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Crashtest : Pirellis Drucksituation

Ein Stapel voller Probleme? Die Reifendiskussion ist in der Formel 1 neu entbrannt Bild: AP

Nach dem Reifenschaden an Vettels Ferrari war der Ärger groß. Nun hat der Hersteller seinen eigenen Produkte geprüft und für unbedenklich erklärt. Doch nicht alle Fahrer glauben an Pirellis Erkenntnisse.

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          Ist die Luft raus? Elf Tag nach dem gefährlichen Reifenschaden am Ferrari von Sebastian Vettel kurz vor Ende des  Großen Preises von Belgien hat der  Internationale Automobil-Verband (FIA) dem Pneu-Lieferanten Pirelli pünktlich zum Rennen in Monza eine Ergebenheitsadresse formuliert: Man sei zufrieden mit Untersuchungen und Konsequenzen nach dem Knall in Belgien. Vettel hatte dort nicht nur Rang drei verloren in der vorletzten Runde, nicht nur seine vage Hoffnung, in den WM-Kampf der Mercedes-Piloten noch eingreifen zu können, sondern auch die im Zirkus übliche Zurückhaltung auf offener Bühne: Wütend kritisierte der viermalige Weltmeister mit Blick auf die Gefährdung von Leib und Leben Pirelli. Die Haftung des Reifens darf nachlassen, aber er darf sich nicht plötzlich in alle Bestandteile auflösen – bei Tempo 315.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Am Donnerstag berichtete Pirelli von der  Prüfung – der eigenen Produkte durch sich selbst. Schrieb, dass es keine Strukturprobleme mit den Reifen gegeben habe und berichtete von außergewöhnlich vielen Schnitten (63) in den Pneus der Konkurrenten, verursacht von vielen Trümmerteilchen, kleinen, scharfen  Karbonstückchen nach Unfällen anderer Rennserien vor dem Formel-1-Rennen in den Ardennen.

          Nun wird kräftig gekehrt in diesen Tagen, und zwar nicht nur mit Besenwagen auf der Hochgeschwindigkeitspiste im königlichen Park von Monza. Heikle Themen sind diskret zu klären im Fahrerlager. Da glaubt man gerne an das Einsetzen der politischen Maschinerie, an die Feinabstimmung der inneritalienischen Konstellation Ferrari, Monza und Pirelli. Und ja, auch an Maulkörbe.

          So darf ein Reifen nicht vom Rad fliegen: Vettels Plattfuß von Spa hat Folgen

          Wenn doch der Reifenhersteller auch in Zukunft das wichtigste Bindeglied zwischen Auto und Strecke stellen will. Reifen, Tipps, wie man sie am besten behandelt, entscheiden über Siege wie  Niederlagen – und manchmal auch über Leben. Doch selbst wenn es Sprachregelungen gegeben haben sollte: Vettel brauchte nach einer verhaltenen Positionsbestätigung am Donnerstag nicht lange, um wieder zum Kern zurückzukommen: Das eben nicht alles geklärt ist.

          Der feine Unterschied zwischen Theorien und Fakten

          Mit dieser freien Übersetzung der FIA/Pirelli-Statements stand er nicht allein. Die Kollegen Nico Hülkenberg (Force India) und besonders Felipe Massa (Williams) sprangen zur Seite, Mercedes-Pilot Nico Rosberg zögert nicht, Pirellis Erkenntnis in seinem Fall (Reifenschaden beim Training in Spa) eine „Theorie“ zu nennen und fein säuberlich zu trennen von dem, was relevant für Piloten ist, die in Monza mit voraussichtlich 340 auf die erste Schikane zufliegen werden: „Fakten“.

          Vorarbeiten in Monza: Der Reifendruck muss von alle Teams angehoben werden

          Fakten hat Pirelli dann doch geschaffen. Der Reifendruck muss - so der Stand am Donnerstag-Nachmittag - von alle Teams angehoben, der Sturz gesenkt werden.  Das ist ein Indiz dafür, wie schwer es selbst den Gummi-Experten fällt, die Ursachen der Reifenpannen  von Spa nach zehn Tagen intensiven Studien hieb und stichfest zu begründen. 

          Pirelli geht also auf Nummer sicher und wird sich damit Nachfragen von Rennställen einhandeln, die wegen der veränderten Einsatzbedingungen um ihre Wettbewerbsfähigkeit fürchten. Es kann nur einen Grund geben, warum der Hersteller den nächsten Ärger riskiert. Er weiß zumindest im Fall von Vettel und Rosberg nicht wirklich, was passiert ist. „Das“, sagt der Mercedes-Mann beim Gedanken an seinen völlig zerfetzten Reifen, „weiß niemand.“ 

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