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Crashtest - Formel-1-Kolumne : Sonnenbrille runter

  • -Aktualisiert am

Formel-1-Pilot Sergio Perez lässt sich auch ohne Sonnenbrille nicht blenden Bild: AFP

Der Mexikaner Sergio Perez ist in seinem Nationalstolz getroffen und verzichtet auf Geld. Er kündigt einen Sponsorendeal. Gut, dass Formel-1-Chef Bernie Ecclestone keinen Betonhandel führt.

          2 Min.

          Die Formel 1 liebt die politischen Spielchen. Aber dabei geht es nicht um Menschenrechte, um Sozialleistungen oder Arbeitszeitbeschränkungen, sondern um Machterhalt, Positionsverbesserungen, Millionen-Verträge, um ein möglichst großes Stück vom Kuchen. Sergio Perez hat in diesen Tagen etwas von seinem fallen lassen. Das ist ungewöhnlich in der Szene. Und auch nicht typisch für den Mexikaner mit dem Spitznamen Checo.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Mitglieder seiner ehemaligen Teams betrachten ihn nicht als besondere Ausnahme im Ego-Zocker-Klub. Aber Perez hatte einen lichten Moment, als er, den Fuß auf brasilianisches Territorium setzend, in sein Handy schaute. Da  verdüsterte sich seine Miene. Der Ärger stand ihm auch im Fahrerlager von Sao Paulo vor dem Großen Preis von Brasilien am Sonntag (17 Uhr MESZ/Sky und F.A.Z.-Liveticker) noch ins Gesicht geschrieben. Eine Sonnenbrille trug er zu diesem Zeitpunkt nicht.

          Getroffener Nationalstolz

          Auf die Produkte eines Herstellers (Hawker) verzichtet der Südamerikaner dankend. Und damit auf den jüngst geschlossenen Sponsorenvertrag mit dem Unternehmen. Weil ein Mitarbeiter des Ausrüsters vor lauter Blendung -   wo war eigentlich die Brille? -  den Nationalstolz von Perez traf: „Mexikaner“, hatte der  Brillen-Mensch geschwätzig und schnell  just nach dem Sieg von Donald Trump getwittert, „zieht die Brillen an, damit man eure verheulten Augen nicht sieht, wenn die Mauer gebaut wird.“

          Ob nach Trumps Ankündigung im Wahlkampf jemals eine kommen wird, ist Perez ziemlich egal. Mexiko werde so oder so überleben, Mexiko sei stark trotz der schwierigen Zeit. Und eines sei unverrückbar: „Ich erlaube niemanden, Witze über meine Heimat zu machen. Erst kommt mein Land, dann kommen meine Leute.“

          Brillen werden wohl eingestampft

          Die angelaufene Produktion Perez-Brillen, 20.000 waren geplant, wird wohl eingestampft werden müssen. Nur weil der Twitter-Meister aus dem Brillenladen in der Aufregung über Trumps Erfolg für einen Moment den Durchblick verloren hatte. Die eilig nachgetragene Bitte um Entschuldigung des Unternehmens reicht nicht zur Umkehr. Perez lässt sich nicht erweichen. Er ist mit seiner konsequenten Haltung deshalb jetzt etwas aus seinem Force-India-Cockpit hinausgewachsen. Siehe da, es geht doch nicht nur um Sekundenbruchteile und Motoren-Kennfelder.

          Pat Symonds, der 63 Jahre alte Haudegen der Szene, Technikchef von Williams, freut sich nach mehr als 34 Jahren in der Formel 1 über jeden Fahrer, der sein Herz auf der Zunge trägt und drohende Nachteile verachtet. Die Formel 1 brauche mehr Typen mit Charisma, Haltung und Humor, sagt er. Also Fahrer wie den Patrioten Perez, den im Boxenfunk über  Kollegen und Rennleitung fluchenden Vettel, den aufmüpfigen, frechen wie frühreifen Verstappen alias Kamikaze-Max: „Great.“ 

          Kaum hatte er das gesagt, spazierte Chefmanager Bernie Ecclestone, 86 Jahre alt,  durch das Fahrerlager, blieb kurz stehen, reinigte seine Brille und nickte freundlich einer Gruppe Smalltalker zu, die gerade die Perez-Geschichte diskutiert hatte.  „Wenn Bernie einen Betonhandel hätte“, rief ein Mitglied eines starken Teams in die zufällige Gesprächsrunde, „dann würde er wohl Trump einen Deal anbieten.“

          Anno Hecker und Michael Wittershagen folgen in ihrer Kolumne „Crashtest“ dem schnellsten Kreisverkehr der Welt auf den Formel-1-Rennstrecken und abseits der Boxengassen.

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