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Crashtest-Kolumne : Warum die Kritik an der Formel 1 so groß ist

Lewis oder Nico? Nico oder Lewis? In der Formel 1 dreht sich alles oft nur um diese eine Frage. Bild: AP

Rosberg oder Hamilton? Die Formel 1 ist berechenbar geworden. Wenig Spannung bieten andere Sportarten auch manchmal. Zwei gewaltige Unterschiede gibt es allerdings.

          Gerade einmal zwei Rennen sind in dieser Formel-1-Saison gefahren, der erste große Verlierer aber steht schon fest: der Sport. Wieder einmal hat es der schnellste Zirkus der Welt geschafft, sich im Scheinwerferlicht der Kameras aus allen Teilen der Welt in Rekordzeit zu blamieren. Dass der neue Qualifikationsmodus, bei dem jeweils nach neunzig Sekunden ein Fahrer ausscheiden musste, ein Flop war, stand schon nach der Premiere in Melbourne fest.

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Aber erst nach dem Rennen in Bahrein konnten sich die Verantwortlichen dazu durchringen, wieder zum alten Format zurückzukehren. So wird es nun also an diesem Wochenende beim Rennen in China (Start am Sonntag um 08.00 Uhr MESZ / Live bei RTL, Sky und im Formel-1-Ticker bei FAZ.NET) kommen. Ob das nun aber die PS-Welt auf den Kopf stellt? Wohl kaum! Am Sonntag wird wieder ein Silberpfeil auf der Pole Position stehen. Und einer wird danach das Rennen gewinnen. Wetten, dass?

          Die Formel 1 ist zu einer berechenbaren Angelegenheit geworden. Dabei lebt der Sport vor allem von seiner Spannung, von der Unvorhersehbarkeit der Dinge, von Überraschungen und den Geschichten, die damit so oft einher gehen. Die derzeitige Geschichte der Formel 1 lautet: Nico Rosberg gegen Lewis Hamilton, Herausforderer gegen Weltmeister, Mercedes gegen Mercedes – und diese Geschichte läuft in Endlosschleife.

          „Wir sollten die Formel 1 einfacher machen, roher und wilder“: Sebastian Vettel.

          Dem Autobauer aus Stuttgart mit seiner Formel-1-Dependence in England ist da kein Vorwurf zu machen, die klugen Köpfe erledigen ihren Job dort seit mehr als zwei Jahren nahezu in Perfektion. Und die Gegner, allen voran Ferrari, haben vor allem ihre Motoren allzu lang nur auf Sparflamme entwickelt – und sehen deshalb regelmäßig nur die Heckflügel der beiden Mercedes.

          Dabei bedeutet dies nicht zwangsläufig, dass die Unterhaltung sonntags deshalb schlecht wäre. Die Rennen sind mal spektakulär, mal gut und mal weniger gut – aber das ist im Fußball, beim Tennis, Basketball, Handball oder Eishockey nicht anders. Zwei gewaltige Unterschiede aber gibt es: Erstens werden in den anderen Sportarten nicht regelmäßig die Regeln verändert, und zweitens reden die Hauptdarsteller das eigene Produkt nicht permanent schlecht. In der Formel 1 gehört beides dazu – und auch deshalb nimmt die Kritik an dieser Serie zu.

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          Dass Ton und Inhalt der Kritik mitunter ins Polemische gehen und sich auch Leute äußern, welche den Motorsport ohnehin für eine Sünde halten, vernachlässigen wir an dieser Stelle. Uns kommt es auf den Kern an und damit auf die Frage: Wofür steht die Formel 1 eigentlich? Zumeist war es der menschliche Wahnsinn und technische Fortschritt der jeweiligen Zeit. Um Leben und Tod aber geht es schon lange nicht mehr, und die Hybridtechnologie ist keine, welche die Massen begeistert. Ferrari-Star Sebastian Vettel, viermaliger Weltmeister, fordert nun: „Wir sollten die Formel 1 einfacher machen, roher und wilder.“

          Dabei sind die Leistungen noch immer beeindruckend. In Bahrein hat Hamilton zuletzt den elf Jahre alten Streckenrekord von Fernando Alonso um beinahe eine halbe Sekunde unterboten. Der Spanier setzte die Marke seinerzeit noch in einem Renault mit einen Zehn-Zylinder-Motor im Heck, der Rennwagen gilt noch immer als einer der schnellsten Autos in der Geschichte dieser Serie. Dennoch blieb der Speed von Hamilton und Mercedes nicht mehr als eine Fußnote während des Grand-Prix-Wochenendes in Bahrein. Die Formel 1 bringt sich derzeit selbst um den Verstand. Anderen fehlt das Verständnis schon länger.

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