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Formel-1-Kolumne Crashtest : Finger weg vom Lenkrad!

Die Zukunft: Das autonome Auto braucht keinen Formel-1-Piloten mehr Bild: AFP

Das selbstfahrende Auto ist das Thema dieser Tage bei der Internationalen Automobil-Ausstellung. Das ist das Gegenteil dessen, was der Motorsportfan will. Die Formel 1 droht schon jetzt, den Reiz des Scheiterns zu verlieren.

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          Niemand muss Mercedes fahren, hat Mercedes am Donnerstag in einer aufwendigen Werbe-Broschüre erklärt. Das sehen die Formel-1-Piloten ganz anders. Abgesehen von zweien, nämlich den Mercedespiloten Hamilton und Rosberg, glauben sie, mit dem Silberpfeil ginge alles von allein. Bestzeiten, Siege, Titel – die Maschine als Erfolgsgarantie oder wie jetzt das neue Zauberwort unter den Automobilkonstrukteuren heißt: der Selbstfahrer.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Total unabhängig, „Wachsamer als jeder Mensch“ mit der Fähigkeit, Zeit zu machen, wie es uns die Werbeagentur vom Daimler erklärt: „Fahren Sie los – lassen sie los.“

          Scheitern ist Teil der Faszination

          Ja, das ist genau das Gegenteil von dem, was die Formel 1 interessant gemacht hat. Und worauf sie immer wieder sehnsüchtig zurückgreift, wenn die Fernsteuerungen der Moderne im Zentrum der Boliden Platz nimmt, dort, wo der Fahrer hockt: Spitzenpiloten mit unglaublichen Reaktionszeiten, mit atemraubendem Fahrgefühl, mit großem Mut und der wunderbaren Illusion im Kopf, ein einziges Mal über eine Runde fehlerlos zu bleiben. Ihr hohes Risiko zu Scheitern ist Teil der Faszination.

          Das Interesse der Industrie an der Formel 1 wird dieses Spiel abwürgen. Sie fährt mit, weil der Rennzirkus nach wie vor die beste Werbeplattform für ein Automobil-Unternehmen ist, das sich weltweit präsentieren will. Zur internen Rechtfertigung der Investition sind Konzerne dazu übergegangen, die Formel 1 als Versuchsfeld neuer Technologien darzustellen.

          Deshalb ist es zu einer kuriosen Benzinsparsause gekommen. Nur nicht zu schnell fahren, junger Mann! Angesichts ihrer teils aus Gier und Erfolgssucht der Teams verursachten wirtschaftlichen Krise driftet die Formel 1 immer mehr in die Abhängigkeit von Geldgebern, denen die Kunst des Autofahrens nicht mehr am Herzen liegen kann. Die unaufhaltbare Einführung des Selbstfahr-Systems wird den Druck erhöhen, auch in der Formel 1 den Menschen von der Maschine abzukoppeln. Statt zu lenken wird er nur noch überwachen. In Ansätzen hat die Formel 1 den Verlust ihrer Seele schon durchgemacht und sich gewehrt, etwa mit der Abschaffung automatischer Startsysteme.

          Das wird ihr auf Dauer aber nur gelingen, wenn sie sich frei macht vom Zugriff der Industrie. Der Preis dafür ist hoch: weniger Geld und der Ruf, alles noch selbst machen zu müssen. Aber das könnte der Reiz sein. Etwas am Limit zu beherrschen, was bald nur noch Computer können.

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