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Crashtest - die Formel-1-Kolumne : Zuerst nachdenken, dann twittern!

Neue Teamkollegen in der kommenden Saison: Lewis Hamilton (im Foto links) und Nico Rosberg Bild: dpa

Hamilton scheint die Grundregeln von Twitter nicht verstanden zu haben: Zuerst verrät er einer Million Freunden technische Details seines Boliden, dann lästert er über seinen Teamkollegen. Die Chancen, dass er den Mercedes-Laden aufmischen dürfte, stehen gut.

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          Ach, ist das wunderbar! Sieben Uhr Ortszeit am Montagmorgen in Tokyo. Vermutlich lag Lewis Hamilton noch in irgendeinem Bett irgendeines sündhaft teuren Hotels, und trotzdem konnte die vernetzte Welt lesen, was in seinem Kopf rum(schw)irrte: „Das ist schade. Nach drei Jahren als Teamkollegen dachte ich, dass wir einander respektieren, aber das tut er eindeutig nicht. Das Lustige daran ist, dass wir IMMER NOCH Teamkollegen sind!“

          Michael Wittershagen
          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Das waren die Zeilen, die der Brite in sein Handy tippte und versendete. Peep! Schönen Gruß an Jenson Button! Kurz zuvor hatte Hamilton wohl die Liste seiner mehr als einer Million Anhänger bei Twitter durchgesehen, der McLaren-Kollege war nicht dabei. Da  musste der Ärger raus. Vielleicht hat Hamilton danach kalt geduscht, jedenfalls meldete er sich noch einmal zu Wort: „Mein Fehler. Habe gerade herausgefunden, dass mir Jenson nie gefolgt ist. Gebt ihm keine Schuld! Ich muss mehr auf Twitter sein!“

          Es gibt ein paar Grundregeln für das Verbreiten von sogenannten Nachrichten  in den Netzwerken, an die sich jeder vernünftige Mensch halten sollte:

          1.     Schreibe nie, wenn Deine Sinne benebelt sind!
          2.     Schreibe nie, wenn du sauer bist!
          3.     Schreibe nichts, das du nicht auch aussprechen würdest!

          Ohne Zweifel ist Hamilton einer der schnellsten Männer in der Formel 1. Allerdings stellen sich inzwischen nicht nur einige seine Landsleute die Frage, ob die Schaltgeschwindigkeit seiner Gedanken dabei mithalten kann. In Spa Anfang September twitterte er Telemetriedaten vom Qualifikationstraining. Der gemeine Autofahrer kann mit so einem Kurvendiagramm nur wenig anfangen, die klugen Köpfe der anderen Rennställe aber rieben sich vor lauter Vergnügen die Hände.

          Auch bei Mercedes haben die Verantwortlichen seinerzeit noch herzlich gelacht über den Fauxpas des 27 Jahre alten Formel-1-Helden, ab der kommenden Saison aber sitzt Hamilton als Nachfolger des besonnenen Michael Schumacher in einem Silberpfeil. Passt so ein extravaganter wie mitteilungsfreudiger Twitterspezialist überhaupt zu den biederen Schwaben?

          Frischer Wind für den Mercedes-Laden

          Es ist noch gar nicht so lange her, da besaß auch sein neuer Teamkollege Nico Rosberg etwas Unverwechselbares, das ihn interessant machte und von vielen anderen im Fahrerlager unterschied. Doch dies zählt inzwischen zur Vergangenheit. Rosberg traut sich kaum noch in die verbale Offensive, seine Worte wirken stattdessen so stromlinienförmig wie jene eines Konzernsprechers.

          Gut möglich also, dass Hamilton den Mercedes-Laden ordentlich aufmischen wird, vielleicht bringt er sogar frischen Wind hinein. Mindestens ebenso wahrscheinlich aber erscheint uns folgender Tweet an seine Online-Gemeinde: 17. März 2013, 16:55 Uhr Ortszeit in Melbourne, wenige Momente vor dem Start des ersten Grand Prix der neuen Saison: „Hallo Leute, suche meinen Silberpfeil! In den ersten sechs Startreihen steht er nicht!“

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