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Crashtest : Wanted: Weltmeister

Gesucht: Der Weltmeister Bild: DPA

Sebastian Vettel oder Fernando Alonso? Einer der beiden wird zum dritten Mal Weltmeister. Vettel hat die besseren Aussichten, aber die Geschichte zeigt, dass das nichts heißen muss.

          2 Min.

          São Paulo, „Autodromo José Carlos Pace“ – dort sind in der Vergangenheit schon viele Männer dem Glück entgegen gerast,  für andere endete der große Traum in Brasilien mit Tränen der Enttäuschung. So wird es auch am kommenden Sonntag (Start: 17 Uhr MEZ im FAZ.NET-Liveticker) sein: Sebastian Vettel (Red Bull) gegen Fernando Alonso (Ferrari) – einer der beiden wird zum dritten Mal in seiner Karriere Weltmeister in der Formel 1 und steigt damit auf zum Chefpiloten der Serie. Denn nach dem Rücktritt von Michael Schumacher zum Saisonende wäre kein anderer noch aktiver Pilot mehr erfolgreicher.

          Michael Wittershagen
          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          In der Theorie hat Vettel die besseren Karten, er geht mit dreizehn Punkten Vorsprung ins Rennen, er sitzt im schnelleren Wagen, er muss weit weniger riskieren als der Spanier. Was den Plan zunichte machen könnte? Die Realität: Der Rennwagen mit der Typennummer RB8 ist ein fragiles Wesen, bei dem es immer wieder Probleme mit der Lichtmaschine gibt. Eine andere Bedrohung ist der Kurs in Brasilien, bei dem Wetter und Unfälle schon oft für ein Chaos gesorgt haben. 

          Hätte, Wenn und Aber – Vettel kann mit derlei Dingen nichts anfangen, immer wieder betont er, sich nur auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren. Das dürfte schwierig werden, denn kaum ein anderer Fahrer beschäftigt sich so intensiv mit der Geschichte seines Sports und weiß genau, dass schon oft etwas passiert ist, dass sich zuvor selbst kühnste Optimisten nicht einmal vorstellen konnten. Nachfolgend drei Kostproben aus den vergangenen fünf Jahren.

          Der Kampf um die Fahrer-WM: Zu Saisonbeginn wechselten sich Vettel und Alonso ab, dann zog der Spanier davon, ehe der Deutsche im Schlussbogen wieder vorbeifuhr Bilderstrecke
          Der Kampf um die Fahrer-WM: Zu Saisonbeginn wechselten sich Vettel und Alonso ab, dann zog der Spanier davon, ehe der Deutsche im Schlussbogen wieder vorbeifuhr :

          São Paulo, 21. Oktober 2007: In Brasilien steigt eine italienische Überraschungsparty. Mit sieben Punkten Rückstand war Kimi Räikkönen (Ferrari) seinerzeit in das finale Rennen gegangen – eine kleine Welt, schließlich gab es nach dem damaligen Punkte-System lediglich zehn Punkte für einen Sieg. Genau diesen sicherte sich Räikönnen in Brasilien und setzte sich am Ende knapp gegen die beiden McLaren-Piloten Hamilton und Alonso durch:  110:109:109-Punkte – geht es noch enger? 

          São Paulo, 2. November 2008: Am Kommandostand von Ferrari jubeln sie schon, Massa (Ferrari) fährt als Erster ins Ziel und scheint neuer Weltmeister zu sein. Selbst einige Fernseh-Kommentatoren glauben das. Sekunden später aber wissen auch sie: Sie haben dem Falschen beglückwünscht. Kurz vor Schluss zieht Hamilton (McLaren) noch an Timo Glock (Toyota) vorbei, wird Fünfter und sichert sich damit den Titel mit einem Punkt Vorsprung. Und Massa? Auch er ging in die Geschichte ein. Nie zuvor wurde ein Weltmeister so schnell ausgerufen – und wieder abberufen. 

          Abu Dhabi, 14. November 2010: Alonso (Ferrari), Vettel, Webber (beide Red Bull) oder gar Hamilton (McLaren)? Kaum einer wagte vor dem letzten Rennen eine Prognose, zu vieles war möglich. Genau das wird zum Problem für die Experten am Ferrari-Kommandostand. Sie reagieren mit ihrer Strategie auf jene von Webber, der als Zweiter im Klassement der härteste Rivale zu sein scheint. Vettel verlieren sie dabei aus den Augen. Der Deutsche gewinnt das Rennen und wird jüngster Weltmeister in der Geschichte dieser Rennserie. Warum? Weil er bis zum Ende an seine Chance geglaubt hat.

          São Paulo, 25. November 2012: Die Geschichte könnte sich wiederholen mit den gleichen Protagonisten und unterschiedlichen Rollen. „Auf dem Papier liegt unsere Chance vielleicht bei 25 Prozent“, sagt Alonso. „Aber tief in mir spüre ich, dass es viel mehr ist.“ Wer möchte ihm da widersprechen?

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