Spanien in Barcelona erstmals für Red Bull an den Start. Mit gerade einmal 18 Jahren. Nach lediglich 23 Grand Prix in der Königsklasse des Motorsports. „Als ich von der Entscheidung gehört habe, konnte ich drei Tage kaum schlafen“, erzählt der Junior. Der Aufstieg eines Teenagers ist bisher einmalig in diesem Sport – und das Ende noch nicht in Sicht.

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Donnerstagnachmittag am Circuit de Catalunya, die offizielle Pressekonferenz vor dem Rennen. Verstappen sitzt ganz links in der ersten Reihe, er hat die Schirmmütze tief ins Gesicht gezogen. „Ein Platz im Top-Team, das war immer mein Plan“, sagte er. Direkt neben ihm hockt Daniil Kwjat, der große Verlierer der vergangenen Wochen. Zwei Mal ist er beim Rennen in Sotschi ins Heck des Ferrari von Sebastian Vettel gefahren, musste sich danach heftige Kritik gefallen lassen und wurde schließlich von den Red-Bull-Verantwortlichen aus dem Spiel genommen.

          „Die Entscheidung war ein Schock für mich“, sagte Kwjat. Er lag auf dem Sofa und schaute die Serie „Game of Thrones“, als der Anruf kam. „Es gab keine richtige Erklärung für mich. Wenn die Bosse etwas wollen, dann machen sie es.“ Seine Startnummer 26 klebt nun am Toro Rosso, mit dem bisher Verstappen fuhr.

          Druck verlagert sich

          Will Kwjat nicht vollkommen abgehängt werden, muss er sich nun zumindest im Stallduell gegen Carlos Sainz junior durchsetzen. Der Druck ist also nicht weniger geworden, er hat sich nur verlagert. Helmut Marko ist der Mann, der hinter dem Fahrertausch steckt. Im Red-Bull-Motorsportuniversum ist er der entscheidende Mann, der Vertraute von Teambesitzer Dietrich Mateschitz. Marko redet langsam und leise, aber davon sollte sich niemand täuschen lassen. Der 73 Jahre alte Österreicher ist dafür bekannt, dass er auch vor harten Entscheidungen nicht zurück schreckt. Was zählt, ist Leistung. „Wir haben Kwjat nicht entfernt“, sagt Marko. „Er ist weiterhin bei uns im Kader. Toro Rosso ist ein gutes Mittelfeldteam.“

          Begehrt: Max Verstappen
          Begehrt: Max Verstappen : Bild: AP

          Der Russe kennt sich dort aus. Schon 2014 saß er im Talente-Team am Steuer, konnte sein Potential danach bei Red Bull nicht mehr nachweisen. Verstappen ist zweifellos das größere Versprechen auf eine größere Zukunft. Viele Experten im Fahrerlager sehen in ihm längst einen künftigen Weltmeister. Nach seiner Premierensaison 2015 bekam er gleich drei Auszeichnungen: Die Fahrerkommission machte ihn zum „Neuling des Jahres“, die Medien wählten ihn zur „Persönlichkeit des Jahres“, die Fans sahen in seinem Überholmanöver in Spa-Francorchamps gegen Felipe Nasr (Sauber) die „Aktion des Jahres“. Ohne Furcht und Schrecken war Verstappen in der Vollgas-Kurve Blanchimont außen am Brasilianer vorbei gezogen. Ein Manöver, das die Buben im Feld von den Männern trennt.

          Begehrt bei der Konkurrenz

          Sein Fahrgefühl, seine Unerschrockenheit und seine Analysefähigkeit machen ihn zu einem begehrten Mann. Schon in der Vergangenheit haben sich die Verantwortlichen von Mercedes und Ferrari immer wieder um Verstappen bemüht. Und das Interesse der beiden Branchengrößen hielt an. Der Fahrermarkt ist schließlich ständig in Bewegung, am Ende der Saison etwa laufen unter anderem die Verträge von Nico Rosberg und Kimi Räikkönen aus. Marko wusste davon. Und er hat reagiert. Nun sind die Verstappens erst einmal ruhig gestellt.

          „Red Bull hat Max die Chance gegeben, und das muss man mit Loyalität honorieren“, sagt Vater Jos. „Red Bull vermittelt uns ein beruhigendes Gefühl.“ Mit dem Wechsel ins A-Team hat sich nun offenbar auch der Vertrag von Verstappen verlängert. Er soll nun nicht mehr bis 2017, sondern bis 2018 datiert sein. Rund 700 000 Euro hat Jos Verstappen in die Karriere seines Sohnes investiert, ehe er ins Motorsportprogramm von Red Bull aufgenommen wurde. Trainiert wird seit Jahren auch Zuhause, in einem kleinen Simulator, auf dem alle Strecken des Grand-Prix-Kalenders nachgefahren werden können.

          Der echte Härtetest aber folgt erst. Daniel Ricciardo, sein neuer Teamkollege, ist einer der derzeit besten fünf Fahrer im Feld, der Australier konnte sich bei Red Bull schon gegen Vettel durchsetzen. Gegen ihn wird sich nun Verstappen behaupten müssen. Vom Toro Rosso mit Ferrari-Motor in einen Red Bull mit Renault-Antrieb – nur eine Woche blieb Verstappen Zeit, um sich mit seinem neuen Rennwagen vertraut zu machen. „Mitten in der Saison in einen neues Auto zu steigen, ist nicht so einfach. Aber ich hoffe, dass ich innerhalb von ein paar Wochen gute Ergebnisse vorweisen kann.“ Im Simulator in Milton Keynes hat Verstappen die ersten Runden gedreht, hat an der richtigen Abstimmung gearbeitet, seine neuen Ingenieure kennen gelernt. Und zwischendurch taucht er auch noch bei einer Charity-Veranstaltung von Red Bull in Breda auf und steuerte ein Begleitfahrzeug.

          An diesem Freitag darf er in seinem neuen Rennwagen erstmals auf der Piste Gas geben. Sein Vater wird genau hinschauen. Der Sohn soll es besser machen als er selbst. Nach 107 Starts und zwei Podiumsplätzen war Schluss für den einstigen Benetton-Teamkollegen von Michael Schumacher. Damit, so viel ist sicher, wird sich der Sohn nicht zufrieden geben.

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