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Crashtest-Formel-1-Kolumne : In Lichtgeschwindigkeit – oder noch viel schneller!

Immer mit der Ruhe: Vettel und Ferrari müssen Geduld beweisen Bild: Reuters

Während sich Vettel und Ferrari abmühen, auf Mercedes aufzuholen, sollte der Chef von Fiat-Chrysler Nachhilfe bei seinen Ingenieuren nehmen. Denn der Kampf an die Spitze in der Formel 1 ist hart. Das macht die Story aber nur noch schöner.

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          Mit den Italienern ist das ja so eine Sache. Liebe und Leidenschaft, Sie wissen schon. All die Emotionen heizen mitunter auch den Verstand ganz schön auf. Und zu viel Hitze führt dann manchmal zur Explosion. Oder zu wilden Phantasien. Wie dieser zum Beispiel: „Ich denke, wir verdienen den WM-Titel.“ Gesprochen hat diesen Satz Sergio Marchionne, der Fiat-Chrysler-Chef. „Wir haben es nicht verdient, weil wir schlauer wären“, sagte Italiener weiter: „Es wäre einfach der Lohn der Arbeit, die wir geleistet haben.“ Wenn das Geschäft in der Formel 1 nur so einfach wäre.

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Aber das ist es echt nicht. Einer hat das längst erkannt und versucht nun die italienischen Gemüter zu beruhigen: Sebastian Vettel, vier Mal Weltmeister mit Red Bull, und nun der Antriebsstrang von Ferrari. Der Deutsche unternimmt alles, um ja keine Panik aufkommen zu lassen in Bella Italia, stellt sich schützend vor das Team, mahnt zur Ruhe und Geduld. Aber was sind schon Ruhe und Geduld gegen passione e potenza?

          Der lange Weg zum Titel

          Dabei sind Zahlen vor dem Großen Preis von Barcelona an diesem Sonntag (Start: 14 Uhr / Live bei RTL, Sky und im Formel-1-Ticker auf FAZ.NET) abermals enttäuschend: In der Gesamtwertung liegt Sebastian Vettel bei 33 Punkten, Teamkollege Kimi Räikkönen hat immerhin schon 43 Punkte gesammelt. Macht zusammen 76 Punkte und damit: 24 weniger als der WM-Führende Nico Rosberg im Mercedes.

          Vettel wusste, dass der Weg zum Titel im Ferrari ein langer sein würde. Aber er ist diesen Weg bewusst gegangen, weil er Herausforderungen liebt, weil er an ihnen stetig gewachsen ist und noch größer werden will. Vettel weiß genau, dass er mit jedem Erfolg im roten Gewand eingehen wird in die Geschichte von Ferrari – und damit in jene der Formel 1. Das ist mehr als er als Angestellter von Brausemogul Red Bull je hätte erreichen können. Dass der Kampf an die Spitze derart hart ist, macht die Story nur noch schöner – ein Happy End einmal vorausgesetzt.

          Bei Red Bull hat Vettel das Siegen gelernt. Er hat erlebt, dass in der Formel 1 nichts von jetzt auf gleich passiert. Und dass nichts selbstverständlich ist – Ferrari hin, Ferrari her. Jede Entwicklung braucht seine Zeit – da kann Marchionne noch so sehr fordern, den Rückstand auf Mercedes „in Lichtgeschwindigkeit“ zu schließen. In Lichtgeschwindigkeit? Marchionne sollte schleunigst ein paar Nachhilfestunden bei seinen Ingenieuren nehmen und ihnen auch wirklich zuhören.

          Ein wenig Nachhilfe? Sergio Marchionne hielt sich zuletzt nicht mit Äußerungen zurück.

          Dabei hat Ferrari durchaus einen Schritt nach vorne gemacht. Um rund 1,8 Sekunden pro Runde haben sie ihren Boliden im Vergleich zum vergangenen Jahr beschleunigt – das ist enorm. Dumm nur, dass auch der Mercedes um etwa 1,7 Sekunden schneller geworden ist. So beträgt der Rückstand pro Runde nicht mehr 0,8 Sekunden, sondern nur noch 0,7 Sekunden. In der Formel 1 ist das eine Welt. Aber immerhin haben die Italiener den Druck so groß werden lassen, dass sich beim Weltmeister-Team technische Fehler einschleichen. Die Silberpfeile sind anfälliger als in den beiden vergangenen Jahren.

          Auch deshalb hat Vettel noch nicht aufgegeben, zumal nicht einmal ein Fünftel dieser Saison gefahren ist. Nur das italienische Temperament sollte nicht mit Marchionne und Ferrari durchgehen. Denn Panik verursacht Druck, und Druck führt zu Fehlern. Ferrari ist für solche Situationen nicht geschaffen. Das hat schon Michael Schumacher gewusst und zumindest nach außen Ruhe ausgestrahlt, wo er nur konnte. Vettel wandelt auf seinen Spuren. Der Ausgang seiner Geschichte ist noch ungewiss.

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