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Crashtest-Kolumne : Letzte Warnung von Mateschitz

Kein Mann für Kompromisse: Selfmade-Milliardär Dietrich Mateschitz Bild: dpa

Erst belächelt, dann gefürchtet: Red Bull hat die Formel 1 mächtig aufgemischt. Doch nun stocken die Motoren. Brause-Milliardär Mateschitz ist beleidigt und droht mit dem Ausstieg.

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          Dietrich Mateschitz macht mobil. Der Brause-Milliardär hat der Formel 1 ein Ultimatum gestellt. Sozusagen eine letzte Warnung vor den Latz geknallt im eigenen Fachmagazin „Speedweek“: Entweder ich kriege anständige Motoren für meine Teams oder ich mache nicht mehr mit. Basta. Das ist nicht nur eine ernstzunehmende Drohung des Österreichers. Es ist auch die Reaktion eines Beleidigten. Und damit das eher klebrige Ende einer ziemlich starken Geschichte. Gekommen 2005 als Soft-Saft-Gruppe mit Gefühl für Entertainment, erregte das Red-Bull-Projekt bei der etablierten Konkurrenz zunächst nur ein süffisantes Lächeln. Was will denn die Tanz-Truppe im Motorsport? Vielleicht den Bierernst vertreiben.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Nur blieb es nicht bei der guten Unterhaltung. Der Konzern schenkte den Automobil-Größen samt des Formel-1-Heiligtums Ferrari mächtig ein. Entwickelte einen beim Weltkonzern  BMW verkannten Vettel zum Grand-Prix-Sieger und dann zum viermaligen Weltmeister in Serie. Nie zuvor ist einem Außenseiter in so kurzer Zeit eine so eindrucksvolle Karriere gelungen. Die Macht wurde so groß, dass Red Bull nun einen goldwerten Sonderstatus bekleidet. Seit dem letzten Formel-1-Vertrag gibt es zum Preisgeld einen enormen Bonus: die Abrechnung 2015 (für 2014) weist nämlich 70 Millionen Euro obendrauf aus.

          Das will Mateschitz alles aufgeben, wenn er nicht bis Ende Oktober die Zusage für einen angemessenen Motor in der Saison 2016 bekommt. Damit ist jeweils das beste Antriebssystem von Ferrari oder Mercedes gemeint. Die Deutschen haben längst abgesagt – auf der Motorsport-Ebene. Ferrari bietet nur Modelle von 2015. Verständlich. Wer will (und kann) in diesem Rennen schon einen potentiell gefährlichen Gegner mit gleich starkem Material ausrüsten, wenn er gleichzeitig noch Boden gut machen muss auf den Seriensieger Mercedes? Im Sinne des Sports wäre das schon. Obwohl Chancengleichheit nicht die grundsätzliche Triebfeder von Red Bull ist, sondern allein der Gedanke, siegen zu können.

          Im Zweifel in aller Öffentlichkeit vorgeführt

          Ein Rückzug der „Bullen“ würde die Aussicht auf einen ersehnten Mehrkampf um die Titel zweifellos schwächen. Denn Boliden können sie bauen, das ist ja das Problem für die Konkurrenz aus Deutschland und Italien. Aber die Verweigerung von Mercedes und Ferrari hat auch noch einen anderen Grund. Die begründete Sorge, vom Partner Hörner aufgesetzt zu bekommen, wie zuletzt Renault. Auch der zum Teil würdelose Umgang mit den Franzosen in aller Öffentlichkeit – eigentlich ein Sakrileg in der Formel 1 - dürfte den Gegnern für eine Engagement bei Red Bull in die Karten gespielt haben: Im Zweifel werden wir in aller Öffentlichkeit vorgeführt.

          Red Bull gewann jahrelang Dank des besseren Autos. Nun verliert es wegen der schlechteren Motoren.

          Das Mitleid im Fahrerlager mit Red Bull hält sich vorerst noch in Grenzen. Zumal überlebende Teams schon auf größere Ausschüttungen aus dem Preisgeld-Topf im nächsten Jahr schielen. Aber eine Reduzierung des Feldes um weitere vier Autos beschleunigte den anhaltenden Image-Verlust der bedeutendsten Rennserie.

          Mateschitz will mit seinem Ultimatum offenbar alle Parteien anregen, Druck aufzubauen auf die Konzerne: Den Automobil-Weltverband (Fia) als eigentlichen Herren des Reglements oder den Besitzer der Vermarktungsrechte, der seine Anteile gerne so teuer wie möglich verkaufen würde. Dahinter steckt nichts anderes als der Versuch, die durch das 2014 eingeführte, teure wie komplexen Hybrid-System mittelfristig wieder loszuwerden. Red Bull gewann jahrelang Dank des besseren Autos. Nun verliert es wegen der schlechteren Motoren.

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