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Crashtest - Formel-1-Kolumne : Bitte nicht hinschauen!

  • -Aktualisiert am

So geht es eigentlich nicht: Nico Rosberg schaut bei der Ankunft in Bahrein zu genau hin Bild: Reuters

Die Formel 1 ist mal wieder in Bahrein zu Gast: Das Rennen wird bei Dunkelheit ausgetragen, damit die Fernsehbilder keine Rauchsäulen der Protestbewegung übermitteln. Und die Medien werden fürsorglich abgeschirmt von der Realität.

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          Diese Fürsorge. Einmalig. Wer von der Formel 1 in Bahrein berichten will, ist  herzlich willkommen,  wird abgeholt am Flughafen, durch die Passkontrolle geschleust  und direkt ins Medien-Hotel gebracht. Von dort jeden Tag zur Rennstrecke draußen vor der Stadt in die Sakhir-Wüste chauffiert und wieder zurückgefahren. Wenn auch nicht gerade in einer königlichen Motorkutsche. Der Kleinbus für die geschlossene Reisegruppe tut es ja auch.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Wozu denn Geld verschwenden für einen Mietwagen? Zumal dann  niemand Sorge tragen muss, dass sich ein orientierungsloser Kreisverkehr-Journalist auf der Hauptinsel des Landes im persischen Golf verfährt und in einem der Dörfer vor den Toren der Hauptstadt Manama landet. Da hausen nämlich Terroristen, wie die Staatsmacht immer wieder eindrücklich warnt, von Iran Gedungene, Staatsfeinde. Gefährlich.

          Rennsonntag als Staatsakt

          Das ist schon ein enormer Service, den  Bahrein bietet, ein echtes Rundumsorglospaket. Schließlich sollen sich die Berichterstatter aus aller Welt auf den Krieg der Sterne im Mercedes-Team konzentrieren können, auf Vettels Jagd und nicht von der Unterdrückung der schiitischen Bevölkerungsmehrheit durch die sunnitischen Machthaber irritiert werden so wie vor drei Jahren von den Protesten rund ums Rennen. Der Rennsonntag wird als Feiertag Bahreins verkauft, die wirkungsvollste Außendarstellung, das Signal an die ganze Welt, dass alles rund läuft im kleinen Königreich, eine Art Staatsakt. Nur mehr oder weniger ohne Fußvolk.

          Schon besser: Kimi Raikkönen konzentriert sich aufs Rennen

          Es hält sich fern, seit bekannt wurde, dass rund um die  blutig niedergeschlagenen   Demonstrationen 2011 Menschen in den Gebäuden der Rennstrecke gefoltert wurden. Wer sich in den Argusaugen der Polizei ungebührlich nähern will, um die Fernsehbühne zu nutzen, wird ferngehalten – mit Straßensperren. Seit im vergangenen Jahr Flutlicht den Grand Prix zum Sonnenuntergang in ein Nachtrennen verwandelt, sind auf den Bildern der Hubschrauberkameras nicht mal mehr die Rauchsäulen brennender Autoreifen zu sehen, die aufmüpfige Jugendliche anzünden.

          Berichterstattung nur übers Rennen

          Wahrscheinlich kriegt der König wieder eine störungsfreie Werbesendung.  Er zahlt ja auch viel dafür, angeblich 40 Millionen. Dollar Das wären auf die Live-Übertragung des Rennens  bezogen 7017 Dollar -  pro Werbe-Sekunde. Dafür wird man ja rund um den Sportfeiertag seine Ruhe haben dürfen vor den Bürgerrechtlern und respektablen Organisationen, die auf die krassen Verstöße gegen Menschenrechte hinweisen und groteske Verurteilungen beklagen.

          Um ganz sicher zu gehen, hat der Veranstalter seinem Rundumsorglospaket bei der Übermittlung des Arbeitsvisums noch eine Fußnote hinzugefügt: „Bitte nehmen Sie zur Kenntnis, dass Ihre Arbeit im Königreich auf die Berichterstattung des Grand Prix 2015 und die Aktivitäten auf der Rennstrecke beschränkt ist.“ Wer wünscht, über andere Veranstaltungen im Königreich zu berichten, soll beim Informationsministerium um eine Klärung bitten.

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