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Crashtest – Formel-1-Kolumne : Sommerurlaub mit Rihanna

Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton hat seinen Sommerurlaub genossen. Bild: dpa

Nico Rosberg wirkt bei Mercedes wie ein braver Konzernsprecher. Lewis Hamilton dagegen verbrachte die Formel-1-Pause mit halbnackten Schönheiten und dicker Zigarre. Er kann es sich erlauben.

          2 Min.

          Natürlich erinnert er sich noch an das vergangene Jahr in Spa-Francorchamps, an das Rennen, das so etwas wie den Krieg der Sterne auslöste. Die zweite Runde: Im Streckenabschnitt Kemmel schob Nico Rosberg seinen Silberpfeil neben den von Lewis Hamilton, in der Rechts-Links-Kombination Les Combes kam es schließlich zum großen Crash.

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Rennwagen berührten sich, Rosbergs Frontflügel schlitzte den Hinterreifen von Hamilton auf – und aus vermeintlichen Freunden wurden von einem auf den anderen Moment erbitterte Rivalen. „Ich habe einen Fehler gemacht, den ich nicht mehr machen würde“, sagt Rosberg heute.

          Ein Jahr danach scheinen die Fronten geklärt. Hamilton hat sich in der vergangenen Saison den WM-Titel gesichert und führt das Klassement bereits wieder an: 21 Punkte trennen ihn von Rosberg, 42 von Sebastian Vettel (Ferrari). Auch in den Kategorien Saisonsiege (fünf für Hamilton, drei für Rosberg und  zwei für Vettel) und Pole Positions (9/1/0) liegt Hamilton deutlich vor seinen letzten verbliebenen Rivalen.

          Entsprechend locker präsentierte sich der Dreißigjährige in seinem Sommerurlaub. Dort ein Foto mit Popstar Rihanna auf Barbados, da ein Bild mit einer halbnackten südamerikanischen Schönheit, hier eine Aufnahme mit einem vermutlich nicht alkoholfreien Getränk in der Hand und einer dicken Zigarre im Mund.

          Positively preposterous behaviour I say!! #0FucksGiven #daggeringboss #BarbadosCropOver

          Ein von Lewis Hamilton (@lewishamilton) gepostetes Foto am



          Das Ganze ging so weit, dass sogar Mercedes-Teamchef Toto Wolff vom Fachmagazin „Autosport“ gefragt wurde, was er vom ausschweifenden Leben seines Chefpiloten halte. Kommentar: „Wenn er es genießt zu reisen und sich zu amüsieren, dann sollte er das tun.“ Und weiter: „Ich würde auch nicht wollen, dass mir jemand vorschreibt, was ich in meiner Freizeit anstellen soll.“

          Inwieweit die ganz spezielle Vorbereitung die Leistung von Hamilton auf der Strecke beeinflusst, kann alle Welt an diesen Wochenende in Spa (Rennen am Sonntag 14.00 Uhr / Live bei RTL, Sky und im Formel-1-Ticker bei FAZ.NET) beobachten. Inwiefern die Selbstvermarktung des Markenbotschafters Hamilton auf seinen Twitter-, Instagram- und Facebook-Kanälen zum Markenimage von Mercedes passt, müssen die Verantwortlichen selbst beurteilen.

          Duell der Teamkollegen mit Blechschaden: Rosberg (rechts) fährt Hamilton in den Wagen

          Bei seinem zweiten Fahrer muss sich Wolff diesbezüglich ohnehin keine Gedanken machen. Rosberg wirkt schon lange wie ein rasender Konzernsprecher: ohne Ecken, ohne Kanten, immer einen netten Satz für den Arbeitgeber und dessen Partner im Repertoire. Das Rennen in Spa-Francorchamps 2014 war eine Ausnahme. Und es war eine Chance. Eine, dem versammelten Publikum zu zeigen, dass mehr in ihm steckt als nur ein guter aber braver Fahrer. Rosberg ist auf Angriff gegangen – und hat sich danach auf Druck von Mercedes dafür entschuldigt.

          Das ist anständig. Deutsche Weltmeister wie Michael Schumacher und Sebastian Vettel aber haben das nie getan. In der Öffentlichkeit hat ihnen das allzu oft Kritik für ihre Manöver eingebracht, unter den Kollegen aber war Respekt die Währung. Rosberg hat seine Möglichkeit gehabt. Er hat vieles versucht. Aber Hamilton weiß inzwischen ganz genau, dass der andere im entscheidenden Moment vermutlich zurückziehen würde. Ein zweites Spa kann sich Rosberg intern nicht leisten. Dabei würde es ihm richtig gut tun.

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