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Crashtest – Formel-1-Kolumne : Eingesperrt und kleingedruckt

Mit einem Graffiti wird 2013 gegen die Ausrichtung des Formel-1-Rennens in Bahrein protestiert. Drei Jahre später hat sich in dem Land nicht viel geändert. Bild: AFP

Proteste? Verhaftungen? Folter? Die Menschenrechtslage hat sich in Bahrein nicht gebessert. Doch die Formel 1 lässt in dem Wüstenstaat die Motoren jaulen wie eh und je. Das ist gegen ihre Verpflichtung.

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          Die Formel 1 in Bahrein – war da was? Da war was. Vor fünf Jahren brannten in der Hauptstadt Manama, auf der Insel im Persischen Golf, die Reifen, aber nicht im übertragenen Sinne, an der Rennstrecke vor den Toren der Stadt. Sondern in den Straßen, in denen die schiitische Bevölkerungsmehrheit gegen das herrschende sunnitische Königshaus demonstrierte, für ihre Rechte, für mehr Demokratie. Die Autoritäten reagierten autoritär – Demonstranten wurden erschossen, verhaftet, gefoltert, mundtot gemacht. Das Rennen wurde abgesagt.

          2012 und 2013 wurde wieder mit Schrot und Tränengas gefeuert, ein Demonstrant starb, aber das Rennen fand statt. Wie jedes Jahr seither, auch an diesem Wochenende. Und blickt man auf die Formel-1-Teams, wirkt es, als wäre der Auftritt bei König Hamad bin Isa al Chalifa inzwischen wie jeder andere. Bei Williams zum Beispiel twittern sie, dass die Autos auf heimischem Untergrund unterwegs sein werden, schließlich hat der Kurs im Sand ein Fundament aus englischem Sandstein. Proteste? Verhaftungen? Folter? Kommen für die Teams ebenso wenig vor wie für die britische Marine, die im Hafen von Manama gerade einen neuen Stützpunkt baut und bahreinische Soldaten trainiert.

          Keinen Deut gebessert

          Proteste, Verhaftungen, Folter gibt es aber bis heute, die Menschenrechtslage hat sich keinen Deut gebessert. Zum Beispiel nicht für Zainab al Chawadscha, die 2014 zu drei Jahren Haft verurteilt wurde, unter anderem, weil sie ein Bild des Königs zerrissen hatte. Am 14. März, vor nicht mal drei Wochen, wurde die Strafe vollstreckt. Aus Zelle 19 des neuen Frauengefängnisses von Isa Town, wo sie mit ihrem einjährigen Sohn einsitzt, schrieb sie vergangenes Wochenende einen offenen Brief, der im „Independent“ erschien.

          „Statt Probleme zu lösen“, schreibt Zainab al Chawadscha, „baut die Regierung größere Gefängnisse, besser aussehende Gefängnisse. Der Welt werden die Städte und Einkaufszentren gezeigt. (...) Das Metall der Gitterstäbe wird so lange poliert, bis derjenige, der sie anschaut, zu geblendet ist, um dahinter zu schauen.“ Sie lade die Welt ein, schreibt Zainab al Chawadscha, deren Vater Abdulhadi, einer der Anführer der Demonstrationen von 2011, zu lebenslänglicher Haft verurteilt ist, hinter die Gitterstäbe zu schauen.

          Genau dazu hatte sich die Formel1 verpflichtet, als sie vergangenes Jahr eine Menschenrechtsklausel in ihre Geschäftsbedingungen aufnahm, vor allem, weil die bahreinischen Menschenrechtler so hartnäckig geblieben waren. Darin verpflichtet sich die Formel 1 zur sorgfältigen Prüfung des Einflusses des eigenen Geschäfts auf die Menschenrechtslage, verspricht „praktische Lösungen“, sollten heikle Punkte auftauchen. Schon das Schicksal Zainab al Chawadschas müsste also ins Auge springen wie eine rote Startampel. Warum wohl wird eine junge, Englisch sprechende, digital vernetzte Frau keine drei Wochen vor dem Rennen eingekerkert?

          Die Formel 1 aber lässt in Bahrein die Motoren jaulen wie eh und je: Der König zahlt die Startgebühr, mindestens 30, vielleicht auch 40 Millionen Dollar, im Gegenzug wird die Menschenrechtsklausel im Kleingedruckten großzügig übersehen. In ein paar Monaten wird sich das Spiel wiederholen. Dann startet die Formel 1 erstmals in Aserbaidschan. Und wieder wird keiner freiwillig von politischen Gefangenen sprechen. Mit ihnen erst recht nicht. Wetten, dass?

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