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Crashtest – Formel-1-Kolumne : Und was nehmen Rennfahrer?

  • -Aktualisiert am

Doping bringt nicht viel in der Formel 1, findet zumindest Lewis Hamilton. Bild: AFP

Doping in der Formel 1? Blutpanscherei scheint den Piloten fremd zu sein. Kein Wunder. In ihren Adern fließt ja auch Benzin. Dafür schauen die Kontrolleure woanders ganz genau hin.

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          Früher konnte man es Athleten ansehen, wenn sie gewaltig dopten. Aber damals wollte niemand genau hinschauen. Heute ist das schwerer, weil niemand mehr als Mister Universum mit Muskelbäuchen am Oberarm herumläuft so groß wie Handbälle. Und das Gelbe in den Augen als Hinweis für den Anabolika-Einwurf ist auch verschwunden. Die Trickser nehmen weniger Stoff mit weniger Nebenwirkungen. Jetzt, da alle Welt mit der Lupe hinschaut, ist Früherkennung Vergangenheit. Aber so ein Schmalhans kann es schon faustdick hinter oder, genauer lokalisiert, zwischen den Ohren haben: nämlich Doping fürs Hirn.

          Wenn über Siege im Kopf entschieden wird, dann sind präzise Schaltvorgänge bei langen Beanspruchungen wohl Gold wert. Insofern sollte Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton vorsichtig sein mit seiner jüngsten Behauptung, „Doping“ bringe nicht viel in seinem Metier. Wem nach fast zwei Stunden im Kreisel von Monaco schwindelig wird, der wirft eine Million Euro auf Rädern in die Leitplanke, mal ganz abgesehen von den Folgekosten für einen jungen Piloten, der um seine Existenz fährt.

          Ein Schluck aus der Doping-Pulle würde schnell bringen, was Chirurgen in den Vereinigten Staaten genossen haben - angeblich zum Wohle des Patienten bei der OP am offenen Brustkorb: einen Aufmerksamkeitsschub und sogar eine Verbesserung der Koordination. Und dieser Verlockung soll im Millionengeschäft Formel 1 kaum jemand verfallen?

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          Über die Verbreitung von Aufputschmitteln in der Langstrecken-Szene und etwa bei der Rallye Paris-Dakar gibt es eine Reihe (unaufgeschriebener) Storys, erzählt von „Nutznießern“. Zeugen ließen auch nicht unerwähnt, einst von einem deutschen Olympiaarzt mit Infusionen versorgt worden zu sein, der wegen Dopings abtreten musste. Trotzdem ist Hamilton kein Geschichtenerzähler. Das Basiswissen der Formel-1-Fahrer zum Thema Doping und Kontrollen ist vergleichsweise kümmerlich.

          „Wie, die können zu mir nach Hause kommen?“, fragte vor nicht allzu langer Zeit ein Champion, der sich nicht vorstellen konnte, Urinprobensammler in sein Haus lassen zu müssen. Die Ahnungslosigkeit ist zwar kein Beweis, aber zumindest ein Hinweis für eine allenfalls schwach ausgebildete Doping-Kultur in der Formel 1. Blutpanschereien sind den Herren angeblich fremd. Das ist kein Wunder. In ihren Adern fließt ja auch Benzin. Dass es ständig überprüft wird auf verbotene Substanzen, hat Max Mosley als Präsident des Internationalen Automobilverbandes durchgesetzt. Er wusste, wo man nach Doping suchen muss: im Auto.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

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