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Crashtest – Formel-1-Kolumne : Wieso die Briten das Racing so lieben

Nicht größer als der Sport: Lewis Hamilton wird in England zwar gemocht, aber nicht vergöttert Bild: AFP

Anders als viele Rennen verliert der Große Preis von Silverstone fast keine Zuschauer. Denn während die Briten den Motorsport an sich lieben, vergöttern die Deutschen eher dessen Helden. Doch die totale Identifikation mit einem Sportler hat auch Nachteile.

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          Es wird heiß an diesem Wochenende – sogar im Vereinigten Königreich. Mehr als dreißig Grad Celsius prognostizieren die Meteorologen für das Grand-Prix-Wochenende in Silverstone. Perfekte Bedingungen also für einen Tag Meer, für ein paar Stunden am See, im Park oder im eigenen Garten. Die Veranstalter des Großen Preises von Großbritannien (Sonntag 14 Uhr / Live bei RTL, auf Sky und im Formel-1-Ticker auf FAZ.NET) aber fürchten dennoch keine leeren Ränge. Im Gegenteil: Allein am Rennsonntag sollen mehr als 120.000 Menschen am Kurs sein. Zum Vergleich: Nach Hockenheim kamen im vergangenen Jahr nur etwa 50.000 Zuschauer.

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Warum ist das so? Warum leiden die Rennstrecken in vielen Teilen Europas unter Zuschauerschwund und finanziellen Schwierigkeiten und sind damit mehr oder weniger vom Aus bedroht – und der Brite pilgert Jahr für Jahr nach Silverstone, als würden dort noch einmal die Beatles auftreten. „Wir haben einfach die unglaublichsten, leidenschaftlichsten Fans überhaupt in diesem Land, sei es im Fußball, im Tennis, in der Formel 1, was auch immer“, sagt Mercedes-Pilot Lewis Hamilton, der Führende im WM-Klassement.

          Verbunden durch die Liebe zum Racing

          Dabei scheiden sich an ihm die Geister auf der Insel – und zwar schon seit Jahren. Die einen sind für ihn, bewundern seinen Aufstieg, sein Hollywood-Leben, seine Kühnheit im Cockpit. Den anderen ist das zu viel des Guten, sie halten es mit dem anderen Briten im Feld: Jenson Button. Und doch verbindet beide Lager eines: die Liebe zum Motorsport, die Leidenschaft für das, was dort auf dem Rund in der Grafschaft Buckinghamshire passiert: Racing. Das war so, als die Hauptdarsteller noch Ayrton Senna und Alain Prost hießen, als Michael Schumacher diesen Sport dominiert hat, Hamilton oder Button um den WM-Titel kämpfen. Eigentlich war es nie anders.

          Auch die Deutschen mögen den Sport, aber sie lieben vor allem dessen Helden. Tennis wurde hierzulande richtig groß mit Boris Becker und Steffi Graf auf den Centre Courts dieser Welt; der Radsport zog mehr und mehr Leute vor die Fernseher, als sich Jan Ullrich die Berge hinauf quälte; das Boxen wurde mit Henry Maske populär; der Motorsport kam erst mit Schumacher im Cockpit richtig in Fahrt. Zeitweise erreichten sie in der deutschen Bevölkerung einen Bekanntheitsgrad von 99 Prozent. Becker war Tennis, Ullrich Radsport, Schumacher die Formel 1. Verließen die Stars ihre Bühne wieder, schalteten auch mehr und mehr Zuschauer ab. Die totale Identifikation mit einem Sportler hat Nachteile.

          Nicht nur die Rennstrecken in Hockenheim und am Nürburgring leiden heute darunter. Auch die Fernsehanstalten stöhnen, „RTL“ etwa hat noch immer keinen neuen Vertrag für die Formel 1 unterzeichnet. Es ist also durchaus möglich, dass der Fan von der kommenden Saison an zahlen muss, weil er Sebastian Vettel im Ferrari nur noch bei „Sky“ sehen kann. So ist es in England übrigens zum Teil schon seit 2012. Dort teilen sich „BBC“ und „Skysports“ die Übertragung der Rennen - und der Zuschauer zahlt gern dafür, wenn er denn muss. Auf den englischen Fan ist Verlass – auch abseits von König Fußball. 

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