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Formel-1-Kolumne „Crashtest“ : Der Schumacher-Effekt ist längst verpufft

Festtage am Hockenheimring: Michael Schumacher begeisterte vor allem im Ferrari die Massen Bild: Reuters

Die Formel 1 kehrt nach Deutschland zurück. Eine große Nummer ist der Grand Prix aber schon länger nicht mehr – zumindest für die Deutschen. Aus zwei Nachbarländern reisen indes Fanmassen an.

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          Die Ersten haben ihre Zelte längst aufgestellt. Und trotzdem ist auf den Wiesen rund um die Rennstrecke in Hockenheim noch sehr viel  Platz. Etwa 50.000 Tickets haben die Veranstalter bisher für den Großen Preis von Deutschland an diesem Sonntag (14 Uhr/live in RTL, Sky und F.A.Z.-Liveticker) verkauft, sie hoffen noch darauf, dass letztlich 60.000 Fans auf den Rängen sitzen, wenn hierzulande erstmals seit 2014 wieder Formel-1-Motoren brüllen werden. Ein kleiner Gewinn dürfte den Hockenheimern also bleiben, und trotzdem tränen ihnen vermutlich die Augen, wenn sie daran denken, dass einst mehr als 100.000 Zuschauer kamen, um Michael Schumacher zu sehen.

          Die goldenen Zeiten: Michael Schumacher sorgt für Trubel am Hockenheimring
          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Der Mann aus Kerpen hat die Formel 1 in Deutschland zu dem gemacht, was sie einmal war: eine richtig große Nummer. Die Rennstreckenbetreiber am Hockenheimring und am Nürburgring rieben sich die Hände ob des riesigen Interesses am Vollgaszirkus, denn die Fans konnten einfach nicht genug bekommen. Und so wurde hierzulande zeitweise nicht mehr nur der Große Preis von Deutschland ausgetragen, sondern auch noch der Große Preis von Luxemburg und der Große Preis von Europa. Es waren Folgen des Schumacher-Effekts - vergleichbar mit dem Becker-Effekt, der den Tennissport hierzulande in den achtziger und neunziger Jahren zu einer bis dato nie dagewesenen Popularität verholfen hatte.

          Auch die Dominanz von Mercedes trägt zur Langeweile und zum Desinteresse der Zuschauer bei.

          Und heute? Nichts Neues, sagen die, die es schlecht meinen. Aber natürlich haben sie recht. Mercedes dominiert den Sport seit Jahren, Lewis Hamilton und Nico Rosberg machen auch diese Weltmeisterschaft wieder unter sich aus; Sebastian Vettel kommt zwar erstmals in einem Ferrari zum Deutschland-Grand-Prix – aber er ist eben nach Schumacher nur der Zweite, der in Rot nach dem ganz Großem strebt. Einen Vettel-Effekt gibt es deshalb bisher nicht.

          Dafür eine andere Reisewelle: Denn wer derzeit auf der Autobahn in Richtung Hockenheim unterwegs ist, sieht erstaunlich viele Belgier und Niederländer. Das ist der Verstappen-Effekt. Denn der Achtzehnjährige, in Belgien geborener Niederländer, mischt derzeit in seinem Red Bull die Branche gehörig auf. Verstappen ist jung und mutig, und er macht neugierig, denn niemand kann sich vor einem Rennen noch sicher sein, dass er nichts verpasst, wenn er nicht einschaltet.

          Auslöser einer Reisewelle: Max Verstappen

          Wer dabei ist, hat etwas zu erzählen – das könnte also die Botschaft sein. Und dann kommt der Zuschauer auch wieder, ganz bestimmt. Aber wohin? Im kommenden Jahr soll der Große Preis von Deutschland auf dem Nürburgring ausgetragen werden. Ob er allerdings wirklich stattfindet, steht weiter in den Sternen. Hockenheim würde einspringen, das haben die Organisatoren mehrmals betont – und eine Bedingung formuliert: Es dürfe kein finanzielles Risiko bestehen. Aber das gibt es immer in der Formel 1. Die Verlockungen müssen so groß sein, dass es keine Rolle mehr spielt.

          Crashtest - Die Formel-1-Kolumne: Anno Hecker, Christoph Becker und Michael Wittershagen folgen in ihrer Kolumne dem schnellsten Kreisverkehr der Welt auf den Formel-1-Rennstrecken und abseits der Boxengassen.

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