https://www.faz.net/-gu4-7x2qy

Crashtest - Formel-1-Kolumne : Immer langsam mit den Pferden

Magische Runden? Sebastian Vettel muss sich erstmal in Geduld üben Bild: AP

Sebastian Vettel fühlt sich wohl bei Ferrari – immerhin. Große Erfolge mit seinem neuen Team aber sind nicht in Sicht. Die Zeiten in der Formel 1 sind so schlecht, dass Ferrari lieber weiter hinterherfährt.

          2 Min.

          Wie schön, dass sich wenigstens Sebastian Vettel wohl fühlt bei Ferrari. Wenn schon die ersten Kilometer im 2012er Gebrauchtwagen „magisch“ und „wirklich, wirklich besonders“ sind, müssen sie sich bei der Scuderia wenigstens keine Sorgen machen, wie es beim viermaligen Weltmeister ankommt, wenn das neue Modell für die kommende Saison ähnlich lahmt wie der Jahreswagen, den Fernando Alonso neulich in Abu Dhabi zum letzten Mal in der Ferrari-Garage geparkt hat.

          Mag sein, dass Vettel von dem Modell von 2012 auch deshalb so angetan war, weil sein längst desillusionierter spanischer Vorgänger damit damals immerhin noch drei Rennen gewann. Kurzfristig wird sich jedenfalls an der Rangordnung in der Formel 1 nichts ändern, zumal die Scuderia nach wie vor auf der Suche nach dem kommenden Cheftechniker ist, nachdem sich Ross Brawn beim Gedanken an eine Rückkehr zur Scuderia offenbar eher nicht so magisch zumute war.

          Eine Situation, mit der sich die Konkurrenz durchaus anfreunden kann – und nicht nur die: „F1-Total.com“ zitiert Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff jedenfalls so. „Ferrari bekennt sich zur aktuellen Motorenformel.“

          Warnt vor dem Finanzcrash: Max Mosley
          Warnt vor dem Finanzcrash: Max Mosley : Bild: Reuters

          Damit positioniert sich Ferrari unter dem neuen Teamchef Maurizio Arrivabene offenbar anders als noch unter Matteo Mattiacchi, der gemeinsam mit Red-Bull-Boss Christian Horner Front gegen das Verbot einer offenen Weiterentwicklung der Triebwerke während der Saison gemacht hatte.

          Klingt so, als habe die Scuderia selbst wenigstens die kommende Saison schon mal abgeschrieben, ist aber trotzdem vermutlich kein ganz dummer Schachzug. An diesem Mittwoch wird der Weltrat des Internationalen Automobilverbandes Fia auf seiner Sitzung in Doha, Qatar, beschließen, dass die doppelte Punktzahl im letzten Rennen der Saison wieder abgeschafft wird. Zudem wird der stehende Start nach einer Safety-Car-Phase abgeschafft, bevor er eingeführt wurde. Durch und durch sinnvolle Beschlüsse also, allerdings scheint das offizielle Programm so Zeit raubend, dass über vermeintlich nebensächliche Probleme wie das Interesse der EU-Kommission an der nicht eben ausgewogenen Geldverteilung in der Formel 1 allenfalls inoffiziell beraten wird.

          Dabei sind die Klagen der, je nach Sichtweise, minderbemittelten (Bernie Ecclestone)  oder benachteiligten (Sauber, Lotus, Force India) Teams Force India, Lotus und Sauber offenbar doch so fundiert, dass bei genauerer Betrachtung die Wettbewerbshüter aus Brüssel so stark auf die Bremse treten könnten, dass die Formel 1 zur Vollbremsung gezwungen wird. Das zumindest hat der frühere Fia-Präsident Max Mosley gerade der Londoner „Times“ erzählt und gleichzeitig vor dem finanziellen Totalschaden gewarnt.

          Möglich also, dass bei Ferraris wirklich starkem Mann, dem Fiat-Vorstandsvorsitzenden Sergio Marchionne, die Erkenntnis gereift ist, dass die ungebremste Motorenentwicklung oder ein neues Motorenreglement zur übernächsten Saison, weitere Kostensprünge voraus setzen und nach sich ziehen würden, Ideen ungewisser Qualität zum völlig falschen Zeitpunkt sind. Fest steht jedenfalls: Die Zeiten in der Formel 1 sind so dürre, dass Ferrari im Zweifel lieber weiter hinterherfährt. Und das ist, da hat Vettel Recht, wirklich, wirklich außergewöhnlich.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Wie lange noch? Noch steht Armin Laschet im Schatten von Angela Merkel.

          Allensbach-Umfrage : Kanzlerpartei im Ungewissen

          Das Meinungsklima für die Union ist aktuell nicht schlecht. Das liegt aber immer noch vor allem an der Kanzlerin. Der neue CDU-Vorsitzende Armin Laschet muss sich erst noch profilieren.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.