https://www.faz.net/-gu4-8m47b

Crashtest – Formel-1-Kolumne : Hamiltons Hasenohren

  • -Aktualisiert am

Umgekehrte Verhältnisse: Lewis Hamilton macht Fotos. Bild: AFP

Die Formel-1-Gestalter überlegen, die Fahrerbelehrung vor den Rennen zu übertragen. Die Idee ist auf den ersten Blick nicht so schlecht für die sonst so sprachlose Formel 1.

          2 Min.

          „Das wäre spannend, witzig.“ Manor-Pilot Pascal Wehrlein gefällt die jüngste Idee der Formel-1-Gestalter. Sie wollen Fernsehzuschauern Eindrücke aus der Fahrerbelehrung vor einem Grand Prix nahe bringen: Aufgepasst, liebe Rennfahrer! Die durchgezogene Linie bei der Boxenausfahrt respektieren und, bitteschön, nicht den Kollegen von der Piste drängen. Andernfalls Prozess am Hals.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Warum aber sollte eine Verkehrsansage den Fan aus der Reserve locken? Weil selbst die Weltmeister während offizieller Pressekonferenzen kaum mehr über soufflierte wie weichgespülte Verlautbarungen hinauskommen. Die bisweilen erdrückende Sprachlosigkeit hängt mit der Sorge der Protagonisten zusammen, bei schwierigen Themen und kantigen Standpunkten falsch verstanden zu werden.

          Insofern ist die jüngste Idee auf den ersten Blick nicht so schlecht. Schließlich könnte sie einen pädagogisch wertvollen Beitrag zur Verkehrserziehung unsicherer Autofahrer (Rotlicht beachten!) und gleichzeitig gute Unterhaltung bieten. Denn so ein Fahrerbriefing ist mehr als eine Belehrung. Manchmal fahren sich die Herren gegenseitig an, manchmal wird scharfe Klage geführt, das Ego herausgekehrt oder der Schmollwinkel aufgesucht.

          Die Lümmel von der ersten Bank: Hamilton und Alonso lenken sich mit Smartphone-Bildern von der Medienfragerei ab

          Platzhirschen neigen dazu, aufmüpfige Rivalen verbal einzubremsen. Da könnte man – die Sitzungen sind nicht öffentlich – jene Antworten hören auf Fragen, die während Pressekonferenzen gestellt werden. Dem Novizen Wehrlein gefiel zum Beispiel das Briefing in Baku. Nico Rosberg reklamierte einen interessanten Widerspruch. Als Lewis Hamilton den Jungstar Max Verstappen wegen einer lauthals geäußerten Sorge um die zu enge Boxenausfahrt in die Ecke des Angsthasen stellte, erinnerte der Mercedes-Mann seinen Teamkollegen vor den anderen Piloten trocken an dessen kurz zuvor teamintern vorgetragene Gefühlsbeschreibung bei der ersten Durchfahrt: „Ich hätte“, soll Hamilton erzählt haben, „beinahe in die Hose gemacht.“

          Gepflegte Langeweile: Formel-1-Piloten bei der Pressekonferenz

          Witzig, entlarvend, komisch, spannend, die Fortsetzung eines Asphalt-Duells mit rhetorischen Mitteln in so einer Besprechung verlangt volle geistige Präsenz und Schlagfertigkeit. Bei den Pressekonferenzen hat das nicht mehr jeder nötig. Am Donnerstag amüsierte sich Hamilton köstlich während rund 24 der fünfundzwanzigminütigen Anhörung auf der Rennstrecke von Suzuka mit einem Smartphone, unter Beteiligung seiner Snapchat-Gemeinde.

          Unter anderem setzte der Weltmeister seinem Konterfei des eingangs geschossenen Selfies Hasenohren auf. „Hey Mann, wir machen das (Pressekonferenzen) so lange, es ist doch immer das Gleiche. Es muss mal was Neues hinzugefügt werden.“ Demnächst also Fahrer-Besprechungen im Fernsehen? Sie würden sich sofort in Klamaukstunden gelangweilter PS-Heroen verwandeln.

          Weitere Themen

          Mit Wiener Schmäh

          Unser täglich Sportbuch : Mit Wiener Schmäh

          Ein Fußball-Roman, der Spaß bereitet beim Lesen: Mit unterhaltsamen Doppelpässen aus Fiktion und Realität erzählt Tonio Schachinger ein Jahr aus dem Leben eines selbstverliebten Fußball-Stars.

          Topmeldungen

          Deal mit Amerika : Ein Erfolg für Erdogan

          Die Verhandlungen des türkischen Staatspräsidenten mit dem amerikanischen Vizepräsidenten Mike Pence führen zu einer fünf Tage langen Waffenruhe. Wie hoch ist der Preis? Eine Analyse.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.