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Crashtest - Die Formel-1-Kolumne : Wurzelbehandlung für Europa

Bei der Getränkewahl darf Vettel auch nicht viel probieren Bild: dpa

Alles neu macht der Mai: In den drei Wochen Pause hat die Formel 1 vor dem Rennen in Barcelona kräftig aufgerüstet. Schumacher und Rosberg kommen mit einem runderneuerten Mercedes - was aber macht die Konkurrenz? Der Crashtest hat hingeschaut.

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          Barcelona im Frühling, Blütenpracht am Mittelmeer, Traumziel für Verliebte im Kurzurlaub - und Rennfahrer. Seit 1991 geht die Formel 1 auf dem Circuit de Catalunya zum Großen Preis von Spanien an den Start und seit dem Abschied aus Imola nach der Saison 2006 ist der Grand Prix der Auftakt in die europäischen Rennen. Bis es Ende September nach Singapur geht, sind die Teams auf großer Europatournee (in diesem Jahr wieder mit dem traditionellen Abstecher ins frankophone, mithin europäisch geprägte Montreal), mit den ebenso klassischen wie beliebten Auftritten in Monaco, Silverstone, Hockenheim, Spa und Monza. „Jeder freut sich, wieder dort Rennen zu fahren, wo der Motorsport zuhause ist“, sagt Weltmeister Jenson Button, der nach zwei Siegen in den ersten vier Rennen wieder als Weltmeisterschaftsführender nach Spanien reist.

          Zurück zu den Wurzeln geht es in Katalonien aber mitnichten - die Formel 1 ist ein denkbar ungeeigneter Ort für Romantiker und Nostalgiker. Stattdessen machte sich manches Team in der dreiwöchigen Rennpause an die Wurzelbehandlung der bisherigen Probleme.

          Zum Beispiel Mercedes. Nach dem zwiespältigen Start in die Saison (Lob für Nico Rosberg, leise Enttäuschung über Michael Schumacher und die schmerzliche Erkenntnis, dass der Mercedes GP W01 nicht zu den schnellsten Dienstwagen gehört) steht in Barcelona ein generalüberholter Silberpfeil in der Box.

          Red Bull RB6: Schnell, aber labil

          Das Dilemma der Mercedes-Piloten: Sie müssen vor allzu großen Erwartungen warnen, ein Sieg dürfte unmöglich sein. „Wir müssen realistisch bleiben“, sagt Nico Rosberg. Wir sind noch nicht in der Position, um zu gewinnen.“ Rosberg und Schumacher wissen, dass es ein Erfolg wäre, den weiterentwickelten Boliden möglichst gewinnbringend einzusetzen - denn jede wesentliche Weiterentwicklung birgt auch die nicht unwesentliche Gefahr eines Rückschritts. Daran ändern auch die 100 Kilometer nichts, die Schumacher am Dienstag bei einer als Werbetermin verkleideten Testfahrt in England fuhr. Und Schumacher wie Rosberg wissen, dass die bislang deutlich schnellere Konkurrenz von Red Bull, Ferrari und McLaren, in den letzten Wochen nicht untätig geblieben ist.

          Ferrari behauptet, die Motorprobleme im Griff zu haben

          Vor allem bei Ferrari haben die Ingenieure und Mechaniker Sonderschichten eingelegt - die Lage war durchaus mit der bei Mercedes zu vergleichen, wenn auch den Italienern weniger die Aerodynamik, sondern eher die Mechanik Kopfzerbrechen bereitete. Motorenprobleme waren selten geworden in den letzten Jahren - doch in den ersten Rennen dieser Saison versagten gleich fünf Triebwerke aus Maranello den Dienst ihrer Pferdestärken.

          Fernando Alonso verschliss zwei Aggregate, beim Kundenteam Sauber erwiesen sich drei Ferrari-Motoren als nicht vollgasfest. Immerhin: die Ingenieure wurden fündig, eine defekte Dichtung an den pneumatisch gesteuerten Ventilen ließ zu viel Luft entweichen. Das Problem sei gelöst, behauptet Alonso - die nächsten Rennen im (hoffentlich) warmen europäischen Sommer werden es zeigen. Zu wenig Luft bei heißen Temperaturen und sensible Formel-1-Motoren werden zuverlässig unzuverlässig.

          Vergleichsweise unbelastet konnten dagegen die Angestellten von Red Bull und McLaren an den eigenen Autos basteln, denn der Vorsprung der eigenen Fahrzeuge auf der Rennstrecke war das Ergebnis des Entwicklungsvorsprungs, den sich beide im Winter erarbeitet hatten. Vor allem McLarens F-Schacht, der eingebaute Windkanal zur Optimierung der Höchstgeschwindigkeit auf der Geraden und des Anpressdrucks in der Kurve, wurde zur Luftnummer mit Aha-Effekt für die Konkurrenz, die nun unter Zeitdruck versucht, ein ähnliches System zu entwickeln. Mercedes hält an der in China bereits vorgestellten Variante fest, Ferrari behauptet, seine Version sei nun einsatzbereit, nachdemTestfahrer Giancarlo Fisichella bereits einige Testrunden in Italien drehte.

          Red Bull will drei Zehntel gefunden haben

          Red Bull dagegen hatte schon beim jüngsten Rennen verzichtet - auf Chefentwickler Adrian Newey, der statt in Schanghai an der Rennstrecke in Milton Keynes im Rennlabor stand. Neweys Arbeit am schnellen, aber labilen RB6 soll erfolgreich gewesen sein. Das jedenfalls behauptet Red-Bull-Berater Helmut Marko. Ganze drei Zehntel soll Sebastian Vettels Renngerät nun noch einmal schneller sein. Wie - das bleibt bislang Neweys Geheimnis. Hat der Österreicher Marko Recht, ist der Konkurrenz zu wünschen, dass die eigenen Weiterentwicklungen ein Schritt in die richtige Richtung sind, sonst geht der Anschluss schnell verloren.

          Genau darin aber liegt das Problem vor allem von Mercedes: Neben Red Bull konnte sich auch McLaren auf die Behandlung der eigenen, vergleichsweise kleinen Schwächen konzentrieren. Und im Rennen, das haben die Asienwochen zu Saisonbeginn gezeigt, fahren die Weltmeister Button und Hamilton ein Auto, das kaum Schwächen hat. Ihr Hauptproblem war bislang der gewinnbringende Umgang mit den Reifen im Qualifikationstraining. Nach Barcelona reist McLaren mit leicht veränderten Front- und Heckflügeln, die auch zu besseren Rundenzeiten am Samstag führen sollen. Im Vergleich zur Aufgabe, die auf die Mercedes-Mannschaft am Silberpfeil wartet, ist deren optimale Einstellung am MP4-25 Feintuning. Gut möglich also, dass das Wochenende in Barcelona für ein Team doch ganz entspannt verläuft. Sicher ist nur: Mehr als eines wird es nicht sein.

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