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Krise in der Formel 1 : Mit Vollgas gegen die Wand

Und was sagt Bernie Ecclestone zu den Problemen der kleinen Teams? Misswirtschaft! Bild: AFP

Die Formel-1-Strategen stimmen über das Motorenkonzept ab. Dabei geht es aber um mehr als ein technisches Detail. Kümmern sich die Verantwortlichen nicht schnell um das Gesamtwohl ihres Sports, sieht es düster aus für die Formel 1.

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          Das Ende von Bernie Ecclestone als Chefmanager der Formel 1 wird wohl - nicht kommen. Damit hatten Insider spekuliert, als Gerüchte blühten, ein Treffen der Strategen an diesem Donnerstag in Genf werde eine Ära beenden. So weit kann es auch ohne eine Demission des 84-jährigen Briten kommen. Denn die Vordenker bemerken doch, in welche Sackgasse sie sich hineinmanövriert haben. Sie wollen über das Motorenkonzept der Formel 1 abstimmen.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Das klingt eher nach einem unsichtbaren Wandel unter der Haube, den man nicht weiter beachten müsste. Aber diesmal geht es um mehr als ein technisches Detail. Mercedes wird mit dem besten Hybrid-Antrieb seine Dominanz vorerst behalten, weil die Konkurrenz wegen einer Entwicklungsbremse nicht schnell genug nachrüsten kann.

          Also droht am Donnerstag die Abschaffung der erst 2014 eingeführten Technik für die Saison 2016. Die Vorstellung, dann mit billigeren 1000-PS-Monstern im Heck zu kreisen, triebe Konzerne wie Daimler aus der Serie. Bleibt es aber beim Hybrid-System, dann verliert die Formel 1 ihren Mittelbau, die Privatteams wie Sauber, Lotus oder Force India. Diese Rennställe können die teuren Antriebe kaum bezahlen. Selbst schuld, sagt Ecclestone und urteilt pauschal: Misswirtschaft!

          Die Wahrheit ist komplexer. Schon lange vor den Insolvenzen zweier Rennställe im Herbst hatte die Sauber-Fraktion eine Kostenreduzierung gefordert. Sie wurde ignoriert und mit dem neuen Motorenkonzept konterkariert. Auch die Klage über eine zweifellos ungerechte Verteilung der Vermarktungseinnahmen unter den Rennställen verhallte. Selbst die plausiblen Vorwürfe, eine Kartellstruktur innerhalb der Formel 1 mit den stärksten Teams in einer sogar Regeln formulierenden Gruppe beschneide die Wettbewerbschancen der Ausgeschlossenen, nahm niemand aus dem Zirkel ernst.

          „Die Formel 1 schafft sich gerade ab“

          Jetzt kümmert sich die Europäische Wettbewerbskommission um den Fall. Sie könnte nicht nur ein Kartell bestätigen, sondern auch herausfinden, dass sich der Internationale Automobilverband als oberste Motorsportbehörde für etwa 40 Millionen Dollar verkauft hat an den Besitzer der Formel-1-Vermarktungsrechte. Ihre Aufgabe, als neutrale Instanz den Sport vor dem Geschäft zu schützen, kann die Fia nicht mehr erfüllen.

          Deshalb müssen sich Teams wie Sauber rechtlos und völlig alleingelassen fühlen im Kampf um ihre Existenz. Rennställe, die in der Formel 1 zum Selbstzweck fahren, die über Jahrzehnte so etwas wie eine Lebensversicherung des gesamten Rennbetriebes bildeten, werden auf der Strecke bleiben. Falls sich die Strategen also nicht mit Höchstgeschwindigkeit um das Gesamtwohl ihres Sports kümmern, dann wird der führende Kopf eines Rennstalls recht behalten: „Die Formel 1 schafft sich gerade ab.“

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